Kaiserslautern
Badespaß in den Freibädern soll ausfallen
Es ist ein Paukenschlag: Oberbürgermeister Klaus Weichel will die städtischen Freibäder in dieser Saison nicht öffnen. Er geht davon aus, dass aufgrund der Corona-Pandemie maximal 300 Personen pro Schwimmbad eingelassen werden können. Um lange Schlangen vor dem Eingang zu vermeiden, müsste ein Vorausbuchungssystem eingeführt werden, argumentiert er. Um die Besucherzahl pro Tag zu erhöhen, müsste die Badezeit begrenzt werden, auf 300 Personen am Morgen und dann – nach einer kompletten Reinigung und Desinfektion der Anlage – auf 300 am Nachmittag. Pro Bad würden dann aber 17 zusätzliche Sicherheitskräfte benötigt, um die Hygieneregeln zu überwachen, plus vier Reinigungskräfte. „Alleine für das zusätzliche Personal wären 900.000 Euro nötig – und das ohne Materialkosten für Desinfektionsmittel oder Schutzmasken.“ Ihm sei vollkommen bewusst, wie wichtig ein solches Freizeitangebot in einem voraussichtlich urlaubsfreien Sommer wäre. „Guten Gewissens lässt sich das aber einfach nicht realisieren“, so Weichel.
Das Problem mit dem Infektionsschutz
Das weitaus größte Problem für den Bäderbetrieb sieht der Verwaltungschef im Infektionsschutz. „Wir sollten nicht so tun, als wäre die Pandemie vorbei. Dem ist mitnichten so. Mir fehlt die Fantasie, wie man in einer Sportanlage, in der sich 300 Menschen auf engem Raum permanent bewegen, den Infektionsschutz aufrechterhalten möchte.“
Problematisch dazu: Wegen der unklaren Pandemie-Situation seien die Instandhaltungsarbeiten – sie dauern angeblich bis zu acht Wochen – noch gar nicht gestartet worden. Zudem sei es schwierig, überhaupt Personal zu akquirieren. „Es ist höchst fraglich, ob wir überhaupt genug Leute für den Mehrbedarf finden würden.“
Gelterswoog darf öffnen
Michael Blauth, Geschäftsführer der WR Service GmbH, der in der Vergangenheit Badeaufsichten eingestellt und an Kommunen wie Kaiserslautern verliehen hat, sagte am Mittwoch auf Anfrage: „Wir haben derzeit niemand in petto, weil wir davon ausgegangen sind, dass die Bäder im ganzen Land geschlossen bleiben.“ Wenn sich das jetzt ändere und Aufsichten gesucht werden, kümmere er sich darum. „Ob wir Leute finden, das ist ein anderes Thema.“
Unklar ist, was mit dem Gelterswoog passiert. Nach den Worten des Beigeordneten Peter Kiefer hatte die Betreiberin Viktoria Butenko vor fünf Wochen zugesagt, öffnen zu wollen. Das dürfe sie auch, wenn das Land Badegewässer freigebe. „Die Frage ist, ob sich für sie der Aufwand rechnet, wie sie das stemmen kann.“ Er werde in den nächsten Tagen das Gespräch mit ihr suchen. Der Gelterswoog bleibe auf jeden Fall von der Entscheidung, die städtischen Bäder nicht zu öffnen, unberührt, so Kiefer. Der beliebte Badesee ist schon seit sechs Jahren nicht mehr in städtischer Regie, sondern verpachtet.
Ob der Badespaß in Warmfreibad und Waschmühle wirklich ausfällt, steht noch in den Sternen. Die finale Entscheidung soll der Stadtrat in seiner Sitzung am kommenden Montag treffen.
Einwurf
Wenn die Virologen sagen, lasst die Schwimmbäder zu, dann sollten wir darauf hören. Unbedingt! Wenn Oberbürgermeister Klaus Weichel das Infektionsrisiko vorschiebt, in Wahrheit aber nur einen zu großen Organisationsaufwand in Waschmühle und Warmfreibad befürchtet, dann ist das nicht in Ordnung. Wo sollen denn die Kinder in den Sommerferien hin? Urlaub fällt aus, ein Ferienprogramm gibt es nicht. Wenn dann alle auf Spielplätze und in die Parks ausschwirren, kann das mit dem Abstand auch nicht funktionieren.
Die Verantwortlichen machen es sich zu einfach, wenn sie argumentieren, das sei personell nicht zu stemmen. Warum können nicht Ehrenamtliche einspringen, was ist mit den Rettungsschwimmern der DLRG? Sind die überhaupt gefragt worden? Und wieso darf der Gelterswoog öffnen? Gibt es dort auf der Liegewiese und in den Umkleidekabinen kein Infektionsrisiko? Es sollte möglich sein, eine intelligente Gesamtlösung zu finden.