Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Was Raab Karcher und Hermann Hussong mit der Huberkapelle zu tun haben

Die Huberkapelle auf dem Hauptfriedhof.
Die Huberkapelle auf dem Hauptfriedhof.

Eigentlich wollte die Unternehmerfamilie Huber eine Kirche im Elsass bauen. Doch daraus wurde nichts. So kam es schließlich zum Bau einer Kapelle auf dem Kaiserslauterer Waldfriedhof.

Die Geschichte beginnt 1848 mit dem Zusammenschluss von sieben Kaiserslauterer Kaufleuten, darunter Wilhelm Raab, Eduard Karsch und Ernst Huber, zur Kohlenhandelsgesellschaft „Raab, Karsch & Comp.“. Später, nachdem Carl Heinrich Karcher in das Unternehmen eingetreten war, wurde die Firma umbenannt in „Raab Karcher & Cie.“.

Ernst Huber, 1815 in Kaiserslautern geboren, Sohn eines aus Ellerstadt zugezogenen Gastwirts und Fuhrmanns, erlernte zunächst das Schmiedehandwerk, wanderte dann in die USA aus, kehrte vier Jahre später wieder zurück, gründete eine Kohlenhandlung und heiratete 1842 Luise Gerlach, eine Kaufmanns- und Gastwirtstochter aus Offenbach am Glan. Zwei Töchter, Clara und Elise, und zwei Söhne, Carl und Ernst, wurden ihnen geboren. Nach 34-jähriger Tätigkeit in der Kohlenhandelsgesellschaft zog sich Ernst Huber 1882 in den Ruhestand zurück. 1895 starben Ernst und Luise Huber, nachdem sie noch drei Jahre zuvor das seltene Fest der Goldenen Hochzeit feiern konnten. Sie wurden auf dem alten Friedhof an der Friedenstraße bestattet.

Zur Ausbildung auf eine Privatschule ins Taunus

Der älteste Sohn Carl, geboren 1848, kam zunächst auf die Kaiserslauterer Gewerbeschule. Dort „erwuchsen ihm Schwierigkeiten“, wie es in der Familiengeschichte heißt, so dass ihn seine Eltern in das Institut von Louis Frédéric Garnier nach Friedrichsdorf im Taunus schickten, einer renommierten Privatschule für Knaben, die von vielen Kaufmannssöhnen besucht wurde. Sie lernten dort nicht nur die englische und französische Sprache, hier wurden auch mathematische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt. Einer von Carl Hubers Lehrern war dort Johann Philipp Reis, der Erfinder des Telefons. Anschließend absolvierte er eine Kaufmannslehre in Landstuhl und Bergzabern. In Lausanne verbesserte er seine Französisch-Kenntnisse. Um 1870 erhielt er eine Stelle als Vertreter bei einem Unternehmen in Darmstadt.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der Annexion des Elsass und Lothringens durch das Deutsche Reich trat Carl Huber in die 1872 von „Raab, Karsch & Comp.“ errichtete Verkaufsniederlassung in Straßburg ein. Bald nach seiner Heirat mit Helene Raab, der Tochter des Teilhabers Wilhelm Raab, wurde er 1877 Gesellschafter des Unternehmens, führte es mit großem Erfolg und baute es durch die Schaffung weiterer Lager- und Umschlagsplätze sowie einer eigenen Rhein-Schifffahrtsflotte weiter aus. Kaiser Wilhelm II. ernannte ihn 1897 zum „Kaiserlichen Kommerzienrat“. Neun Jahre später wurde ihm der Titel „Kaiserlicher Geheimer Kommerzienrat“ verliehen.

Große Jubiläumsfeier im Jahr 1912

1912 konnte die „Kohlen- und Koksgroßhandlung und Reederei Raab Karcher & Cie.“ das 40-jährige Bestehen mit zahlreichen prominenten Gästen in Straßburg festlich begehen. „Die Feier bewies“, so war in der Presse zu lesen, „den weltumspannenden Charakter der Firma und trug ein geradezu internationales Gepräge. Franzosen, Belgier, Schweizer, Luxemburger und Vertreter anderer Nationen waren zahlreich anwesend.“ Damals beschäftigte das Straßburger Haus rund 450 Arbeiter und 150 Angestellte und unterhielt Zweigstellen in Saarbrücken, Metz, Paris, Nancy, Zürich, Brüssel und Gent.

Kommerzienrat Carl Huber hatte sich um die Jahrhundertwende eine stattliche Villa in Wangenburg (heute Wangenbourg) in den Vogesen bauen lassen. Er starb am 10. März 1914 nach längerer Krankheit in Straßburg und wurde im Garten seiner Villa bestattet. Seine Söhne Willi und Oskar beabsichtigten in Wangenburg eine evangelische Kirche bauen zu lassen. „Die Bevölkerung ist dort überwiegend katholisch. Es sollte damit für die zerstreut in der Umgegend lebenden Protestanten eine Gottesdienstmöglichkeit geschaffen werden“, schrieb Willi Huber. Die Pläne lagen schon vor, da brach 1914 der Krieg aus. Das Projekt des Kirchenbaus wurde eingestellt.

Eine Kapelle mit darunter liegender Gruft

Bei Kriegsende 1918 und der Rückkehr des Elsass zu Frankreich musste die Familie Huber Straßburg und Wangenburg verlassen. Der Firmensitz wurde nach Karlsruhe verlegt. Willi Huber, der 1879 in Kaiserslautern geborene Sohn von Carl und Helene Huber, entschied sich nun, auf dem hiesigen Waldfriedhof eine Kapelle mit einer darunter liegenden Gruft zu bauen. Mit der Planung beauftragte er den Lauterer Oberbaudirektor Hermann Hussong, der bereits 1912 die Pläne für den Waldfriedhof ausgearbeitet hatte.

Am 14. März 1925 wurde die Kapelle eingeweiht. Die Festpredigt hielt Oberkirchenrat Eugen Mayer, der über seine erste Frau, einer geborenen Hach aus Otterbach, mit den Familien Raab und Huber verwandt war. An der Feier nahmen 27 Familienmitglieder teil. Zuvor hatte Willi Huber bereits die sterblichen Überreste seiner Großeltern Ernst und Luise Huber und die seines 1920 aus dem Elsass nach Kaiserslautern überführten Vaters in der Gruft beisetzen lassen.

Zwischen 1932 und 1968 wurden neben der Witwe Carl Hubers ihre beiden Söhne und Gesellschafter von „Raab Karcher & Cie.“, Willi Huber und Oskar Huber (schwedischer Generalkonsul), mit ihren Ehefrauen in der Gruft bestattet. Auf der Grabstätte vor der Gruft wurden später mindestens vier weitere Familienmitglieder beerdigt. Die letzte Beisetzung war 2011 die von Reinhild Huber, geb. Freiin von Wilmowsky, Witwe des 1998 in Essen verstorbenen Firmenchefs Wolfgang Huber.

Villa Huber in Wangenburg, Elsass. Die Postkarte stammt aus den Jahren um 1910.
Villa Huber in Wangenburg, Elsass. Die Postkarte stammt aus den Jahren um 1910.
Goldene Hochzeit von Ernst und Luise Huber im Jahr 1892 im Kreis ihrer Kinder und Enkel. Das Jubelpaar in der Mitte sitzend, dah
Goldene Hochzeit von Ernst und Luise Huber im Jahr 1892 im Kreis ihrer Kinder und Enkel. Das Jubelpaar in der Mitte sitzend, dahinter Carl und Helene Huber und Carl Huber, neben ihm die beiden Söhne Oskar und Willi. Alle Genannten sind in der Gruft bestattet.
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