Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Was die Amerikaner für Ramstein-Miesenbach bedeuten

Die Air Base Ramstein ist weit über die Grenzen der Pfalz hinaus bekannt.
Die Air Base Ramstein ist weit über die Grenzen der Pfalz hinaus bekannt.

Rund 70 Jahre gibt es die Air Base Ramstein inzwischen. Aus Stadt und Kreis Kaiserslautern sind die Amerikaner nicht mehr wegzudenken. Das trifft ganz besonders auf Ramstein-Miesenbach zu. Ralf Hechler, Bürgermeister der Stadt und Verbandsgemeinde, über Infrastruktur, Internationalität und Klischees.

Ach, Ramstein ist nicht nur ein US-Stützpunkt? Dass es die Stadt Ramstein-Miesenbach gibt, wurde dem ein oder anderen, der nicht aus der Region kommt, erst mit dem Rheinland-Pfalz-Tag 2015 richtig klar, sagt Ralf Hechler. Zu groß ist die Bedeutung des Drehkreuzes der Amerikaner. „Die Weltpolitik spiegelt sich hier in einem Mikrokosmos wider“, sagt Hechler. Terror, Krisen, Kriege – an Ramsteins Straßen ist die globale Lage abzulesen. Nach den Anschlägen vom 11. September beispielsweise igelten sich die Amerikaner ein, erinnert sich Hechler. Im Stadtgeschehen waren sie kaum noch präsent. Das hat sich wieder geändert. „Die Generalität der letzten Jahre ist sehr offen“, sagt der Bürgermeister, der von einer guten Partnerschaft berichtet. Dennoch spüre man im Miteinander die politische Großwetterlage – etwa 2021, als den in Ramstein stationierten Kräften bei der Evakuierung der Afghanen viel abverlangt wurde.

Ist die Air Base, sind die Amerikaner nun Fluch oder Segen für die Westpfalz? Das lasse sich so leicht nicht sagen, findet Hechler. Keiner wisse, wie die Region dastehen würde, gäbe es keine amerikanische Präsenz. Gäbe es mehr Tourismus? Gäbe es die Großindustrie in und um Kaiserslautern noch? Kaffeesatzleserei.

Ramstein-Miesenbach hat Infrastruktur einer Kleinstadt

Was die US-Präsenz für die Stadt Ramstein-Miesenbach mit seinen rund 8000 Einwohnern bedeutet, ist derweil klar: „Wir haben die Infrastruktur einer Kleinstadt von 25.000 Einwohnern“, sagt Hechler. Ärzte, Apotheken, Einkaufsmöglichkeiten, das Freizeitbad Azur – vieles gibt es nur wegen der Air Base und den zahlreichen amerikanischen Familien in den umliegenden Orten. Die Amerikaner sind präsent im Städtchen. „Die stehen auch bei der Bäckerei Herbst an“, sagt Hechler. Sie kaufen ein im Supermarkt, gehen ins Restaurant, nicht nur in Ramstein-Miesenbach. Die hier stationierten Amerikaner seien auch immer ein bisschen Touristen, sagt der Bürgermeister. Das Heidelberger Schloss, Paris, Neuschwanstein – für die Amerikaner nur eine Tagesreise entfernt.

Auch in den Vereinen bringen sie sich ein. Hechler trainiert beim FV Olympia Ramstein die E-Jugend. „In der Mannschaft gibt es 20 Nationen“, sagt er. Amerikaner, aber auch Kinder von Militärangehörigen anderer Nato-Staaten, die auf der Air Base stationiert sind.

Militärische Disziplin und deutsche Gründlichkeit

Wo viele Kulturen aufeinandertreffen, bleibt es nicht aus, dass auch kulturelle Unterschiede zutage treten – und die eine oder andere Beschwerde im Rathaus eingeht. Es muss gar nicht immer das große Thema der Flug- und Bodenlärm sein. Stattdessen ärgert sich mancher einfach nur – welch Klischee – wenn die amerikanischen Nachbarn die Autos bei winterlichen Temperaturen warmlaufen lassen, weiß Hechler.

Apropos kulturelle Unterschiede: Die spüren durchaus auch die Deutschen, die auf der Air Base einen Job haben, so Hechler. Denn dort arbeitet man nun mal mit Militärs zusammen, die eine gewisse Disziplin an den Tag legen und einfordern. Deutsche Arbeitskräfte sind derweil gut gelitten, denn die Amerikaner schätzen – das nächste Klischee – die deutsche Gründlichkeit und Zuverlässigkeit. 2300 Deutsche arbeiten dort in ganz unterschiedlichen Bereichen: Feuerwehr, Sicherheitsdienst, Reinigungspersonal, Einzelhändler oder auch Bauingenieure. In einigen Berufen wird auch ausgebildet. Nicht vergessen dürfe man zudem die zahlreichen Handwerker aus der Region, die Aufträge auf der Air Base erhalten, ergänzt Hechler.

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