Lacrosse RHEINPFALZ Plus Artikel Was bei „Hanni und Nanni“ wirklich gespielt wurde

Training der Lumberjacks.
Training der Lumberjacks.

Seit rund zehn Jahren beheimatet die TSG Kaiserslautern eine Lacrosse-Abteilung. Lacrosse? Abgeleitet ist der Name für diese hierzulande eher exotisch anmutende Sportart vom französischen Wort „La Crosse“, was so viel bedeutet wie Bischofsstab. Doch mit einer kirchlichen Veranstaltung hat ein Lacrosse-Spiel nur wenig zu tun. Eine Spurensuche.

Als Sieger der Elch-Olympiade, ausgerichtet von einem beliebten Radiosender, können sich Oliver Griebel und Lisa Welker nicht viel kaufen. Trotzdem soll der Pokal in die Vereinsvitrine. „Endlich wieder ein Wettbewerb“, freut sich Griebel noch Tage später. Gegen sieben andere Vereine, die verschiedenste Sportarten ausüben, gewannen die Lauterer Lacross-Akteure in einem Wettbewerb, bei dem es vorwiegend um Schnelligkeit und Fachwissen zum Thema Musik ging. Und weil die Lacrosse-Familie in ganz Deutschland verstreut ist, haben Mitglieder anderer Vereine fleißig bei der Beantwortung der Fragen mitgeholfen. Griebel spricht in diesem Zusammenhang von einer „herrlichen Community“, die sich regelmäßig zu Turnieren verabredet und so ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt hat. Neben dem Spaß brachte die Teilnahme an der Elch-Olympiade auch Aufmerksamkeit für eine absolute Randsportart, für die Griebel und Welker nicht müde werden, die Werbetrommel zu rühren.

Die Party-Einladung

Doch wie kommt man dazu, Lacrosse zu spielen? Die Ballsportart gilt in Kanada neben Eishockey als Nationalsport, vielen Angehörigen der in Ramstein stationierten Streitkräfte ist die Sportart also durchaus geläufig. Aber auch an der Technischen Universität (TU) gibt es einen harten Kern an Lacrosse-Spielern. So kamen auch die 24-jährige Jura-Studentin und der 29-jährige Promovend im Fachbereich Elektro- und Informationstechnik am Lehrstuhl „Entwurf mikroelektronischer Systeme“ auf den Geschmack. Auf einer Uni-Party zum Training eingeladen, waren sie sofort Feuer und Flamme für diesen fremden Sport, den Griebe – vereinfacht ausgedrückt – „Hockey in der Luft“ nennt. Mehr als 50 Mitglieder zählt die Abteilung inzwischen, mehr als die Hälfte davon auch tatsächlich als aktive Spieler.

Kostenlose Englischstunden

Im Training und im Spiel wird vorwiegend Englisch gesprochen. Durch die Amerikaner in der Region werde natürlich auch das Niveau der Mannschaft angehoben. Doch Welker nennt mit einem Augenzwinkern einen weiteren Vorteil, nämlich „mehrere kostenlose Englischstunden pro Woche.“ Die Abteilung besteht aus dem Herrenteam „Lumberjacks“, was übersetzt soviel wie Holzfäller bedeutet, und den „Ladyjacks“, die mit den Damen aus Saarbrücken eine Spielgemeinschaft bilden.

Bis zu 100 km/h

Bei Lacrosse kommen Schläger, sogenannte Crosse oder Sticks zum Einsatz. In den Schlägerkopf ist ein Netz (Pocket) geknüpft, das gleichzeitig präzises Passen und Ballkontrolle ermöglichen soll. Gespielt wird auf einem normalen Fußballfeld mit einem 140 Gramm schweren Hartgummiball, der bis zu 100 Kilometer pro Stunde schnell werden kann. Mit dem Schläger wird dieser gefangen, getragen und geworfen. Die Tore, die deutlich kleiner sind als beim Fußball, werden dabei auf das Spielfeld eingerückt, so dass – ähnlich wie beim Eishockey – auch hinter den Toren gespielt werden kann.

Frauen- und Männer-Regeln

Übrigens spielen Frauen und Männer Lacrosse nach völlig unterschiedlichen Regeln. Die Frauen-Lacrosse-Regeln limitieren den Schläger- und Körperkontakt, deshalb wird nur wenig Schutzausrüstung benötigt. Beim Männer-Lacrosse hingegen werden Helme, Protektoren und Handschuhe getragen.

Kriegsspiel

Die Indianer an der Ostküste der USA und Kanada weihten die Sportart einst ihrem Kriegsgott. Nicht selten endeten diese Spiele, die zur Vorbereitung auf Kriege mit anderen Stämmen gespielt wurden, tödlich. Sie wurden zum Teil mit mehr als 100 Spielern ausgetragen. Neben der für die Kriegführung als notwendig erachteten Stärkung des Teamgeists wurde Lacrosse auch eingesetzt, um Streitigkeiten zwischen Stämmen und anderen Gruppen zu schlichten.

Der erste Club

Erstmals erwähnt wurde das Spiel bereits im Jahr 1634. In den 1850er Jahren fingen auch Weiße an, sich für Lacrosse zu interessieren, die französisch-stämmigen Kanadier gründeten 1856 den ersten Club in Montreal, ein Jahr später wurde der kanadische Lacrosse-Verband gegründet. Über die USA und England gelangte der Sport auch nach Australien und Neuseeland. Bei den Olympischen Spielen 1904 und 1908 war Lacrosse sogar kurzzeitig Wettkampfdisziplin bei den Männern.

Lautern in Liga zwei

Bis der Sport den Weg nach Deutschland fand, dauerte es noch ein Weilchen. Austauschschüler aus den USA gründeten 1993 in Berlin und München die ersten Vereine. Mittlerweile gibt es drei Herrenligen, vier Damenligen und zwei Juniorenligen, die unter dem Dach des Deutschen Lacrosse-Verbandes (DlaxV) organisiert sind. Die beiden Lauterer Teams sind in der Zweiten Liga eingestuft. Am letzten September-Wochenende, wenn die Runde offiziell startet, soll dann endlich wieder gespielt werden. Auf dem Feld – und nicht am Radio.

Hanni und Nanni

Doch was hat Lacrosse nun mit den Kindheits-Helden „Hanni und Nanni“ zu tun? Wer die Geschichten aus den Büchern oder dem Kino kennt, sieht im Internat Lindenhof Mädchen, die Handball spielen. In der Originalvorlage von Enid Blyton dagegen wird tatsächlich Lacrosse gespielt, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in England vor allem bei Mädchen eine sehr beliebte Ballsportart. Die Wahrheit kommt eben immer ans Licht. Früher oder später.

Info

Das Herren- und Damenteam suchen immer wieder neue Mitstreiter. Informationen über die Sportart, aber auch zu Trainingszeiten und Spielterminen gibt es auf der Vereins-Homepage k-town-lumberjacks.de oder bei Instagram unter „kaiserslauternlacrosse“.

x