Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Warum es auch heute noch Amateurfunker gibt

Beim sogenannten Field Day bauen Amateure verschiedene Funkstellen auf freiem Gelände auf.
Beim sogenannten Field Day bauen Amateure verschiedene Funkstellen auf freiem Gelände auf.

Selbst in Zeiten von Internet und Mobiltelefon hat der Amateurfunk nichts von seinem Reiz verloren. Viele Merkmale der modernen Technik lassen sich mit dem besonderen Hobby bestens verknüpfen. Das beweist der Ortsverband Kaiserslautern des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC). Dahinter verbirgt sich auch ein gesellschaftlicher Beitrag.

In den 1920er-Jahren war der Amateurfunk ein beliebtes Hobby. Mit dem Zweiten Weltkrieg gab es einen kurzen Einschnitt, da die Alliierten die Nutzung von Frequenzen verbot. Erst danach gaben sie jene wieder frei, die sie nicht mehr benötigten. Der Amateurfunk machte sich diese mit ausgedienten Militärgeräten fortan zu eigen – und begeistert offenbar bis heute. Rund drei Millionen Menschen greifen weltweit immer noch zu Sender und Empfänger. Darunter auch viele im Raum Kaiserslautern.

Regelmäßig finden sich die Mitglieder des DARC zusammen, um sich gemeinsam einer Leidenschaft hinzugeben, die für so manchen ungewöhnlich klingen mag. Dass der Amateurfunk nichts Befremdliches, sondern etwas Besonderes ist, davon ist Fritz Zoermer aus Enkenbach-Alsenborn überzeugt. Er ist Mitglied im Kaiserslauterer Ortsverband des DARC. Rund 35 Amateurfunker bauen dort regelmäßig ihre Gerätschaften auf, um Brücken zur Welt zu errichten. Und das gehe relativ unkompliziert.

Jeder Funker mit eigenem Kennzeichen

„Jeder kann für wenig Geld zum Amateurfunker werden“, erklärt Zoermer. Notwendig sind dafür beispielsweise nur eine Autobatterie, ein Funkgerät und eine Antenne. Mehr werde nicht benötigt. Die Kommunikation erfolgt dabei nicht nur mithilfe eines Mikrofons über den klassischen Sprechfunk. Auch Bilder und E-Mails können über Ländergrenzen übertragen werden. Gerade in Krisenzeiten ist der von Amateuren betriebene Funk eine große Hilfe. Das hat sich auch während der Schneekatastrophe in Norddeutschland im Winter 1978/1979 gezeigt.

„Als das Telefonnetz ausgefallen ist, war man über den Amateurfunk dennoch weiter zu erreichen.“ Möglich war dies nur, weil die Kanäle unabhängig von kommerziellen Diensten sind. Der Amateurfunk ist somit das einzige Medium, welches ohne eine notwendige Infrastruktur auskommt. Selbst mit dem modernen Mobilfunk kann problemlos mitgehalten werden. „Die Erreichbarkeit über den Amateurfunk ist vielerorts sogar deutlich besser“, berichtet Zoermer schmunzelnd. Ähnlich wie beim Auto hat jeder Funker sein eigenes Kennzeichen. Dieses besteht neben einer Länderkennung auch aus einer individuellen Abfolge aus Buchstaben und Zahlen. Jeder Funker kann dadurch erkennen, aus welchem Land ein Funkamateur gerade kommuniziert.

Überall unkompliziert kommunizieren

Um den direkten Kontakt zu suchen, treffen sich die Mitglieder des DARC meist einmal im Monat wie bei den sogenannten Field Days. In einem provisorischen Umfeld werden dabei Antennen und Sendegeräte aufgebaut, um in den Dialog zu treten, egal ob innerhalb Deutschlands oder mit Australien. Dabei gibt es allerdings einiges zu beachten. Der Amateurfunk unterliegt gesetzlichen Bestimmungen, in denen die Nutzung bestimmter Frequenzen und der Umgang damit fein säuberlich geregelt ist. So soll unter anderem die Belastung durch elektromagnetische Felder begrenzt werden.

Bei der Kommunikation selbst gehört ein höflicher Umgang zum guten Ton. „Es muss dabei eine gewisse Disziplin herrschen“, sagt Zoermer. Vergleichbar sei dies mit einem Telefonat mit dem Rettungsdienst oder der Polizei. Dazwischenreden wird nicht gerne gesehen oder besser gesagt gehört. Doch der Verhaltenskodex geht noch weiter. Über Politisches wird nicht gesprochen. Denn der Amateurfunk hat nur ein Ziel: als Laie experimentell überall unkompliziert kommunizieren zu können.

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