Kaiserslautern Wandlungsfähig wie ein Chamäleon

Space A, deren Mitglieder allesamt Mitglieder der US-Luftwaffe in Europa sind, machten am Freitag in Ramstein-Miesenbach den Auf
Space A, deren Mitglieder allesamt Mitglieder der US-Luftwaffe in Europa sind, machten am Freitag in Ramstein-Miesenbach den Auftakt auf der Bühne.

Zwei Tage Kaiserwetter, Bombenstimmung und dazu perfekte Organisation sowie durchdachte Konzeption und reibungsloser musikalischer Ablauf: Das erste deutsch-amerikanische Freundschaftsfest am Wochenende auf dem Rathausplatz hätte nicht erfolgreicher verlaufen können. Die mitwirkenden Bands schlugen ein wie der Blitz, trafen den Geschmack des Publikums – zwischen acht und 80 Jahre alt – mit legendären und aktuellen Hits.

Die Band Space A, eine Formation der US-Luftwaffe in Europa aus Knoxville im US-Bundesstaat Tennessee begeisterte zum Einstieg am Freitag mit einer gesunden Mischung aus Pop, Classic und Modern Rock und bestätigte einmal mehr, dass diese „Concert Bands“ die stilistische Wandlungsfähigkeit eines Chamäleons haben: vom Kammermusik-Ensemble bis zu dieser klassischen Rockband-Besetzung mit E- und Bassgitarre, Keyboards, Drums und insgesamt drei Vokalisten. Routiniert, abgeklärt, souverän spulten die sechs Musiker in wechselnder Besetzung und mit alternierenden Führungsrollen im Front- und Backgroundgesang ihr Programm ab, setzten als „alte Hasen“ dieser Musikszene deutlich Maßstäbe hinsichtlich Timing und Qualität der musikalischen Abläufe. Während die Amerikaner fundierte, allumfassende Notenkenntnisse und die Vorzüge einer auch klassischen Ausbildung haben, arbeitet die semiprofessionelle Band Impact gänzlich anders: Zunächst sind vorab dörfliche Feste wie Kerwe, Frühlingsfest oder Jubiläen ihr Veranstaltungsrahmen. Schließlich probt die Band auch nicht täglich, sondern aufgrund der geografischen Verbreitung der Mitglieder in weite Teile von Rheinland-Pfalz und bis ins Saarland nur noch einmal wöchentlich. Das Repertoire wird seit dem Jahr 2000 von Kultbands wie den US-Rockern Metallica und Bon Jovi oder den Deutschpunks Die Ärzte abgehört, mühsam erarbeitet und aus dem Gedächtnis nachgespielt und dies auf einem sehr hohen Niveau: Ohne Naht- oder Bruchstellen, in exakter Koordination zwischen den beiden Gitarristen Frederic Gley und Manuel Haselbach und dem Fundament aus Dirk von Ehrs Bass und Eric Bechers elektrisierenden, rhythmischen Impulsen vom Schlagzeug. Rund 60 Titel hat sich diese Formation so erarbeitet und sich an die Originale dicht herangespielt, wobei auch der Keyboarder Matthias Theis und Alex Grants Frontgesang eine Klasse für sich sind. Samstag: Junge Senkrechtstarter und partytaugliche Folklore Während man bei beiden, oft auftretenden Bands diese Klasse erwarten durfte, war das auch am Samstag wieder sehr zahlreich erschienene Publikum dann doch überrascht von den jungen Senkrechtstartern in Gestalt der erst vor einem Jahr gegründeten Nachwuchsband Skyfall aus dem Raum Landstuhl. Die beiden Gitarristen Felix Ziel und Christopher Weber ersetzen hier das übliche Tasteninstrument durch variantenreiches Wechselspiel aus perkussiven Akkorden und virtuosen, solistischen Umspielungen und lernten nach Gitarren-Tabulaturen, was sie inzwischen auf eigene, kreative Art und Weise erweiterten. Svenja Merker und Benedikt Müller wechseln sich im Vorder- und Hintergrundgesang geschickt ab, zusammen mit Schlagzeuger und Bass ergeben sich bei gemeinsam festgelegten Tonarten, übernommenen Textvorlagen nach Singer-Songwriterinnen wie Pink und Adele durch das hohe stimmliche Potenzial von Svenja Merker glänzende Zukunftsperspektiven. Ebenso treffen die genannten Instrumentalisten die melodischen Finessen und rhythmischen Grooves von Grunge-Bands wie Nirvana oder Punkrockern wie die Toten Hosen. Skyfall covern aber nicht im Sinne von Imitation, sondern gehen mit den Vorlagen kreativ um, faszinieren durch eine hohe Bühnenpräsenz und profitieren vor allem von Charme, Charisma und stimmlichem Glanz der Frontsängerin. Wem das zwischen Pop und Rock abwechselnde Programm bis dahin etwas einseitig erschien, der kam am Samstag zu vorgerückter Stunde mit den 2001 ins Leben gerufenen Habachtalern voll und ganz auf seine Kosten. Mit dem Motto „Party up“ und stilistisch querbeet durch den kunterbunten Musikgarten bei bisweilen schrill-schräger Musizierpraxis setzte die neunköpfige Formation aus dem Raum Kusel ganz anders an. Und zur Steigerung des Stimmungs-Barometers kam sozusagen der Rammbock zum Einsatz: Zur klassischen Bandbesetzung setzt zunächst die Sängerin Melanie Wistuba die Glanzlichter und optisch verraten die dezenten Trachtenhosen eine eigene Stilistik zwischen Pop und Folklore-Anklängen: „Skandal im Sperrbezirk“ oder „Bruttosozialprodukt“ , Klassiker der „Neuen Deutschen Welle“, wurden in einem rasant vorgelegten Tempo präsentiert, mit dem die Stimmung kometenhaft anstieg. Die Habachtaler setzen auf Bläserriffs von Trompete, Posaune und Saxophon, auf choreographische Einlagen, auf Entertainment und Bühnenshow. Nach dem „Sternenhimmel“ – die NDW-Nummer von Hubert Kah war ebenso im Programm wie Helene Fischers Hit „Atemlos“ – griffen die Habachtaler zwar nicht, folgten aber ihrem programmatischen Weg der Selbstdarstellung. Lediglich der oft dominante, übersteuerte Bass sollte dabei zurückgefahren werden. Kreisseite

Die Habachtaler aus dem Raum Kusel – im Bild zu sehen Thomas Guhmann und Melanie Wistuba – beendeten das Programm am Samstag.
Die Habachtaler aus dem Raum Kusel – im Bild zu sehen Thomas Guhmann und Melanie Wistuba – beendeten das Programm am Samstag.
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