Kaiserslautern „Vorher war mein Leben sinnlos“

Placeholder-Image

„Ich stehe jeden Tag um 4.30 Uhr auf“, erzählt Vander Frota und lächelt dabei. Es geht ihm gut, und er fühlt sich ganz wohl in Kaiserslautern, obwohl er sich fernab seiner Familie und seiner Heimat Portugal erst zurechtfinden musste. Vor zwei Jahren ist er mit 15 Landsleuten in die Westpfalz aufgebrochen. Seit September 2015 absolviert der 27-Jährige eine Ausbildung zum Metallbauer bei Stahlbau Janzer in Ramstein-Miesenbach. Eine Unterhaltung in Deutsch ist kaum mehr ein Problem, er hat die Sprache gelernt. Auch wenn er erst Schwierigkeiten mit dem Lauterer Dialekt hatte – klang der doch ganz anders als das Deutsch, das er in seinem vorbereitenden Sprachunterricht erlernt hatte. Geschäftsführer Klaus Janzer weiß um die Fortschritte, die sein zuverlässiger Azubi schon gemacht hat, und fügt mit einem motivierenden Augenzwinkern hinzu: „Wir üben hier fleißig Pfälzisch mit ihm.“ Frota räumt aber ein: „Meine Freunde in Kaiserslautern sind meist Portugiesen, und deshalb rede ich oft nicht sehr viel Deutsch.“ Klaus Janzer ist von den fachlichen Fortschritten seines Azubis angetan. „Mit Vander hat es einfach von Anfang an gepasst. Es ist ein angenehmes Zusammenarbeiten mit ihm.“ So übernimmt der Chef auch gerne einmal die Fahrt zum Flughafen, wenn Heimaturlaub ansteht. Dieser wird durch das Projekt finanziell unterstützt. Der Kontakt zu Familie und Freunden in der Heimat soll nicht abreißen. Für Vander Frota ist das auch wichtig, weil er eine kleine Tochter in Portugal hat. Das Sonderprogramm mit dem umständlichen Titel „Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen und arbeitslosen jungen Fachkräften aus Europa“ (MobiPro-EU) wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales entwickelt und 2013 in Kooperation mit der Agentur für Arbeit ins Leben gerufen. Damals hat sich auch Vander Frota auf der zum Projekt konzipierten Internetseite „The job of my life“ („Beruf meines Lebens“) für eine Ausbildung in Deutschland beworben. In Kaiserslautern kümmerte sich von Anfang an Annelie Walter-Zeyer um Umsetzung und Abwicklung von MobiPro-EU. Sie ist bei der Handwerkskammer der Pfalz in Kaiserslautern ausschließlich für die Betreuung der Azubis zuständig und half auch bei der Wohnungssuche. „Die Portugiesen, die sich vor zwei Jahren für einen Ausbildungsplatz in der Westpfalz interessiert haben, hatten beste Voraussetzungen“, erklärt sie heute. Ab März 2015 hatten die Bewerber intensiven Deutschunterricht und waren anschließend von April bis Mai für ein vierwöchiges Praktikum in ortsansässigen Betrieben im Einsatz. Als Bäcker, Mechatroniker, Zerspanungsmechaniker, als Friseur, Tischler, Technische Modell-Produktdesigner und, wie eben Vander Frota, als Metallbauer. Alle Praktikanten erhielten danach ein Ausbildungsangebot. Von den anfänglich 15 in Kaiserslautern gestarteten Interessierten konnten sich schließlich zehn Portugiesen und zwei Spanier zu einer Ausbildung fern der Heimat durchringen. „Leider sind noch Auszubildende im Laufe der Zeit abgesprungen“, bedauert Annelie Walter-Zeyer. Von den zehn, die einen Vertrag in der Tasche hatten, seien noch sieben Portugiesen in ihren Ausbildungsbetrieben tätig. „Viele hatten wohl doch Heimweh oder einfach Anpassungsschwierigkeiten an die Kultur und Sprache. Die sieben, die noch hier sind, sind allerdings alle hoch motiviert, die Zwischenprüfung zu bestehen“, sagt sie. „Drei haben sogar schon bestanden.“ Vander Frota ist einer von den sieben, die ihr Ding durchziehen. Mittlerweile kann er auch mit Fachbegriffen wie Schnittwinkel und Drehzahl etwas anfangen. „Zu Beginn habe ich mich über Youtube fachlich zuerst auf Portugiesisch informiert und dann die Fachbegriffe ins Deutsche übersetzt, jetzt klappt es schon besser“, erklärt er seinen Weg, die Sprachbarriere zu überwinden. Im Mai steht seine Zwischenprüfung an. Die dreieinhalbjährige Ausbildung wird er wohl im Januar oder Februar 2019 beenden. Nach seiner Ausbildung könne er es sich sehr gut vorstellen, in der Region zu bleiben, sagt der junge Mann. Auch Klaus Janzer ist nicht abgeneigt, den Azubi zu übernehmen. „Vander Frota hat seine Leistungsbereitschaft schon unter Beweis gestellt, ist absolut verlässlich und ein Beispiel für Pünktlichkeit“, erwägt der Geschäftsführer eine Zusammenarbeit nach dem Ende der Ausbildung. Gerade vor dem Hintergrund, dass in der Region immenser Fachkräftemangel herrsche, sei die Fortführung des Arbeitsverhältnisses sinnvoll. „Mein Leben war vor dem Beginn dieser Ausbildung sinnlos“, blickt Frota auf seine berufliche Vergangenheit in Portugal zurück. Er musste sich, wie er sagt, als Anstreicher ohne Arbeitsvertrag durchschlagen. Trotz zweier Ausbildungen zum Elektriker und Fachmann für erneuerbare Energien hatte er keine Stelle finden können. Doppelt schlimm für ihn, da er so seine kleine Tochter nicht unterstützen konnte. „Hier kann ich etwas tun, für meine Zukunft und für die meiner Tochter“, sagt er. Die Trennung von der Familie und die zeitweise empfundene Einsamkeit würden etwas gedämpft durch die Aussicht, die eigene Zukunft zu gestalten, ein Ziel vor Augen zu haben. Wo es den für seinen Geschmack besten Kaffee in Kaiserslautern gibt, hat er auch schon ausfindig machen können. Er bevorzugt den in einer portugiesischen Gaststätte. Schön für Frota, dass in Kaiserslautern viele Portugiesen leben. Aus das lindert das Gefühl zeitweiliger Einsamkeit.

x