Kaiserslautern
Vorgehört: Marcel Adam vertont auf „Pour le plaisir“ mit Sohn und Schwiegertochter eigene Songs, berühmte Chansons, Pop- und Rock-Musik

„Ins Studio wollte ich eigentlich nicht mehr“, verrät der deutsch-französische Liedermacher Marcel Adam. Aber sein Sohn habe ihn rumgekriegt. Nun hat er mit seinem Sohn Yann Loup und dessen Frau Anisha die erste gemeinsame CD „Pour le plaisir“ produziert. Eine bunte Mischung aus Chansons, Pop-Musik, Rockigem und eigenen Songs. Am Freitag, 20. September, 20 Uhr, stellen sie ihr Album im Ramsteiner Congress Center vor.
Wenn der Vater mit dem Sohne und der Schwiegertochter gemeinsam etwas unternehmen, kann das in diesem Fall gar nicht schief gehen. Ausgeglichen wirken sie alle drei, entspannt und relaxt. Das spiegelt sich auch in diesem wunderbaren Silberling. Für seinen besonderen Humor ist Marcel Adam bekannt, genau so für seine nachdenklichen Lieder. Wenn er live singt, fühlt sich sein Publikum direkt angesprochen. Genau das spürt man auch auf dieser CD. Vier Eigenkompositionen hat er aufgenommen. „C'est comme ca“ ist so ein typischer Song mit Tiefgang. Ein Loblied auf die Musik. Marcel und Yann Loup ergänzen sich dabei wunderbar mit ihren Stimmen. Marcel mit feinem Timbre und musikalischer Feinfühligkeit, Yann Loup mit emotionaler Direktheit. Beide mit ungekünstelter Intensität. Eine Hommage an seinen virtuosen Akkordeonisten Christian Di Fantauzzi ist das Lied „L'italiano“.
Dass der lothringische Liedermacher nicht immer so gut drauf war, wie seine Fans ihn kennen, mag überraschen. Auch er hatte ein Burnout und Depressionen zu überstehen. Und ehrlich wie er ist, hat er darüber zwei Lieder (auf Hochdeutsch) geschrieben: In „Letzte Kreuzfahrt“ trotzt er seinen dunklen Gedanken, indem er singt: „Du kriegst mich nicht unter.“ Und in „Dann sind wir weg“ verarbeitet er wohl mit eindrucksvollen Worten eine Ehekrise. Zwei Lieder, die Menschen in ähnlichen Lagen Trost geben und Mut machen.
Drei Musiker mit ganz eigenem Charakter erleben wir auf dieser CD, die zusammen Musik machen und auf Augenhöhe aus ihrem Leben singen. Yann Loup und Anisha treten in Marcels Fußstapfen und arbeiten doch an ihrer eigenen Handschrift. „Das Wichtigste, womit man irgendwie ein Lied verbindet ist, wenn man sich in ihm wiederfindet. Dann kommt das einem sehr nah, dann kann man sich damit identifizieren und dann bleibt das auch“, meint Yann Loup.
„Weiße Fahnen“ von Silbermond ist so eines. Mit schier hauchendem, sehr anrührendem Piano und zartem Vibrato in der glockenklaren Stimme singt Anisha. Wenn Yann Loup dazu einfällt, steigert sich der Gesang zu einer Harmonie, die unter die Haut geht. Ganz anders erleben wir Anisha in „Aicha“, einem Titel des algerischen Künstlers Khaled: Mit dunkel gefärbter, rockig-souliger Stimme singt sie. Wenn Vater und Sohn Adam mit ihren großartigen Stimmen dazu kommen, erlebt der Hörer einen Höhepunkt des Albums. Vor allem Marcel weist eindrücklich nach, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Ein weiterer Höhepunkte ist „Sie beißt und kratzt“, eine humorvolle Ode an Marcels Frau.
Das gemeinsame Album enthält eigene Stücke und viele neu arrangierte Cover von Chansons und Liedern, die die Musiker bereits live vorgetragen, aber nie aufgenommen hatten. Mit dabei ist Marcels Band „Fine Equipe“ mit Christian Di Fantauzzi, dem Meister am Knopfakkordeon, und dem saarländischen Gitarristen Christian Konrad. Yann Loup und Anisha sind Teile von „Yannisha & The Mama Said Band“. Dazu kommt der Groove der Reggae-Bassistin Perrine Diehl und der Beat des Rock-Schlagzeugers Nicolas Kieffer. Total unter die Haut gehen die Solo-Einlagen des am 26. Juni dieses Jahres verstorbenen, großartigen Gitarristen Guido Allgaier.
„Ich bin glücklich über diese CD“, sagt Marcel Adam. Das darf er wohl sein. 63 Minuten „pour le plaisir“. Eins der besten Alben seiner Laufbahn.