Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Von Wortgefechten mit den Richtern und blauen Flecken

Der für die Kaiserslauterer Fechtwelt legendäre Viktor Schwarz (Säbel) Bildmitte, links ist Doris Schwarz, heute Drochner (Flore
Der für die Kaiserslauterer Fechtwelt legendäre Viktor Schwarz (Säbel) Bildmitte, links ist Doris Schwarz, heute Drochner (Florett) und rechts steht ihr Bruder Gerd Schwarz (Degen). Das Foto entstand nach dem Gewinn eines Mannschaftsturniers. Nach Schwarz wurde unter anderem das Viktor-Schwarz-Gedächtnis-Turnier benannt, ein recht großes Ranglistenturnier.

Sport im Wandel: Doris Drochner blickt auf fast 70 Jahre Fechtsport zurück. Elektrische Trefferanzeigen kannte sie anfangs nicht, nicht mal vernünftig temperierte Übungsstätten. Und Degenfechten durften die Frauen erst ab 1996.

Wenn der Papa Viktor Schwarz heißt, Fechtlehrer und einer der Gründerväter der Fechtabteilung der TSG Kaiserslautern ist, kann die Tochter gar nicht anders, sie lernt Fechten. Doris Drochner, geborene Schwarz, nimmt also mit elf das Florett in die Hand und hält es fest, bleibt ihm treu, selbst, als im Jahr 1996 die Damen auch mit dem Degen fechten dürfen.

„Meine Waffe war immer das Florett, Degen habe ich nur notgedrungen gefochten!“ Doris Drochner, die schon mit 15 als Trainerin die Jugendabteilung der TSG übernimmt, wollte nie wechseln.

Die Anfänge

Anfangs waren die Zeiten für Fechter anders. Da brachten die Fechter Holz mit ins Training, um dem alten Ofen, der da stand, ein wenig Wärme zu entlocken. Auch die Gefechte waren nicht vergleichbar. Statt elektronischer Signale, die eindeutig die Treffer zuordnen, waren die Hallen zusätzlich voller Wortgefechte mit den vier Seitenrichtern und dem Obmann, die über Sieg oder Niederlage entschieden. „Das hat verständlicherweise öfter zu Protesten geführt, meist waren die Seitenrichter auch die in der Runde fechtenden Wettkämpfer, die schon mal auf ihren Vorteil bedacht waren“, erinnert sich Drochner gut.

Blaue Flecken

Auch an die vielen blauen Flecken, die es durch die nicht ganz so guten Materialien in den Anfängen gab, denkt sie zurück. Die Turnierwelt, sie war ein wenig geruhsamer. Das Rennen nach Ranglistenpunkten, so wie es heute die Fechtwelt prägt, das gab es lange nicht. Dafür Sie-und-Er-Turniere, Mannschaftsturniere, auf denen die Mannschaft aus Florett, Säbel und Degen bestand, oder Einladungsturniere als Vergleichskampf mit befreundeten Abteilungen, oft verbunden mit einem abendlichen Bankett.

Die Erfolge

Kaiserslautern war halt doch Provinz“, erinnert sich Doris Drochner gerne an Lehrgänge beim Deutschen Fechterbund, bei denen sie in Frankfurt, Duisburg-Wedau oder Hamburg auf etablierte Fechter aus den Fechthochburgen traf. Ab 1962 ging es dann so richtig nach vorne. Drochner studierte in Saarbrücken Sport und Anglistik/Amerikanistik und belegte im leistungssportlichen Bereich Fechten – was sonst.

Training mit Helga Mees

Ihr Trainer dort war Rudi Mees, Vater der mehrmaligen Olympiateilnehmerin Helga Mees. „Helga war eine tolle Trainingspartnerin, die mir etliche Tricks und Kniffe beibrachte“, ist Drochner heute noch dankbar für diese Zeit, zu der auch gehörte, dass sie von 1962 bis ’65 bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften jeweils im Finale stand und unter anderem zum Länderkampf nach Paris und Warschau fuhr. „Mit dem Zug nach Warschau, das eigentlich unerreichbar hinter dem Eisernen Vorhang lag“, ordnet Drochner schon die Fahrt als besonders ein.

Der Höhepunkt

Ein Erlebnis, das 1965 mit der Universiade in Budapest noch übertroffen wurde. „Das war der Höhepunkt meiner Fechtkarriere“, urteilt Drochner über das Turnier. Mit der Mannschaft, zu der auch Heidi Schmitt, spätere Olympiasiegerin, gehörte, kam die Lauterer Fechterin auf Platz vier. „Der Einmarsch ins Stadion und die Begegnung mit Sportlern aus vielen Nationen“, schwärmt Drochner noch heute von dem unvergessenen Erlebnis. Zu den Erfolgen addieren sich dann eine Silber- und Bronzemedaille, gewonnen bei den englischen Meisterschaften. Drochner war für das Staatsexamen ein Jahr in Essex, natürlich mit Florett.

Die TSG und das Fechten

Berufliche Stationen waren dann Hannover und Pforzheim. Ein Mann an ihrer Seite, kein Fechter, dafür Boxer, und drei kleine Kinder, so kehrte Doris Drochner 1974 nach Kaiserslautern zurück, wo 1973 der plötzliche Tod ihres Vaters bei den TSG-Fechtern eine Lücke hinterlassen hatte. „Könntest Du mal aushelfen?“, kam die Anfrage von Renate Engel, der damaligen Leiterin des Fechttrainings. Doris Drochner, im Besitz des B-Trainerscheins, konnte, und es dauerte nicht lange, bis sie auch die Leitung der Fechtabteilung innehatte.

Mit Gesa und Carsten Drochner sind zwei ihrer Kinder dann erfolgreich in ihre Fecht-Fußstapfen getreten. Längst hat die heute 79-Jährige die Verantwortung und das Training in jüngere Hände, in die Hände ihrer „Eigengewächse“, wie sie es nennt, gelegt. Die Faszination Fechten, die brennt aber weiter in Doris Drochner.

Zitate

Doris Drochner

Die Fechterin sagt: „Fechten ist eine Sportart, die Zähigkeit verlangt und auch die Bereitschaft, Niederlagen zu akzeptieren und trotzdem weiterzumachen.“

Die Freundin des Floretts sagt: „Wer Florett gelernt hat, kann auch Degen fechten, umgekehrt ist es wesentlich schwieriger.“

„Sport wird leider immer noch als ein unwichtiges Fach behandelt, das im Notfall zusammengestrichen wird, ein großer Fehler!“

Sagt die ehemalige Sportlehrerin Doris Drochner, die am Heinrich-Heine-Gymnasium Kaiserslautern den Leistungskurs Sport mit aufgebaut hat und 2008 mit der Ehrenplakette des Landessportbunds Rheinland-Pfalz für die Förderung des Sports ausgezeichnet wurde. thea

Die noch sehr junge Doris Schwarz nach dem Gewinn der ersten Pfalzmeisterschaft.
Die noch sehr junge Doris Schwarz nach dem Gewinn der ersten Pfalzmeisterschaft.
Doris Drochner mit Gesichts- statt mit Fechtmaske.
Doris Drochner mit Gesichts- statt mit Fechtmaske.
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