Kaiserslautern Von null auf Ironman

Glücklich im Ziel: Günther Stabel nach seinem ersten Ironman in Frankfurt.
Glücklich im Ziel: Günther Stabel nach seinem ersten Ironman in Frankfurt.

Günther Stabel hat den Frankfurter Ironman bei 30 Grad Grundhitze in 11 Stunden, 11 Minuten und 3 Sekunden bewältigt. Es war sein erster. Vor nicht allzu langer Zeit war der 38-jährige Triathlet des 1. FC Kaiserslautern einfach nur ein Läufer und hatte mit Radfahren und Schwimmen nichts am Hut.

20 intensive Wochen Training liegen hinter Günther Stabel, als er sich am Sonntag in Frankfurt im Pulk der Teilnehmer ins Wasser schmeißt und 3,8 Kilometer nasses Element vor sich weiß. „Noch vor zwei Jahren habe ich gerade mal eine Bahn im Schwimmbad geschafft“, blickt er zurück und gibt die doch etwas ungewöhnliche Herausforderung zu. Die geht auf der 180-Kilometer-Radstrecke gerade so weiter. „An eine bewusste Radtour war vor der Entscheidung für den Triathlon bei mir nicht zu denken.“ Auch dies ein Rückblick. Beim abschließenden Marathon beim Ironman, der Lauf über 42,2 Kilometer, war er dann eher in seinem Element. „Ich war Marathonläufer, bin über Ultrastrecken gelaufen und war unter anderem beim Zermatt-Marathon mit seinen nicht unerheblichen Höhenmetern dabei“, kommt Stabel auf sein eigentliches Metier zu sprechen. Das hat ihn nur irgendwann nicht mehr erfüllt. „Was mach’ ich da eigentlich?“, stellte sich ihm die Frage nach dem Sinn. Die Läufe einfach schneller zu beenden als bisher, nein, das war kein Anreiz für den Mann aus Imsbach, der lange in Steinbach und in Münchweiler Fußball spielte. „Eine neue Herausforderung muss her“, hörte er es in sich rufen. Triathlon, den fand er schon lange toll, wenn da nicht die Nichtschwimmerqualitäten und die mangelnde Radbegeisterung wären. Er entscheidet sich trotzdem für Triathlon. Im Wasser wird er allmählich ein wenig sicherer, und auch auf dem Rad nimmt die Geschichte Fahrt auf. Also meldet er sich im letzten Jahr zur Mitteldistanz in Wiesbaden an und finisht die 1,9 km Schwimmen, 90 km Rad und 21,2 km Lauf. Euphorie macht sich breit, die geht soweit, dass sich Günther Stabel beim Ironman in Frankfurt anmeldet. Worauf er sich da eingelassen hat, wird ihm erst so richtig klar, als er sich vor gut 20 Wochen mit Peter Holy, dem Trainer der Triathleten des 1. FC Kaiserslautern, in Verbindung setzt und um Unterstützung ersucht. „Schon im ersten Gespräch war mir klar, das passt mit uns beiden, und dass es für mich schwierig werden wird“, beschreibt der Sportler den ersten Kontakt mit dem Trainer. Bei Peter Holy klingt es ähnlich: „Nach dem Einführungsgespräch wusste ich um die Herausforderung. Sein Auftreten hat mir aber auch gezeigt, dass er weiß, was er will!“ Die Voraussetzungen als quasi Nichtschwimmer, der auf dem Rad „so lala“ daherfährt, die umschreibt der Trainer mit „eher bescheiden“. Und genau daraus hat das Team Stabel/Holy einen Ironman geformt, der unter 12 Stunden als Finisher ins Ziel kommt und da auch noch lachen kann. „Über die Ziellinie fallen, das wollte ich wirklich nicht“, gibt der Sportler Einblicke in seinen enormen Willen. Den genau hat er gebraucht, um in den letzten 20 Trainingswochen neben der täglichen Arbeit in der Kreissparkasse in Kaiserslautern bestehen zu können und dabei auch den Anschluss an die Familie nicht zu verlieren. „Die Familie und die Freundin standen immer hinter mir“, zeigt sich der Sportler dankbar für die Unterstützung, mit deren Hilfe er in den letzten Wochen 100 km geschwommen ist, 2900 km auf dem Rad saß und 710 km gelaufen ist. Die Freundin stand auch am Sonntag die gut elf Stunden in Frankfurt mit ihm durch. Sie am Rand der Strecke, er immer in Bewegung. „Ich glaube, ihr Part war da noch schwieriger“, gibt Stabel zu, dass er da gar nicht tauschen wollte. Ob er sich den Ironman noch einmal vornimmt, noch einmal gemeinsam mit dem Trainer beweisen will, dass man mit einem passgenauen Plan, viel eisernem Willen und einem klaren Kopf ganz, ganz viel erreichen kann? „Im Moment möchte ich da nicht drandenken“, ist er ehrlich und genießt erst einmal das, was da am Sonntag in Frankfurt geschehen ist.

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