Sport in der Corona-Krise RHEINPFALZ Plus Artikel Von fairen und traurigen Badmintonspielern und einem Training auf Zuruf

Im Moment sehen sich die Mitglieder des BV Kaiserslautern nur noch virtuell. Sie treffen sich zum Online-Quiz.
Im Moment sehen sich die Mitglieder des BV Kaiserslautern nur noch virtuell. Sie treffen sich zum Online-Quiz.

Mitgliederquiz, Netze und extra Bälle für draußen, viel mehr geht derzeit in den Badmintonvereinen nicht. Die Verantwortlichen halten dennoch Kontakt und die Mitglieder bei Laune, wie eine Umfrage beim 1. BV Kaiserslautern, dem TV Roßbach und dem 1. BCW Hütschenhausen zeigt.

Hallensport ist seit Monaten arg gebeutelt. Die Hallen sind dicht, die Sportler ausgesperrt. Geht auch den Badmintonspieler so. „Unsere Schläger stehen in der Ecke“, bringt es Markus Koch, der Vorsitzende des Badmintonvereins Kaiserslautern (BVKL) auf einen ziemlich traurigen Punkt. Dabei war doch nach dem ersten Lockdown alles wieder hoffnungsvoll angelaufen. Die Runde war gestartet, in den Reihen der Mannschaften war das Potenzial zum Aufstieg erkennbar. Selbst das Ferienprogramm des Vereins war wie jedes Jahr der Renner – auch wenn es kurzfristig draußen auf der Wiese beim befreundeten Trend- und Funsportclub Kaiserslautern stattfinden musste.

Junior Op’N wieder abgesagt

Seit November ist wieder alles lahmgelegt, die Runde abgesagt. Das deutschlandweit bekannte große Jugendturnier „Junior Op’N“ findet nach 2020 nun auch 2021 nicht statt. Ein großer Verlust für den ausrichtenden BVKL und für den Badmintonnachwuchs sowieso.

„Vor März kommen wir wahrscheinlich nicht in die Hallen zurück, wenn überhaupt“, ist Markus Koch und mit ihm das Trainerteam schon gefragt, die Mitglieder bei Laune und vor allem in einer einigermaßen guten körperlichen Verfassung zu halten. Das Miteinander fehlt aber mindestens allen genauso wie das Spiel mit dem kleinen Federball, sagt Koch.

Vereinsbus bringt Geschenke

Deshalb wurde von Vereinsseite alles versucht, um wenigstens die Weihnachtspräsente an die vielen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen zu bringen. Mit dem Vereinsbus, der an vereinbarten Stellen Station machte, war das engagierte Team unterwegs, um wenigstens Teile der kleinen Präsente an die Spieler zu bringen.

Hubertus Gramowski, der BVKL-Präsident, zeigt sich ausgesprochen stolz auf seinen Vorsitzenden Markus Koch, dem es, gemeinsam mit seinem Team, in dieser schwierigen Lage gelinge, den Verein am Laufen zu halten. „Das Engagement ist wirklich toll“, so Gramowski.

Googeln ist verboten

Aktuell hat sich der BVKL Quizabende ausgedacht, an denen sich die Spieler sehr gerne beteiligen.

Alles online, versteht sich. „Es geht schon um Badminton, es geht aber auch um Allgemeinwissen“, spricht Koch über die Inhalte. Es gebe dabei ein „Gentleman Agreement“, dass die Fragen spontan beantwortet werden und keiner beim großen „Google“ nachschaut. „Das klappt gut, Badmintonspieler sind fair“, stellt der Vorsitzende lachend fest.

Training auf Zuruf

Die Badminton-Abteilung des TV Roßbach hat in der Misere entschieden, extra Netze und extra Bälle für draußen anzuschaffen. „Das Training draußen ist natürlich wetterabhängig, und wir haben keine festen Trainingstage“, berichtet Florian Rheinheimer, Trainer, aktiver Badmintonspieler und Abteilungsleiter beim TV Roßbach, von einem Training quasi auf Zuruf. Das sei immer noch besser als gar nichts. Die kalten, windigen und vor allem nassen Januartage haben aber auch das Draußenspiel mit dem kleinen schnellen Federball nicht zugelassen. Was bleibt, ist Joggen oder Heimtrainer. „Ich habe mir eine Hantelstange gekauft“, bedauert Rheinheimer, dass er derzeit eher die Hantel und weniger den Badmintonschläger nutzt.

Halle ist weiter tabu

Beim 1. Badminton-Club Westpfalz Hütschenhausen (BCW) langweilen sich die vielen Mitglieder und aktiven Mannschaftsspieler gerade auch ziemlich. Von den fünf Mannschaften, die in Oberliga, Rheinland-Pfalz-Liga, der Verbandsliga Nordost, der Bezirksoberliga Pfalz und der Bezirksliga Mitte Nord spielen, darf nicht eine in die Halle. „Die Runde ist abgesagt, und das ist unter den Voraussetzungen auch gut so“, ordnet Thomas Winter, verantwortlich für den Spielbetrieb beim 1. BCW Hütschenhausen, die aktuelle Lage ein.

„Die Spieler können nicht richtig oder gar nicht trainieren, da bauen Muskel und Bänder rasant ab. Die Verletzungsgefahr bei einer schnellstmöglichen Rückkehr in den Spielbetrieb ist viel zu groß“, blickt Winter einer beginnenden neuen Runde im September entgegen. Und was passiert bis dahin im Verein? Die Kinder nehmen am Online-Training teil, die Aktiven müssen sich, soweit es geht, selbst fithalten. Traurige Situation, da sind sich alle Vereine einig.

Da war Begegnung noch erlaubt: Zum Ferienprogramm des BVKL trafen sich die Mitglieder auf dem TFC-Gelände.
Da war Begegnung noch erlaubt: Zum Ferienprogramm des BVKL trafen sich die Mitglieder auf dem TFC-Gelände.
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