Kaiserslautern Von der Kohlenbahn zur Steinbahn
«Landstuhl.»Heute vor 149 Jahren, am 20. September 1868, wurde die Bahnlinie Landstuhl-Kusel eröffnet. Sie bildete eine Nebenstrecke zur Ludwigsbahn, die als Ost-West-Linie die Rheinebene mit dem Saarland verband. Ihr Hauptzweck war zunächst der Transport von Steinen aus Steinbrüchen rund um Kusel.
1862 erschien in einer Mainzer Zeitung ein Leserbrief, der eine Nebenstrecke der Bahn von Landstuhl nach Kusel vorschlug. Der Verfasser wies dabei auf die großen Steinbrüche um den Remigiusberg hin, deren Steine dadurch bis nach Paris exportiert werden könnten. Im gleichen Jahr bildeten sich in Ramstein und Kusel Komitees, die den Bahnbau unterstützen wollten. Der Kuseler Stadtrat erklärte sich bereit, ein Grundstück für den Bahnhof zur Verfügung zu stellen. 1863 erschien eine Denkschrift mit dem Titel „Erbauung einer Zweigbahn von Landstuhl nach Kusel durch das Moorbach-, Glan- und Kuselbachthal“. Die Verfasser vertraten die Ansicht, dass eine Bahn die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in der Region verbessern könnte. Sie wäre außerdem von Vorteil für die hiesigen Industriebetriebe, für den Abbau von Gesteinen, die der Straßenbau benötige, nicht zuletzt für die örtlichen Jahr- und Viehmärkte. Im Jahr 1865 verabschiedete der bayerische Landtag ein Gesetz, das sich mit der geplanten Strecke befasste. König Ludwig II. genehmigte die Gründung einer Aktiengesellschaft, die sämtliche Strecken nördlich der Ludwigsbahn betreiben sollte. Damit konnte der Bau beginnen. Dazu wurde die rund 29 Kilometer lange Strecke in zwei Abschnitte eingeteilt. Die Bauarbeiten, die drei Jahre in Anspruch nahmen, verliefen ohne größere Schwierigkeiten. Am 28. August 1868 konnte der erste Güterzug die eingleisige Strecke befahren. Die offizielle Eröffnung der Bahnlinie Landstuhl-Kusel fand dann am 20. September 1868 statt. An diesem Tag verkehrte ein Sonderzug von Ludwigshafen aus, der neben dem bayerischen Staatsminister für Handel und öffentliche Arbeiten auch mehrere Funktionäre der pfälzischen Eisenbahnen als Ehrengäste beförderte. Zwei Tage später erfolgte die Freigabe für die allgemeine Bevölkerung. Die Züge fuhren täglich viermal zwischen Landstuhl und Kusel, eine Fahrt dauerte mit 1,5 Stunden doppelt so lange wie heute. Bahnhöfe gab es in Ramstein, Steinwenden, Glan-Münchweiler, Theisbergstegen, Altenglan und Kusel, Haltestellen in Niedermohr und Eisenbach-Matzenbach sowie einen Güterbahnhof in Rammelsbach. Die Züge wurden jahrelang von einer Lokomotive gezogen, deren offizieller Name „T 1 Kusel“ lautete, den der Volksmund aber bald in „Kuseler Lottchen“ abänderte. Hauptzweck der Ludwigsbahn war einst, die saarländische Kohle an den Rhein zu bringen. Sie wurde deshalb auch Kohlenbahn genannt. Da die Strecke Landstuhl-Kusel vor allem dazu diente, die Erzeugnisse der Steinbrüche um Altenglan in alle Welt zu befördern, erhielt sie die Bezeichnung Steinbahn. Die Bedeutung der Bahnlinie für die örtliche Wirtschaft wurde recht früh erkannt. Noch bevor die Strecke eröffnet wurde, verpachtete die Gemeinde Rammelsbach einen Steinbruch an die Bahn, aus dem ein Jahr später 200 Wagen mit Pflastersteinen nach Berlin geliefert wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Steinbrüche um Altenglan stillgelegt. Seit 2004 auch der Steinbruch in Theisbergstegen geschlossen wurde, ist heute nur noch der in Rammelsbach in Betrieb und wird von Güterzügen angefahren. Während der Gütertransport auf der Bahnlinie allmählich sank, ist der Personenverkehr eher angestiegen. Die Strecke Landstuhl-Kusel gehörte im Verlauf ihrer Geschichte vielen Eigentümern. Sie unterstand der Gesellschaft der Pfälzischen Nordbahnen, wurde danach Teil der Pfälzischen Eisenbahnen und ging 1909 in den Besitz der Bayerischen Staatseisenbahnen über. 1920 wurde sie Bestandteil der neu gegründeten Deutschen Reichsbahn. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bahnstrecke zunächst von der Vereinigung der Südwestdeutschen Eisenbahnlinien geleitet, die 1949 in die neu geschaffene Deutsche Bundesbahn überging, die seit der Bahnreform 1994 Deutsche Bahn heißt. Nach acht Jahren in Privatbesitz von Transregio, bedient seit Ende 2008 die DB Regio die Linie. Nach der Steinbahn entstanden nach und nach weitere Bahnstrecken: die Alsenzbahn, die Lautertalbahn und die Bachbahn. Während einige dieser Strecken wieder stillgelegt wurden, blieb die Linie Landstuhl-Kusel bis auf den heutigen Tag erhalten.