Stadtgespräch
Von ausgelassener Feierlaune, Spaßverderbern und superdigitaler Info
Erinnern Sie sich noch an die Pandemie? An die Zeit, als man außerhalb der eigenen Wohnung nur Masken statt Menschen begegnete? Wobei begegnen damals hieß, von der Ferne sehen. Obwohl das noch gar nicht so lange her ist – im ÖPNV fiel die Maskenpflicht erst im Februar, in Arztpraxen sogar erst im April – und sich dieser isolierte, trostlose Zustand wie eine Ewigkeit anfühlte, ist er nun schon eine gefühlte Ewigkeit her. Weit weg. Zum Glück. Denn endlich darf wieder unbeschwert gefeiert werden. Und das tut Kaiserslautern in diesem Sommer sogar ausgiebiger als zuvor.
Alles, was vor der Pandemie zum festen Jahresprogramm gehörte, ist wieder da. Und noch mehr: Das Straßen-Kunst-Festival Anfang Mai war das unerwartete Amuse-Gueule des reichhaltigen Feier-Menüs. Die Lautrer Sommerabende aus dem vergangenen Jahr gehen in die zweite Runde, ebenso wie „Wein und Musik“, diesmal in Hoffnung auf reinen Wein statt verregneter Schorle bereits im August. Neben Klassikern wie „Alles muss raus“, Swinging Lautern und natürlich den beiden Kerwen ist erstmals auch wieder der Höhepunkt des Jahres im Programm: das Altstadtfest. Dem haben sicher etliche drei Jahre lang entgegengefiebert.
Wer die Stimmung vermiesen könnte
Kaiserslautern lässt es also endlich wieder krachen. Hoffen wir, dass dies so bleibt. Denn eines könnte der Stadt in den nächsten Jahren die Feierlaune vermiesen: Ein derart hartes Durchgreifen der ADD, dass Kaiserslautern im schlimmsten Fall erneut in eine haushaltsfreie Zeit rutschen würde. Aber auch ohne diesen Worst Case macht haushalten in der Stadt kaum Spaß. Am 12. Juni muss der Stadtrat über den Beitritt zum Entschuldungsprogramm entscheiden. Da das Land für eine Schuldenübernahme ordentlich Gegenleistung sehen will, wird die Entscheidung für den Stadtrat erneut eine Qual werden. Die Mitglieder werden zu dem gezwungen sein, wogegen sie sich im vergangenen Jahr mit Händen und Füßen gesträubt haben: Steuererhöhungen. Damals noch mit Hoffnung darauf, dass die Entschuldung die Erlösung bringen wird, zwingt die Entschuldung sie diesmal quasi dazu. Ich höre schon erneut das Wort Erpressung. Einen schmerzfreien Ausweg aus der Zwickmühle gibt es jedenfalls nicht.
Die Bahn ist mehr als digital
Wie einfach ist die Welt dagegen woanders. Zumindest von außen betrachtet. Zum Beispiel bei der Bahn. Im Lauterer Bahnhof weist die „DB Info 4.1“ den Fahrgästen nun den rechten Weg. Auf einen einzigen Blick ist an deren Anzeige erkennbar, wo es lang geht. Und wann.
Tolle Sache! Aber wo – oder was – war eigentlich die „DB Info 4.0“? Oder die 3.0? Gab es eigentlich je die Info 2.0 oder 1.0? War das früher vielleicht der Schaffner auf dem Bahnsteig? Okay, gehen wir es gründlich an: Die erste industrielle Revolution, also die Industrie 1.0, begann mit der Dampfmaschine. Die Elektrizität stieß die Industrie 2.0 an, unter dem Namen 3.0 folgte die Ära des Computers, und mit 4.0 das digitale Zeitalter. Die „Info 4.1“ ist also noch einen Tick digitaler als digital. Bisher konnte ich auf der Anzeigentafel im Bahnhof ablesen, wann der Zug wo abfährt – oder wann er eben nicht abfährt. Auch die DB-App verrät es mir, bloß genauer und früher. (Ist die deswegen eigentlich schon eine Info 4.2?)
Superdigital werde ich nun also im Lautrer Bahnhof darüber informiert, was rein mechanisch nicht funktioniert. Dass der Zug – ganz physisch – eine halbe Stunde später kommt, weil – ebenso physisch – kein Lokführer da ist. Oder weil ein Stellwerksfehler vorliegt, wahrscheinlich ein 3.0-Problem. Es kann allerdings auch an einer Oberleitungsstörung liegen. Dann mangelt’s der Industrie 2.0 an Power. Aber es gibt ja auch Strecken, die noch nicht mal elektrifiziert sind. Da fahren die Züge zwar nicht mehr mit Dampf, aber so ähnlich: Diesel stinkt immerhin auch.
Also, wenn mal wieder nichts läuft auf der Schiene, wenn ich wegen Verspätung eine Stunde auf den Anschluss warten muss, dann bin ich wenigstens 4.1 darüber informiert! Ganz schnell. Schade eigentlich, wo ich dann doch wirklich Zeit habe.
Badewetter – doch ohne Wesch
Zeit hat es auch gebraucht, bis das Warmfreibad startklar war. Immerhin mit nur einer Woche Verspätung öffnet es heute. Dagegen müssen sich die Freunde der Wesch noch weiter gedulden: Dort verschiebt sich der Saisonstart wohl deutlich bis in den Juni. Das ist nicht nur für die Kalt-Bahnenzieher schade, sondern vor allem auch für die Schulkinder. Denn in diesem Jahr haben sie Pfingstferien, und die Prognose für die kommenden beiden Wochen verspricht durchaus Badewetter. Nun müssen sie sich im Warmfreibad drängen. Falls sie nicht in angrenzende Bäder ausweichen.