Kaiserslautern Vom Ural über die Donau an die Lauter

Neues Gesicht unter den Dirigenten am Theater: Anton Legkii.
Neues Gesicht unter den Dirigenten am Theater: Anton Legkii.

Während in vielen gesellschaftlichen Bereichen Stabilität und Kontinuität gefragt sind, lebt ein Theater auch von Fluktuation, vom personellen Wandel. Wechsel und Rotation bringen neue Ideen ein, erzeugen Aufbruchstimmung, setzen Akzentverschiebungen oder neue künstlerische Impulse. Um so mehr, wenn sie wie der seit dieser Spielzeit engagierte zweite Kapellmeister Anton Legkii aus einer anderen Traditionslinie kommen: aus Katharinenburg (heute: Jekatarinburg), einer Millionen-, Industrie- und Universitätsstadt am Ural.

Diese Stadt hat mehrere Theater, eine Philharmonie und eine Vielzahl von Museen, was das Kunstverständnis betont. Nach seiner dort verbrachten Kindheit studierte Anton Legkii in Moskau Chor- und Orchesterleitung und ergänzte seine Studien in Wien. Nach diesen Studien arbeitete er in seiner Heimatstadt zwei Jahre als Gastdirigent und zudem im Theater Omsk; er war zudem Gastdirigent auch in Pilsen, Tschechische Republik. Gefragt nach seinen musikalisch-stilistischen Schwerpunkten, antwortet der 1991 geborene Kapellmeister nicht nach Stilepochen, sondern mit für ihn herausragenden Meisterwerken. Im Gespräch stellt Legkii Unterschiede und auch Gemeinsamkeiten deutscher und russischer Orchester heraus: Beide bevorzugten den breiten, voluminösen Klang, in Deutschland seien die Orchester noch disziplinierter und kontrollierter sowie genauer im Zusammenspiel der einzelnen Satzgruppen. Dagegen agierten russische Klangkörper oftmals emotionsgeladener und mit mehr Spannung, berichtet der junge Senkrechtstarter von seinen eigenen Erfahrungen. Nach dem Weggang der beiden Kapellmeister Markus Bieringer (nach der Saison 2015/16) und Rodrigo Tomillo (nach der Saison 2017/17 zum Theater Hagen) ruhen auf dem Nachwuchsdirigenten als zweitem Kapellmeister nach bisherigen Erfolgen berechtigte künstlerische Hoffnungen, die Legkii bei der Vielfalt seiner bisherigen Aufgaben restlos erfüllte: mit der Offenbach-Operette „Orpheus in der Unterwelt“ und dem Tanzabend „Giselle“, bei dem er verschiedene Bühnenmusiken von Arvo Pärt (zeitgenössisch) und Adolphe Adam (französische Romantik) zu dirigieren hatte. Seine nächsten Aufgaben warten schon auf ihn: So steht er bei der Premiere der Rossini-Oper „La Cenerentola“ am heutigen Samstag am Pult, gefolgt vom nächsten Pfalztheaterkonzert am 25. Februar mit einem Programm aus Klassik bis Spätromantik und dem Galakonzert „sonntags um 5“. Damit hat Legkii die wesentlichen Bereiche der Pfalztheater-Produktionen im Musik- und Tanztheater für sich erobert. Bislang fiel er durch klare Schlagtechnik, ausgeprägtes rhythmisches Empfinden und schlüssige Werk- und Tempovorstellungen auf, die er präzise vermittelte und dabei trotz seiner jungen Jahre eine erstaunliche Souveränität bewies. Im RHEINPFALZ-Gespräch berichtet Legkii auch von seinen Erfahrungen an den Musikhochschulen: etwa von der individuellen und sehr intensiven Unterrichtung in Russland, kontrastierend zum „Klassen-Denken“ an der Wiener Musikhochschule. Während an der Donau so der Gedankenaustausch der Studierenden untereinander und der wechselseitige Lernprozess im Vordergrund stehe, sieht Legkii in Russland die Stärken in der präzisen Schulung von Bewegungsabläufen und Schlagtechnik – was bei seinen bisherigen Dirigaten auch auffiel. Diese Öffnung eines Nachwuchsdirigenten nach allen geographischen und stilistischen Seiten kann also für das Pfalztheater neue Horizonte eröffnen. Für die Vakanz des ersten Kapellmeister-Postens stellen sich wechselnde Gastdirigenten vor, so zuletzt auch beim traditionellen Neujahrskonzert.

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