Kaiserslautern Vom Theater mag er nicht lassen

Dieter Hofinger am Pfalztheater: als Großfürst und Onkel des Titelhelden in der Lehár-Operette „Der Zarewitsch“, die 2001 von Ho
Dieter Hofinger am Pfalztheater: als Großfürst und Onkel des Titelhelden in der Lehár-Operette »Der Zarewitsch«, die 2001 von Holger Klembt inszeniert wurde.

Seinen 80. Geburtstag am heutigen Mittwoch kann Dieter Hofinger nicht groß feiern, weil eine Probe für das mittelalterliche Streitgedicht „Der Ackermann und der Tod“ anberaumt ist. Der Schauspieler, der ab 1992 für elf Jahre dem Ensemble des Pfalztheaters angehörte, nimmt’s gelassen und verweist auf ein später stattfindendes Fest im erweiterten Familienkreis.

Was hat der gebürtige Salzburger, den Pavel Fieber in die Pfalz holte, hier nicht alles gespielt? Zwar musste der hagere Zwei-Meter-Mann mit dem schlohweißen Haar und der sonoren Stimme in seiner ersten Lauterer Rolle als „Othello“ eine eher unglückliche Inszenierung überstehen, in den Folgejahren aber feierte er an der Lauter große Erfolge. Vom Prospero in Shakespeares „Sturm“ über den Winkelagenten Schnoferl in Nestroys „Mäd’l aus der Vorstadt“ bis zum beginnend dementen Patriarchen im „Fest“ des Thomas Vinterberg, vom klassischen Drama über Operetten bis zur zeitgenössischen Literatur bewies Dieter Hofinger eine Vielseitigkeit, die mit lebensvoller Authentizität und glaubhafter Verinnerlichung einherging. Was Wunder, dass er seinem hingebungsvollen Lauterer Publikum eine „große Zuneigung und Wärme“ attestiert? Seine mit Regisseur Boris von Poser entwickelte Darstellung des zwischen Zorn und Tyrannei taumelnden Witwers „Korbes“ im gleichnamigen Stück von Tankred Dorst veranlasste 1995 gar den Autor zu einem Dankschreiben. Hofinger sagt, seine Liebe gelte „den großen Außenseitern“, dem Büchner’schen „Woyzeck“, dem rothaarigen Barbiergesellen Titus Feuerfuchs im „Talisman“ von Nestroy, auch dem in Realitätsverlust aufblühenden Don Quichotte im Musical „Mann von La Mancha“, den er am Stadttheater Ulm verkörperte. Sein erstes Engagement trat Dieter Hofinger in Klagenfurt an, nachdem er kurz in ein Wirtschaftsstudium geschnuppert und dann doch das Mozarteum seiner Heimatstadt absolviert hatte. Während der Salzburger Festspiele agierte er schon damals als einer von „Jedermanns“ Gästen neben so illustren Partnern wie Quadflieg, Deutsch, Ginsberg, Merkatz und der jungen Erika Pluhar. Weitere Bühnenstationen waren Landshut/Passau, München, Deutsches Theater Berlin, Tübingen und Frankfurt, außerdem die Festspiele in Wunsiedel, Feuchtwangen und Jagsthausen. In Wien schloss er sich 1969 dem avantgardistisch-linksgerichteten „Ensemble der Komödianten“ um Conny Hannes Meyer an, das nach internen Querelen später als „Gruppe 80“ neugegründet wurde. Kritikerlob bekam er hier unter anderem als Gutsbesitzer Rappelkopf in Raimunds „Alpenkönig und Menschenfeind“, als Gerichtspräsident im „Zerbroch’nen Krug“ und vor allem als einer der beiden Filmgewaltigen in der „Fahrt mit dem Einbaum“ von Peter Handke. Hofinger, der vor zwei Jahren seine Goldene Hochzeit beging, ist vor allem ein Mann der Bühne, des Sprechtheaters. „Die Operette ist nicht unbedingt meine Welt“, ergänzt er. „Aber ich hab’s immer sehr gerne gemacht, weil die fröhliche Probenarbeit mit den Kollegen so angenehm ist.“ Ebenfalls wenig gereizt haben ihn Kino und Fernsehen, denen er zwischen „Tatort“, „Kottan ermittelt“, „Heiterem Bezirksgericht“, „Jesus von Ottakring“ und einer frühen Halbstarken-Rolle im „Pfarrer mit der Jazztrompete“ selten zur Verfügung stand. Inzwischen lebt das Ehepaar Hofinger im Wiener Gemeindebezirk Hernals, wo einst die Schrammeln musizierten, die kürzlich verstorbene Jugendbuchautorin Christine Nöstlinger zur Welt kam und die frivole Romanheldin Josefine Mutzenbacher ihre „Karriere“ begonnen haben soll. Ab und an kommen Freunde aus Kaiserslautern, Günther Fingerle zum Beispiel, mit dem er einst in „Urmel aus dem Eis“ auf der Bühne stand. Vom Theater mag Dieter Hofinger nicht lassen. In einer seit vier Jahren laufenden Produktion des „Lumpazivagabundus“ spielt er den trinkfreudigen Schustergesellen Knieriem, außerdem macht er Theaterprojekte mit der Waldorfschule. Daneben tut er das, was jeder echte Wiener tut: „Ich bin viel im Kaffeehaus.“

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