Kaiserslautern Vom Soll- und vom Ist-Zustand

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Aufgeschreckt durch sich vermehrt im Kultursektor auftuende Finanzierungslücken, hat sich die RHEINPFALZ bei einigen Sponsoren umgehört, um ihre Planung in der Kulturförderung zu erfragen. Aber auch eine Auswahl an Veranstaltern kommt in diesem Hintergrundbericht zu Wort.

Die Volksbank unterhält drei eigene Veranstaltungsreihen, einmal die Ausstellungen in der Hauptstelle, zweitens die „Blaue Stunde“ in Kooperation mit dem Pfalztheater im Casino und schließlich ebenfalls dort durchgeführte Kammer- und Kleinkunst-Konzerte mit dem Schwerpunkt auf regionalen Künstlern. Diese drei Sektoren bleiben auch im nächsten Jahr erhalten, Vorstandsmitglied Alexander Kostal wagt aber derzeit im Banksektor keine langfristigen Prognosen. Er räumt ein, dass die Zahl der Veranstaltungen mitunter variieren könne. Darüber hinaus bezuschusse die Volksbank auch Fremdveranstaltungen wie Konzerte im Schlosspark Rockenhausen oder das Stadtfest Landstuhl. Kostal gibt zu bedenken, dass infolge der Fusion der Volksbank Kaiserslautern mit der VR-Bank Westpfalz 2016 Gelder nur noch aus einem Topf fließen und die Ausgaben kontrollierter eingesetzt werden. Allerdings werde der Status quo nicht merklich verändert, es seien aber auch keine Steigerungsraten zu erwarten. Da eine jährliche Überprüfung aller Budgets erfolge, könnten keine mittelfristigen Prognosen erstellt werden. Hartmut Rohden, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse, erläutert, dass kein gesondertes Kulturbudget existiere, sondern dieser Topf für Öffentlichkeitsarbeit neben Kulturförderung auch die Bereiche Sport, Soziales, Wissenschaft und Umwelt umfasse. Die Gewichtung dieser Bereiche sei variabel, zudem binden längerfristige Sponsorverträge teilweise die Finanzmittel, da diese Verträge primär eingehalten werden. Jede einzelne Fördermaßnahme komme auf den Prüfstand, es würden Gemeinnützigkeit und Nachhaltigkeit geprüft. Die Gesamtförderung müsse derzeit aufgrund der Niedrig-Zinsphase zwangsläufig zurückgehen, räumt Rohden ein. Bei geänderter Gewinnlage seien aber wieder angepasste Erhöhungen in Zukunft denkbar. Grundsätzlich halte die Sparkasse an der sozialen Idee der Förderung fest, die auch im rheinland-pfälzischen Sparkassen-Gesetz verankert sei. Karin Decker, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Kaiserslautern, bekräftigt diese Leitidee der Förderung aus einem Budget, das hier seit Jahren relativ konstant sei. Man versuche auch die Förderung konstant zu halten, lege Wert auf verlässliche Partnerschaft und größtmögliche Planungssicherheit für Kulturschaffende. So seien nächstes Jahr keine Einschnitte geplant: Die Finanzierungshilfen für Veranstaltungsreihen wie Jazzbühne, TIM (Theater im Museum), Volkspark-Konzerte oder Projekte der Singschule an der Stiftskirche (um einige zu nennen) blieben erhalten. Allerdings könnten sie im Einzelfall etwas nach unten korrigiert werden, so bei TIM von jährlich 3000 Euro auf 2500. Gefördert werde in Stadt und Landkreis (dort etwa der Skulpturenweg), wobei Institutionen wie das Pfalztheater nicht in ihrem Gesamthaushalt, sondern bei Einzelmaßnahmen gefördert würden. Bei den Stadtwerken Kaiserslautern, einem weiteren Sponsor der regionalen Kulturszene, erinnern Vorstandsmitglied Markus Vollmer und Presseansprechpartner Hans-Peter Frey an die Unterstützung von Projekten wie Blues-Festival, „Lautern lacht“ sowie weitere Veranstaltungen des Kulturzentrums Kammgarn. Mit der SWK-Card gäbe es zudem Vergünstigungen bei Kammgarn-Veranstaltungen. Bis 31. Dezember könnten sich Interessenten im Rahmen eines Kulturprojekts für eine Förderung bewerben, es würden sechs Mal jeweils 500 Euro an förderungswürdige Projekte vergeben (nähere Informationen bei der SWK). Daneben wird eine stabile Förderung versichert, diese sei für die Kundenbindung wichtig, schließlich solle der Geldkreislauf in der Region bleiben. Gefördert würden professionelle und Laienveranstaltungen, eventuell auch Feste, etwa in Form von kostenfreiem Stromanschluss. Dieser grundsätzlich positiv klingende Status quo erweist sich allerdings bei konkreter Nachfrage bei Kulturveranstaltern als trügerisch: Nach Informationen durch Orchestermanager Benedikt Fohr von der Deutschen Radio Philharmonie sei die Förderung der Konzertreihe „À la carte“ nach schleichendem Rückzug nun von der Kreissparkasse ab dieser Konzertsaison (seit September 2016) völlig eingestellt worden. Ebenso werde die Förderung der stets ausverkauften Reihe „Sonntags um 5“ mit der Konzeption eines Galakonzertes aus Oper, Operette, Musical und Konzert ab der Saison 2017/18 von der Kreissparkasse eingestellt. Beim Kulturzentrum Kammgarn hat die Kreissparkasse ihre Anzeigen im Programmheft gekündigt. Geschäftsführer Richard Müller fehlen dadurch 6000 Euro. Daneben hat die Kreissparkasse künftig auf das Auslegen des Kammgarn-Programmheftes „verzichtet“ (wir berichteten am 7. September). Inzwischen habe sich auch der Sponsor des traditionellen Neujahrsempfangs der Kammgarn, die Volksbank, ausgeklinkt. Müller nennt das „Taktieren unverlässlicher Finanzpartner“ allgemein „Harakiri-Aktionen“, die mühsam aufgebaute Strukturen auf einen Schlag zerstören könnten. Er appelliert, regionale Unternehmen zu unterstützen, deren Firmenphilosophie Kultursponsoring beinhaltet. Wie sind nun die Auswirkungen auf die Planungssicherheit? Orchestermanager Fohr kontaktierte nach eigenen Angaben bereits Firmen, um diese Finanzlücken zu schließen. Allerdings bislang erfolglos, einmal, weil, wie im Falle des größten Saarbrücker Arbeitgebers ZF (Friedrichshafen), die Zentrale dort sitzt und vor Ort schon fördere. Oder weil inzwischen schon viele – auch Sportvereine – dort angeklopft hätten. Beim Mittagskonzert „À la carte“ setze er daher auf aufstrebende junge Preisträger und insgesamt bei gemischten Galakonzerten auf weniger Solisten, was finanzielle Einsparungen bringe. Auch im Laienbereich ist der Rotstift spürbar: Fabian Fuchs, Vorsitzender des Otterbacher Musikvereins, berichtet, dass die Kreissparkasse auch die Unterstützung des traditionsreichen Weihnachtskonzertes runtergefahren habe. Andere Sponsoren hätten dagegen ihr Engagement gehalten. Und auch Michael Krauss, Vorsitzender beim Förderverein des Pfalztheaters, berichtet, dass es schwieriger werde, innerhalb des Fördervereins Gelder für Projekte zu akquirieren. |rhe

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