Kaiserslautern Vom Signalgeber zum Solisten
Kindsbach. Ob tatsächlich die Mauern Jerichos vor etwa 3200 Jahren durch den Klang der Trompeten zum Einsturz gebracht worden sind oder nicht, ist mehr als umstritten. Unumstritten jedoch ist, dass die Trompete oder zumindest trompetenartige Instrumente zu den ältesten Musikinstrumenten zählen und in allen Kulturen unserer Erde vorkommen. Anton Naujok und Hannes Meinlschmidt üben sich auf diesem historischen Blasinstrument.
Tutanchamun hatte eine, Kristina Schier, die Leiterin der Kreismusikschule Kaiserslautern, spielt auf ihr, Anton Naujok und Hannes Meinlschmidt auch. Die Rede ist von der Trompete, einem Instrument, das schon lange von den Menschen benutzt wird. Die älteste Trompete, die noch erhalten ist, stammt eben aus dem Grab des berühmten ägyptischen Pharaos, der um 1323 vor Christus gestorben ist. Kultische Feiern wurden bei fast allen Völkern mit Trompetenklängen eröffnet, auch bei einer Schlacht oder Jagd hatten Trompetensignale ihre Bedeutung. Die Geschichte der modernen Trompete lässt sich in Europa bis ins elfte Jahrhundert zurückverfolgen. Frühmittelalterliche Trompeten waren gestreckt. Erst als man Rohre biegen konnte, kamen ab dem 14. Jahrhundert gewundene Formen auf. Aber auch bei diesen Instrumenten war der Tonumfang zunächst auf vier Töne, nämlich die im tiefen Bereich liegenden Naturtöne beschränkt. Vor rund 200 Jahren erst wurde schließlich das heute bekannte Ventilsystem entwickelt. Damit war es nun auch möglich, Halbtöne zu spielen. Um diese bemühen sich auch Hannes und Anton, beide 16 Jahre alt und aus Kindsbach. Sie nehmen mit einer B-Trompete, der wohl am häufigsten zu findenden Variante des Instruments, Unterricht bei Kristina Schier. B-Trompeten haben infolge ihrer guten Klangeigenschaften, ihres relativ großen Tonumfangs, ihrer weitgespannten dynamischen Möglichkeiten und registermäßigen Anpassungsfähigkeit mittlerweile die Vorherrschaft unter den Trompeten übernommen, obwohl es auch noch verschiedene andere Ausprägungen gibt. Hannes begann vor fünf Jahren mit dem Trompetenspiel, nachdem er zwei Jahre zuvor schon Blockflöte gelernt hatte. Ursprünglich wollte er Horn spielen, weil auch sein Großvater mit einem solchen Instrument musizierte. „Die Musik habe ich zuhause vorgelebt bekommen“, erzählt der Schüler, dessen Bruder sich für die Gitarre entschieden hat. Die Trompete war für ihn dann aber doch populärer und so übt er etwa dreimal in der Woche mit seinem Freund Anton, mit dem er auch in der Kolpingkapelle Kindsbach musiziert. Anton Naujok begann vor sechs Jahren, Unterricht bei Kristina Schier zu nehmen. Auch er verweist auf die musikalische Tradition in seiner Familie. Seine Schwester spielt Klavier und sein Bruder Posaune. Als ihren persönlichen musikalischen Höhepunkt sehen die beiden Schüler des Landstuhler Sickingen-Gymnasiums das große Osterkonzert der Kolpingkapelle Kindsbach an, das ihnen sehr viel Spaß gemacht habe. An Stücken, die sie einüben können, besteht kein Mangel. Ab dem 17. Jahrhundert fand die Trompete Eingang in die Kunstmusik. Nach und nach entwickelte sich der Blechbläser zu einem beliebten Konzertinstrument. Berühmte Komponisten wie Händel, Bach, Vivaldi oder Telemann schrieben Kompositionen für Trompete, die auch heute noch zu den beliebtesten Werken klassischer Musik gehören. Mittlerweile findet sich dieses Instrument in Sinfonieorchestern wie auch Blasorchestern, in Jazzensembles und in der Popmusik. Ihren nächsten öffentlichen Auftritt haben die beiden Kindsbacher übrigens am Freitag, 24. Juni, beim „Welcome day“ der Verbandsgemeinde Landstuhl, der für Flüchtlinge veranstaltet wird, erklärt Kristina Schier, für die die Musik in ihrem Leben auch eine ganz große Rolle spielt. Seit 1992 ist sie Leiterin der Kreismusikschule Kaiserslautern und hat darüber hinaus weitere Funktionen in der rheinland-pfälzischen Musikszene inne. Schier leitet nicht nur die Kreismusikschule, sie unterrichtet dort auch etliche Schüler und musiziert natürlich auch selbst gerne, wobei die Trompete die größte Rolle spielt. (pot) Die Serie In der Reihe „Mit Sang und Klang“ stellen wir Musikinstrumente vor. Lehrer und Schüler erzählen über ihre Holz-, Blechblas- und Streichinstrumente, über Schlagzeug oder auch über die menschliche Stimme.