Kaiserslautern Vom Rhein an die Spree

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Er gehört zum Spektakulärsten, was Grabungen in Rheinland-Pfalz jemals aus ferner Vergangenheit zutage förderten: der Hortfund von Neupotz. Seit gestern sind die Schätze aus spätrömischer Zeit im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel zu sehen – als Dauerleihgabe für mindestens zehn Jahre.

Was die Schwimmgreifbagger der Firma Kuhn in den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts bei der Kiesförderung aus einem Altrheinarm im südpfälzischen Neupotz ans Tageslicht holten, gilt bis heute als einer der größten römerzeitlichen Metallfunde Europas: Bronzekessel, eiserne Werkzeuge und Wagenteile, Vorhängeschlösser und Fußfesseln, Silbergeschirr, Wasserspeier – rund 1200 Teile, über 750 Kilogramm schwer, die Beute von Raubzügen germanischer Stämme in den römischen Provinzen des 3. Jahrhunderts. Weil die Räuber auf ihrem Rückzug wohl von römischen Patrouillen gestoppt wurden, versank das Raubgut für Jahrhunderte in den Fluten des damals noch mäandernden Flusses. Die zum Zeitpunkt des Fundes geltenden Gesetze machten die Inhaber des Kieswerks, die Brüder Willi und Ludwig Kuhn, zu Schatzbesitzern. Als solche beließen sie es nun allerdings nicht bei den Worten von Wagners Nibelungen-Drache Fafner: „Ich lieg und besitz’“. Sie trieben die wissenschaftliche Untersuchung voran, finanzierten Publikationen, suchten die Zusammenarbeit mit den Fachleuten der Landesarchäologie und – nachdem sich das kleine Museum in Rheinzabern bald als ungeeignet für eine Dauerpräsentation erwiesen hatte – des Historischen Museums der Pfalz in Speyer. Das Ergebnis: die spektakuläre Ausstellung „Geraubt und im Rhein versunken. Der Barbarenschatz“. Zehn Jahre ist das nun schon her. Die Vereinbarung mit Speyer sah vor, dass die Ausstellung von dort „ausgeliehen“ und der Schatz als „Botschafter der Pfalz“ auf Reisen geht. Das hat er lange und ausgiebig getan: In Bonn, Berlin, Augsburg, Luxemburg, Mistelbach (Niederösterreich), Alicante (Spanien), Bliesbruck-Reinheim, im fränkischen Iphofen – überall machte der „Barbarenschatz“ Furore. Nur zurück ins Museum von Speyer kam er nicht, denn dort kämpft man schon seit geraumer Zeit gegen bauliche Mängel (des Neubaus von 1990) und mit dem daraus resultierenden Platzmangel. Die Kuhns jedoch wollten ihren Schatz glänzen sehen – und verlängerten den bis 2017 laufenden Leihvertrag nicht, sondern sahen sich nach einem Partner um, der ihre Vorstellungen von angemessener Präsentation erfüllen konnte. Der wurde im Neuen Museum Berlin mit dem renommierten Mittelalter-Archäologen Matthias Wemhof an der Spitze gefunden. Für mindestens zehn Jahre ist der seit Sommer 2016 – nach einigen Unstimmigkeiten zwischen Besitzern und der Generaldirektion Kulturelles Erbe in Mainz – unter staatlichem Schutz stehende Schatz jetzt in der Hauptstadt zu sehen – im Bacchussaal. Dort stand lange Jahre allein der „Xantener Knabe“, ein schöner Bronze-Jüngling, den Fischer 1865 aus dem Niederrhein holten. Jetzt bekommt die römische Statuette aus dem 1. Jahrhundert metallene Gesellschaft vom Oberrhein. Der Schatz aus Neupotz und der Junge aus Xanten, beide in unruhigen Zeiten im Rhein versunken, finden an der Spree zusammen.

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