Kaiserslautern Vom Laufsteg in New York ans Mikrofon in Paris

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Der Sommer ist längst vorbei. Es dauert nicht mehr lange, bis wieder „Last Christmas“ von Wham im Radio laufen wird. Aber noch spielen sie den Hit dieses Jahres. „Don’t Be So Shy“ von Imany. Aha, eine Frau. Die Stimme ist so tief, dass so mancher dachte, es sei ein Mann, der da singt. Doch es ist eine Französin, die im zarten Alter von Mitte 30 Europa im Sturm erobert hat. Und das mit einem Lied, das schon zwei Jahre alt ist. Aber die russischen DJs Filatov & Karas haben sich den Soundtrack zum französischen Frauen-Film „Sous les Jupes des Filles“ vorgeknöpft, um damit in Russland das zu schaffen, was ihnen vorher schon mit zwei Imany-Songs gelungen war: einen Nummer-eins-Hit zu landen. Der Fußball-Sommer in Frankreich kannte neben David-Guettas EM-Hymne „This One’s For You“ nur einen Song. „Don’t Be So Shy“ lief rund um die Uhr. Und die Fußball-Touristen haben ihn in ihre Heimatländer mit nach Hause genommen. Nun ist Imany, die eigentlich Nadja Mladjao heißt, 37 Jahre alt ist und als Kind komorischer Eltern mit neun Geschwistern in Martigues im Süden Frankreichs aufgewachsen ist, ein Star. Und das trifft sich für die Französin mit afrikanischen Wurzeln sehr gut. Denn ihr gerade erschienenes zweites Album („The Wrong Kind Of War“) nach „Shape Of A Broken Heart“, das 2011 rauskam, war auch der Startschuss für eine große Europa-Tournee. Die ist für die junge Mutter ein einziges großes Bad im Glück. Und dieses Glück strömt von den Bühnen, auf denen sie steht, wie einer warmer Sommerregen. Sie spielt natürlich in kleinen, intimen Hallen. Und so springt der Funke mit dem ersten Wort, das sie noch auf der abgedunkelten Bühne singt, sofort über. Imany hat sich als Kind für ihre Stimme eher geschämt. Sie ist ein ungeduldiger, wacher Mensch und lebt ihr Leben der Nase nach. Das, was sie immer machen wollte, nämlich Singen, kann Nadja Mladjao als junge Frau nicht verwirklichen. Sie wird in Paris entdeckt und schlägt eine Model-Laufbahn in New York ein, immerhin untermalt von Gesangsunterricht. Das erklärt, warum die Französin nicht in ihrer Muttersprache, sondern auf Englisch singt. Vor zehn Jahren geht sie zurück nach Paris und macht das, was sie immer wollte: Musik. Ihre Lieder sind mitten aus dem Leben. Der erste Song ihrer ersten CD, könnte kaum treffender sein. „Slow Down“, heißt er. „Mach langsam, lass dir Zeit, es wird gut sein“, singt sie. Und es ist eine nette Ermahnung an sich selbst, an die Schnelle und Ungeduldige. Es geht bei ihr um die Dinge des Lebens, Liebe, Vertrauen, Enttäuschung, Hoffnung. Für sich, für alle, für Afrika, das die Form eines gebrochenen Herzens („shape of a broken heart“) hat. Bei ihren Konzerten erzählt sie zwischen den einzelnen Liedern sehr viel. Dabei nimmt sie sich mit ihren Fehlern selbst auf den Arm. Und damit ihr ganzes Publikum in denselben, denn ihre Fehler sind unsere Fehler. Da interessiert auch keinen im Publikum, dass die Imany, die da auf der Bühne steht, gar nicht so viel mit der Sängerin des Sommerhits gemein hat. Die Frau mit den Kopftüchern als Markenzeichen lebt von ihrer unglaublich tollen Stimme. Eine Gitarre dazu reicht fast schon. Und so klingt das alles ein bisschen Richtung Tracy Chapman. Nach Blues und Soul. Was Imany so anders macht, ist, dass sie mit ihren 37 Jahren einerseits dank ihrer Model-Vergangenheit sehr professionell rüberkommt. Andererseits versteckt sie sich hinter keiner Maske. Sie freut sich wie ein kleines Kind über jedes Konzert, postet auf Instagram in fast jeder Stadt Einladungen an die Fans und bedankt sich hinterher überschwänglich. Wer ihr einmal tief in die Augen blicken will? Kein Problem. Nach jedem Konzert signiert sie CDs. Selfies lässt sie zudem über sich ergehen. Auch wenn sie kein Fan zu sein scheint, denn sie hat nun ein Herz gepostet – und darin steht: „work on yourself, not on your selfie“ (arbeite an dir, nicht an deinem Selfie). Ich habe das Foto mit ihr nicht gebraucht, ihr dafür aber in die Augen gesehen und mich für ein wunderbares Konzert bedankt. Nun kommt sie für drei Konzerte nach Deutschland. Am 24. November ist Imany in Köln, am 25. November in Hamburg und am 26. November in einer ihrer Lieblingsstädte: Berlin.

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