75 Jahre Lokalausgabe
Vom Distrikt-Krankenhaus auf grüner Wiese bis zum Westpfalz-Klinikum mitten in der Stadt
Am 9. Mai 1893, vor gut 130 Jahren, ist das damalige Distriktkrankenhaus eingeweiht und eröffnet worden. Das alte Spital auf dem Rittersberg war marode und zu klein geworden, schreibt Jürgen Keddigkeit, der 2018 zum 125. Jubiläum des Klinikums in dessen Auftrag eine ausführliche Chronik vorlegte. Herausgegeben vom damaligen Geschäftsführer Peter Förster wird in „Die Zeit eilt – die Zeit heilt“ die Geschichte des Klinikums beleuchtet. Die noch heute erhältliche Chronik ist eine Quelle für diesen Text, ebenso Aufzeichnungen von Gerhard Westenburger, einem profunden Kenner der Kaiserslauterer Historie.
Also wurde im 19. Jahrhundert ein neues Spital gebaut – am Standort der heutigen Apostelkirche. Doch auch dieses Krankenhaus wurde schnell zu klein, der Bedarf an medizinischer Versorgung wuchs im aufstrebenden Städtchen Kaiserslautern rasch an. Die Stadt hatte 1850 rund 8000 Einwohner, 1890 waren es bereits 37.000. Im Frühjahr 1891 beschloss der Distrikt-Ausschuss, in der Kreisstadt Kaiserslautern ein „modernes Krankenhaus“ zu bauen.
Neubau in ruhiger Lage
Es wurde ein Standort für einen Neubau gesucht, den die Verantwortlichen westlich der Innenstadt fanden: Für das neue Krankenhaus habe man eine „ruhige Lage außerhalb der Stadt“ gewählt, auch „wegen der günstigen Windrichtung“, steht in der Entscheidung des Distriktausschusses. Baubeginn war am 14. September 1891. Nur kurze Zeit später entstand eine gewisse Nähmaschinenfabrik ganz in der Nähe ...
Aus dieser Gründungszeit des Klinikums ist ein Gebäude bis heute erhalten: der Sandsteinbau an der Albert-Schweitzer-Straße, die heutige HNO-Klinik. Dort ist hoch unterm Giebel „Die Zeit eilt – die Zeit heilt“ zu lesen, eine Uhr darüber wurde bei Renovierungsarbeiten entfernt. Zur Eröffnung gab’s im Gebäude allen damaligen Komfort, schreibt der Geschichtskenner Gerhard Westenburger: Dampfheizung, Isolierstation, Desinfektionsraum und einen „Isolierraum für Aussätzige“. Zur Eröffnung im Mai 1893 kam – natürlich – die ganze Bandbreite an städtischer Prominenz. Erster Patient, so ist überliefert, war ein Mann, der in Hochspeyer verunglückte und einen Beckenbruch erlitt. In den folgenden Jahren wurde das Krankenhaus um mehrere Gebäude – und Fachdisziplinen – erweitert.
1924: Geburtsstunde des Städtischen
Die Leistungen der Ärzte des Distrikt-Krankenhauses müssen hervorragend gewesen sein, schrieb Westenburger und verweist auf einen Stadtführer von 1902: „... was die Sterblichkeit betrifft, steht Kaiserslautern nahezu an niedrigster Stelle; sie wird nur noch von Charlottenburg unterboten.“
Als der Distrikt finanziell am Ende war und Kaiserslautern kreisfreie Stadt wurde, übernahm die Stadt am 1. Februar 1924 das Haus. Das ist die Geburtsstunde des Städtischen Krankenhauses. Die Gebäude waren in die Jahre gekommen und – wieder einmal – zu klein. Die Neubau-Vorschläge von Stadtplaner Hermann Hussong wurden aus finanziellen Gründen verworfen. Stattdessen wurden Holzbaracken und ein Holzbau als Röntgenhaus errichtet. Vorm Zweiten Weltkrieg standen Patienten im Städtischen Krankenhaus 280 Betten zur Verfügung.
Die waren im Krieg bald belegt. Wie bereits im Ersten Weltkrieg wurde das nahe Schulgebäude, die heutige Goetheschule, als Hilfslazarett genutzt, betreut vom Krankenhauspersonal. Nach Kriegsende wurde zunächst der Mangel verwaltet; das Krankenhaus konnte platztechnisch einmal mehr mit der wachsenden Bevölkerung nicht mithalten und wurde um neue Holzbaracken, die als Operationssäle genutzt wurden, erweitert. Einen Teil des Krankenhauses nutzten die französischen Besatzer als Militärhospital. Jahrzehntelang hatte es im Krankenhaus keine wirklichen Investitionen gegeben. 1953 hieß es in der „Pfälzischen Volkszeitung“, dass das „alte Haus (...) in keiner Weise den Bedürfnissen genügt“.
Vergrößerung in den 1950er Jahren
In den 1950er Jahren wurde das Städtische Krankenhaus dann endlich vergrößert, unter anderem wurden ein Erweiterungsbau und das Schwestern-Wohnheim eröffnet. Doch die Raumnot linderte selbst das kaum, weshalb der Stadtrat im April 1957 einen größeren Neubau beschloss – bis zu dessen Fertigstellung es noch Jahre dauern sollte. In dieser Zeit müssen die Arbeitsbedingungen für Ärzte alles andere als optimal gewesen sein. Im Dezember 1957 berichtete die RHEINPFALZ von einem Ärztekonflikt im Krankenhaus.
In den 1960er Jahren veränderte die Klinik ihr Gesicht massiv, das Haupthaus wurde gebaut, dazu ein Personalhaus. Das Hauptgebäude wurde im Juli 1964 eingeweiht, vom „modernsten Krankenhaus der Pfalz“ war die Rede. Nun standen in den Gebäuden des Städtischen Krankenhauses mehr als 650 Betten zur Verfügung. 1970 wurde das Schwesternhochhaus eröffnet, dessen 125 Zimmer damals als Wohnheim dienten. Heute sind darin die Verwaltung und noch einige Stationen untergebracht. Ebenfalls in dem Jahr stand die Einweihung von Bettentrakt und Intensivpflegestation auf dem Programm. So wuchs das Krankenhaus an seinem Standort nach und nach.
Aus der Traum vom „Klinikum im Wald“
Schnell war klar, dass all die Erweiterungen nicht ausreichten, um den Bedarf zu decken, Standorte für einen Klinikneubau wurden sondiert. Beispielsweise war ein Gelände im Süden der Stadt, ganz in der Nähe der Technischen Universität ins Auge gefasst.
Das Thema beschäftigte die Geschäftsführung und die Politik über Jahre hinweg. Westenburger schreibt: „Nach langen, wenig konstruktiven Beratungen beschließt der Stadtrat 1988 die Gesamtsanierung des damaligen Städtischen Krankenhauses ,am alten Standort mitten in der Stadt’. Aus war der viel diskutierte Traum vom ,Klinikum im Wald’ bei der Universität.“
Nach etlichen Sanierungen und eher kleineren Neubauten folgte die „Gesamtsanierung 1991“, bei der im Vorfeld ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben wurde. Arbeitsbeginn an den ersten Neubauten in Richtung Pfaffplatz war 1994. Seitdem werden nach und nach die Gebäude des – seit 1996 – Westpfalz-Klinikums saniert.
Der letzte große Neubau war übrigens ein Hybrid-OP an der Albert-Schweitzer-Straße, der auf ein bestehendes Gebäude „aufgesetzt wurde“. Aktuell läuft die Sanierung des Hauses 8, direkt hinter der Pforte.
Info
Die ganze Geschichte des Westpfalz-Klinikums Kaiserslautern, samt Vorstellung der einzelnen Kliniken, lässt sich in der Chronik nachlesen. „Die Zeit eilt – die Zeit heilt“ lässt sich online bestellen. Das Formular ist nach einer Google-Suche „Westpfalz-Klinikum Chronik“ direkt zu finden.