Kaiserslautern / Baumholder
Vom Bankwesen zum Psychothriller: die Autorin Lisa „Liz“ Malkomes
Die 36-Jährige, die unter dem Autorennamen Liz Malkomes schreibt, arbeitet heute zwar als Assistentin im Finanzwesen. Doch ihre eigentliche Leidenschaft gehört dem Schreiben. „Ich will meiner Leidenschaft folgen“, sagt sie. Dass sie diesen Schritt irgendwann gehen würde, war ihr eigentlich schon früh bewusst. „Die Autorin in mir war schon immer da, ich habe ihr nur nichts zugetraut.“
Dabei begann alles bereits in ihrer Schulzeit. Während andere möglichst kurze Aufsätze schrieben, verfasste sie seitenlange Geschichten und erfand mit Begeisterung eigene Welten. Mit 14 Jahren begann sie ihr erstes Buchprojekt. Vier Jahre später war das Manuskript fertig. „Da war die Qualität natürlich noch sehr fragwürdig“, gesteht die 36-Jährige heute mit einem leisen Hüsteln und Schmunzeln.
Vom Fantasygenre hin zum Thriller
Nach dem Abitur entschied sie sich zunächst für einen anderen Weg. An der Universität des Saarlandes absolvierte sie ein Bachelor- und Masterstudium in Sprachwissenschaften und Übersetzen. Anschließend folgte eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Das Schreiben blieb jedoch stets ein Begleiter im Hintergrund.
In ihren frühen Jahren als Autorin zog es sie zunächst ins Fantasy-Genre, beziehungsweise zu Geschichten mit magischen Elementen. „Wenn man noch jung ist, fällt es einem manchmal leichter, eine Welt zu erfinden, als über die reale Welt zu schreiben, in der man sich aber noch gar nicht so wirklich auskennt“, erklärt sie.
Ihre „absolute Heldin“
Mit der Zeit veränderte sich jedoch ihr Geschmack. Statt Fantasiewelten begeisterten sie zunehmend Spannungsromane. Besonders eine Autorin hat es ihr angetan: Charlotte Link. „Meine absolute Heldin“, sagt Malkomes. Auch Sebastian Fitzek beeindruckt sie – wenn auch aus anderen Gründen. „Er schreibt nicht unbedingt die Art von Büchern, die ich persönlich gerne lese – das ist mir dann doch zu brutal und düster. Aber ich habe letztens einen Podcast mit ihm gehört und dachte: Was für ein toller, intelligenter und vielschichtiger Mensch! Und so ist er zu einer Art Idol für mich geworden.“
Mit dem Wandel ihres Lesegeschmacks veränderten sich auch ihre Erwartungen an Geschichten. Eine an sich beobachtete Ungeduld spielte dabei eine entscheidende Rolle. „Viele Bücher wurden mir dann doch stellenweise zu langatmig. Obwohl ich nicht mit schnelllebigen Medien wie Instagram und TikTok aufgewachsen bin, wollte ich trotzdem schneller unterhalten werden von einem Buch. Ich wollte Geschichten mit mehr Tempo lesen.“
Eine entscheidende Begegnung
Eine entscheidende Rolle spielte schließlich die digitale Publishing-Plattform „Story.one“, die oft als „TikTok für Bücher“ bezeichnet wird. Dort werden Geschichten in kurze, leicht konsumierbare Kapitel unterteilt und veröffentlicht. Genau dieser Ansatz traf ihren Nerv.
Sie trat auch einer Autorengruppe bei, wo sie ihrer späteren Vertrauenslektorin Fritzi van Ribbeck, die ebenfalls aus Kaiserslautern stammt, begegnete. Der Austausch mit anderen Schreibenden half ihr, eigene Vorlieben als Autorin zu entdecken. Zum Beispiel das Faible für unerwartete Wendungen und Geschichten, die tief in die menschliche Psyche eintauchen. „Ich stürze mich gerne hinein in die Charaktere – wie sie reden, wie sie sich verhalten, wie sie sich entwickeln. Da vergesse ich manchmal völlig das Drumherum. Die Landschaft zum Beispiel“, so die Jungautorin. Gemeinsam mit ihrer Lektorin fand sie schließlich die Balance zwischen Charakterzeichnung und Weltenkonstruktion.
Ein Geheimnis aus der Vergangenheit
Aus dieser Entwicklung entstand schließlich ihr erstes Verlagsbuch: der Young-Adult-Psychothriller „Ich kriege dich! Denn die Vergangenheit ruht nicht.“ Im Mittelpunkt stehen fünf ehemalige Freunde, die während ihrer Schulzeit unzertrennlich waren, doch nach der gemeinsamen Abiturfeier plötzlich und auf mysteriöse Weise den Kontakt abbrachen. Erst Jahre später bringt eine Einladung zu einem Ehemaligentreffen die Gruppe wieder zusammen. Schon beim Lesen der Einladung macht sich bei allen ein ungutes Gefühl breit. Denn kurz vor dem Abitur ist etwas geschehen, das die fünf Freunde über Jahre hinweg verdrängt haben. Nun holt die Vergangenheit sie ein – und das Wiedersehen entwickelt sich zu etwas völlig anderem als erwartet.
Mit dem Schreiben des Romans hat Malkomes 2024 begonnen. Vor Kurzem nun, am 21. Mai, erschien das fertige Werk unter ihrem Autorennamen Liz Malkomes schließlich auf dem Buchmarkt. Der Weg bis dorthin sei von Disziplin geprägt gewesen. „Ich habe mich oft schon früh morgens vor der Arbeit an den Laptop gesetzt und geschrieben“, erzählt sie. Unterstützung fand sie in einem Schreibcoaching, bei dem sich Autorinnen und Autoren täglich bereits um 5 Uhr morgens online trafen. „Dadurch hatte man eine gewisse Verpflichtung und kam in einen Schreibfluss, dank dem ich auch mal kleinere Blockaden überwinden konnte.“
Selbstkritisch gegenüber ihren früheren Texten
Das Problem sei also nicht das Schreiben gewesen, „das ging mir vergleichsweise locker von der Hand.“ Die größere Herausforderung habe darin bestanden, „einen geeigneten Verlag zu finden“. Dass ihr das gelungen ist, erfüllt sie mit Stolz. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn ein Verlag sagt, dass das eigene Buch gut genug für eine Veröffentlichung ist. Da geht man als Autorin mit viel mehr Selbstbewusstsein an die Lesungen und auch an das Schreiben eines weiteren Buches.“ Wobei es bei ihrem Verlag üblich ist, dass sich Neuautoren etwa an Druckkosten beteiligen.
Ganz neu im Literaturbetrieb ist Malkomes, die nun in Baumholder lebt, im Übrigen nicht. Sie hat bereits sechs Bücher im Self-Publishing herausgebracht. Zwei davon nahm sie inzwischen wieder vom Markt, „weil sie meinen eigenen Qualitätsstandards nicht mehr entsprochen haben“, erzählt sie offen. Bereut habe sie die Veröffentlichungen jedoch nicht. „Das zeigt mir, wie sehr ich gewachsen bin.“
Bald eine ganze Reihe?
Auch für die Zukunft hat sie ehrgeizige Ziele. „Ich würde schon gerne damit erfolgreich werden“, sagt sie unverblümt. „Ich möchte irgendwann dieses ,Bestseller’-Label erreichen. Und ich hätte gerne, dass meine Bücher verfilmt werden. Denn das stelle ich mir auch sehr spannend vor, die eigene Geschichte, die eigene Welt, auf der Leinwand zu sehen. Und natürlich ist der Traum, irgendwann vom Schreiben leben zu können und Menschen zu inspirieren.“
Derzeit schwebt ihr eine ganze Buchserie vor. „Denn wenn man bereits mit dem ersten Buch die Leser packt, hat man direkt eine Leserschaft für die Folgebücher. Zudem möchte ich eine Welt erschaffen, in der ich mich lange wohl fühle und immer wieder dorthin zurückkehren, um Geschichten zu entwickeln.“
Lesung am 13. Juni in Baumholder
Dabei möchte sie ihrer eigenen Philosophie treu bleiben. Trends oder Marktanalysen spielen für sie keine große Rolle: „Ich gehe stark nach meinen Gefühlen und schreibe auch nach Bauchgefühl. Deshalb analysiere ich den Markt nicht dahingehend, was gerade populär ist, sondern schreibe das, was ich fühle und hoffe damit, die Gefühle meiner Leser anzuregen.“
Für Lisa Malkomes ist das Schreiben längst mehr als ein Hobby. Es ist die Erfüllung eines Traums, der schon in der Schulzeit begann – und dessen spannendstes Kapitel möglicherweise gerade erst geschrieben wird.
Lesezeichen
Liz Malkomes: „Ich kriege dich! – Denn die Vergangenheit ruht nicht …“; Novum Verlag; 120 Seiten; 18,90 Euro. ISBN: 978-3-7116-1674-6
Termin
Lisa Malkomes liest am 13. Juni ab 19 Uhr im Kulturzentrum Goldener Engel in Baumholder aus ihrem Roman. Musikalischer Gast ist Rebecca Gomes am Piano. Tickets gibt es bei direkt hier bei Ticket Regional.