Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Volkshochschule setzt ersten Roboter ein

An der VHS ist neuerdings ein Roboter unterwegs, der Fragen von Kursteilnehmern beantwortet und über den Dozenten Unterricht hal
An der VHS ist neuerdings ein Roboter unterwegs, der Fragen von Kursteilnehmern beantwortet und über den Dozenten Unterricht halten können, wie Michael Staudt, der Leiter der VHS erklärt.

Seit einigen Tagen ist an der Volkshochschule Kaiserslautern (VHS) ein Roboter unterwegs. Er ist ein Teil der Digitalisierungsstrategie der VHS und zeigt, welche neue Ansätze in der Erwachsenenbildung möglich sind.

Sein Name ist Robby und er ist unermüdlich im Einsatz: Er bewegt sich auf den Fluren und in den Klassenräumen der VHS mühelos hin und her. „Wir haben ihn nach der Kinder-Fernsehserie Robby, Tobby und das Fliewatüüt benannt“, erzählt Michael Staudt, der Direktor der VHS. Robby ist ein Telepräsenz-Roboter der Generation Double 3. Er fährt selbstständig und kann dabei Hindernissen ausweichen.

Zwar sei Robby noch vor der Corona-Pandemie bestellt worden, erweise sich in der momentanen Situation jedoch als Segen, berichtet Staudt. Gesteuert werde Robby von einem Dozenten – theoretisch sei das von jedem Ort dieser Welt aus möglich. Auf seinem Monitor zeigt Robby das Bild desjenigen, der ihn bedient. Über Robby können Menschen miteinander sprechen, sich sehen und sich hören.

Ein Roboter als Fernarbeiter

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Robby werde derzeit dazu verwendet, um die Teilnehmer anzusprechen und ihnen Hilfe anzubieten, etwa bei der Suche nach einem Kursraum, sagt Staudt. Oder Robby erinnere die Besucher an das Tragen ihrer Maske. Künftig könne Robby als „Fernarbeiter“ eingesetzt werden, wenn Dozenten nicht selbst in der VHS anwesend sein können, weil sie beispielsweise zur Corona-Risikogruppe gehören.

Bis es so weit ist, müsse Robby allerdings noch einige Testläufe hinter sich bringen. Ist er fertig eingerichtet, läuft der Unterricht so ab, als ob der Dozent im Raum wäre: Die Teilnehmer sehen auf Robbys großem Display ihren Dozenten. Dieser könne mit Hilfe von Robby durch den Raum fahren und müsse dabei keine Abstandsregeln beachten, er könne Höhe und Winkel ändern und seine Kamera bilde die Übungsblätter der Teilnehmer gestochen scharf ab.

Derzeit werde Robby von Michael Latterner auf seine Aufgaben vorbereitet, berichtet Staudt. Latterner ist der neue Fachmann der VHS für die Digitalisierung und die Erweiterten Lernwelten in der Erwachsenenbildung. Sein Arbeitsbeginn war am 1. April – und damit mitten in der Corona-Krise. „Das war eine göttliche Fügung“, sagt Staudt.

Bereits vor Corona habe die VHS ihr Angebot an Online-Kursen vollkommen neu aufgestellt, um Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht selbst in die VHS kommen können, die Möglichkeit zu geben, an Kursen teilzunehmen. Die Vorteile, die Online-Lernen ermögliche, seien in den vergangenen Wochen deutlich sichtbar geworden. Künftig werde es darum gehen, die gewohnten Formate sinnvoll zu ergänzen.

Auflagen sind schwer zu erfüllen

Die VHS hat seit rund zwei Wochen geöffnet, die Leute kämen jedoch erst ganz langsam ins Haus, berichtet Staudt. Die Deutschkurse würden derzeit nicht stattfinden, da sie so viele Teilnehmer hätten. Maximal dürfen nur 15 Menschen in einem Raum sein, hin zu kommen die Abstandsregelungen. Um diese einzuhalten, könnten manche Räume nur mit sechs bis zwölf Personen belegt werden. „Die Auflagen sind schwer zu erfüllen“, sagt Staudt. Die VHS arbeite daher an Online-Lösungen. Ein Videokonferenzsystem existiere bereits, auch eine Cloud-Lösung für die VHS gebe es. Derzeit liefen rund 100 VHS-Kurse online. Einige Kurse haben durch die Erfahrung der Corona-Zeit beschlossen, den Unterricht online weiterlaufen zu lassen. Probleme gebe es hin und wieder bei der Technik, wenn Kursteilnehmer zu Hause schlechten Internetempfang hätten.

Doch auch die VHS bräuchte ein schnelleres Internet: Ein Anschluss an das Glasfaserkabel und ein besseres W-Lan seien absolut notwendig, betont Staudt. Wann die VHS ans Glasfasernetz der Stadt angeschlossen werden könne, sei unklar. Das Jahr 2023 stehe im Raum – was viel zu spät sei, kritisiert Staudt. So etwas müsse direkt passieren. Zumal es in diesem Fall nicht an den Kosten liege – die 20.000 Euro für die Maßnahme könne die VHS selbst zahlen. Staudt hofft nun auf eine Lösung im Einvernehmen mit der Stadt. „Die Zukunftsfähigkeit der VHS hängt davon ab“, ist er überzeugt.

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