Kaiserslautern Viele Worte für Wein
Schöner Schmelz. Feine Frucht. Abgepufferte Säure. Für den Geschmack eines guten Tropfens gehen einem Weinkenner niemals die Worte aus. Das ist auch bei Heribert Braun nicht anders. Er hat seine Passion zur Profession gemacht.
Seine Liebe zum Rebensaft begann bereits in der Kindheit, da allerdings nicht in konsumierender Form, sondern beim Helfen auf dem elterlichen Nebenerwerbsweingut in der Vorderpfalz. „Meine Geschwister und ich haben die Holzfässer geputzt, sind hier und dort zur Hand gegangen“, erzählt Heribert Braun. „Leider ist mein Vater früh verstorben. Ich war gerade 14, hatte aber in der Familie das größte Interesse an unserem Weingut. Also habe ich beschlossen, es weiterzuführen.“ Da es zum alleinigen Broterwerb jedoch zu klein war und es für ihn nicht in Frage kam, bei einem fremden Winzer zu arbeiten, hat er Landmaschinenschlosser gelernt und seinen Meister gemacht. Dem Weinvertrieb widmete er sich am Wochenende, bis er sich ihm vor zehn Jahren hauptberuflich verschrieb. Als freier Weinhändler war er viel unterwegs, organisierte Messen und Events. Die Sehnsucht nach mehr Regelmäßigkeit, einem festen Standort und direktem Kundenkontakt ließ den Entschluss reifen, sich mit einem Geschäft selbstständig zu machen. 2012 war es so weit. Die „WeinSpähre“ in der Pirmasenser Straße lud zur Eröffnung ein. In den Regalen reihen sich Wein, Sekt und Spirituosen – alles erlesene Tropfen, zumeist aus Deutschland, die Heribert Braun getestet und für gut befunden hat. Auf gezielten Reisen schmeckt er sich durch deutsche, italienische und französische Anbaugebiete. Messen werden zu einer Entdeckungsreise durch die Weinkeller dieser Welt. „Nach einem solchen Wochenende hat man bis zu 1000 Weine probiert“, sagt der 56-Jährige. Verliert man da nicht den Überblick? „Nein“, meint Braun amüsiert, „ich überlege mir für alle, die in der engeren Wahl sind, jeweils eine Geschichte. Die kann völlig verrückt sein und muss gar nichts mit Wein zu tun haben. Aber mit dieser Methode kann ich jeden Wein abspeichern und wieder abrufen.“ Nicht zu vergessen: Zehn dicke Ringbücher sind voll von Verkostungsnotizen, die Geschmack, Charakter und Besonderheiten der Weine festhalten. Diese „Heilige Schrift“, wie Braun sie nennt, hütet er wie seinen Augapfel. Seine Passion lässt ihn nie mit dem Erreichten zufrieden sein, sie treibt ihn auf immer neue Erkundungstouren. „Allerdings kaufe ich nur dort, wo mir die Umgebung und die Menschen gefallen. Die Chemie muss einfach stimmen.“ Nicht zuletzt muss der Tropfen auch die Verkostung in der heimischen Umgebung der „WeinSpähre“ erfolgreich bestehen. „Weil hier stets die gleichen Voraussetzungen herrschen. Das ist wichtig, um unabhängig von anderen Faktoren beurteilen zu können.“ Denn Geschmack und Emotionen seien eng miteinander verknüpft. So könne ein Wein, den man im Urlaub ganz wunderbar gefunden habe, zu Hause enttäuschen. „Weil die Stimmung eine andere ist, Licht und Luft sich unterscheiden“, erklärt Braun. In seinem Geschäft setzt er auf ein offenes Konzept. „Es ist zwar schön, wenn Kunden nicht mit einer leeren Tasche wieder gehen. Trotzdem können sie auch einfach mal so hereinschauen, einfach nur auf einen kleinen Plausch. Mir liegt viel daran, mit den Leuten zu kommunizieren.“ Dazu bietet sich auch Gelegenheit bei den diversen Events, die der Weinexperte passend zur Saison oder mit aktuellem Bezug ausrichtet. „So wie der Champagner-Galopp, der immer am ersten Januar stattfindet, um das neue Jahr einzuläuten.“ Um Ideen nicht verlegen, hat er bereits das nächste Projekt in Angriff genommen. Das soll das Angebot demnächst um einen selbst kreierten Kaffee erweitern. Dann können die Kunden nicht nur einen Schluck Wein probieren sondern auch ein Tässchen Frischgebrühten genießen. Die Serie „Der rote Faden“ spannt sich als Verbindung von Menschen, die einander schätzen, durch die Stadt. Heribert Braun gibt ihn weiter an Oliver Konrad.