Boxen
Viele spannende Kämpfe bei der Ramsteiner Boxgala – Zwei Brüder werden zu „Rivalen“
Es fehlte nichts bei dieser Gala des Amateurboxens. Zu den Klängen der Rocky-Filmmusik zogen die Faustkämpfer in die Halle ein und nahmen im Ring Aufstellung. Als dann die Nationalhymne ertönte und eine Deutschlandfahne im Ring geschwungen wurde, erhoben sich alle von ihren Plätzen. Der zeremonielle Teil endete mit einer Begrüßungsansprache des Schirmherrn der Veranstaltung, des Bürgermeisters Ralf Hechler. Danach ging es dann Schlag auf Schlag im Ring zur Sache.
Für einen ersten frühen Höhepunkt sorgte bereits der zweite Kampf des Abends, in dem sich der FCK-Boxer Lukas Schäfer und Patrick Schimpf vom BC Olympia Ramstein gegenüberstanden. Klar, dass der Großteil der Zuschauer auf der Seite des Lokalmatadors stand und diesen kräftig anfeuerte. Und der Weltergewichtler legte gleich nach dem ersten Gongschlag furios los und gewann die erste Runde. Dabei profitierte er auch von den Haarproblemen seines Kontrahenten. Mehrfach löste sich nämlich das Haargummi, das Schäfers lange Mähne zusammenhalten sollte, wodurch er in seiner Sicht behindert wurde. Sein Gegner hatte hingegen mit einer Cutfrisur klar den besseren Haarschnitt gewählt.
„Heute Abend Rivalen“
Mit zunehmender Kampfdauer bekam der Rechtsausleger aber seine Haarpracht und auch seinen Gegner unter Kontrolle. Vor allem in der dritten und letzten Runde bestimmte der Lauterer das Geschehen im Ring und traf kurz vor Ende des Kampfes Schimpf mit einem linken Seitwärtshaken derart hart, dass dieser angezählt wurde. Als dann wenig später das Urteil „einstimmiger Punktsieger der Boxer in der blauen Ecke, Patrick Schimpf“ verkündet wurde, gab es verständlicherweise Pfiffe in der Halle. „Das war nicht richtig“, kommentierte später Schäfers Sekundant Wolfgang Gies das Urteil.
Für den langjährigen Trainer der Boxabteilung des 1. FC Kaiserslautern stand diese Gala unter einem besonderen Zeichen, dem eines Bruderkampfes. In der blauen Ecke sekundierte sein Bruder Reiner Gies, der Bronzemedaillengewinner der Olympiade von Seoul im Jahr 1988. Letzterer hatte die Boxabteilung des FV Olympia Ramstein und auch die Gala ins Leben gerufen. Hatten die beiden Gies-Brüder in jüngeren Jahren oft direkt in Sparringskämpfen die Fäuste sprechen lassen, so lieferten sie sich am Samstag ein indirektes Duell als Sekundanten ihrer Boxer. Reiner Gies war dann auch gar nicht mit der Einschätzung seines Bruders einverstanden und stellte kurz nach dem Kampf in einem brüderlichen Wortgefecht klar: „Patrick Schimpf hat die ersten beiden Runden und damit auch den Kampf zu Recht gewonnen.“ Das wiederum konterte Bruder Wolfgang mit der Bemerkung: „Wir sind heute Abend Rivalen.“
„Sechste Runde“ angepeilt
Keine Meinungsverschiedenheiten gab es dann aber zwischen den Brüdern nach dem 16. Kampf, den auch zwei ihrer Schützlinge bestritten: die beiden Superschwergewichtler Richard Blattner (1. FCK) und Sergej Renner (BC Olympia Ramstein). Überraschenderweise war es der bereits 37 Jahre alte Renner, der seinem Namen alle Ehre machte, seinen 14 Jahre jüngeren Widersacher vor sich hertrieb und den Schlagabtausch suchte. So gab es am Ende keine Diskussionen, als der Boxoldie zum Punktsieger erklärt wurde. „Mein Boxer hat zu wenig gemacht“, akzeptierte Wolfgang Gies das Urteil der Punktrichter.
Sein Bruder Reiner war an diesem Abend der klare Punktsieger. Siebenmal stiegen Kämpfer von ihm den Ring, und sechsmal (ein Kampf wurde nicht gewertet) verließen sie ihn als Sieger. Dabei riss sein Schützling, der Mittelgewichtler Alexander Lachow, im Kampf gegen Christian Seibert (BC Worms) das Publikum von den Sitzen. „Die Unterstützung der Zuschauer war für mich sehr wichtig“, sagte der 24-Jährige nach seinem Punktsieg freudestrahlend und ließ sich von seinen Anhängern feiern. Grund zur Freude hatte auch Reiner Gies nach dieser tollen fünften Boxgala, die im nächsten Jahr in die „sechste Runde“ gehen soll.