RHEINPFALZ-Report: Infrastruktur RHEINPFALZ Plus Artikel Viele Bausteine für die Verkehrswende

Auf dem Betriebsgelände der SWK finden derzeit 66 Busse Platz, mit Hybridantrieb. Geplant sind 16 E-Busse – wenn das Geld vom Bu
Auf dem Betriebsgelände der SWK finden derzeit 66 Busse Platz, mit Hybridantrieb. Geplant sind 16 E-Busse – wenn das Geld vom Bund fließt.

Auch wenn Kaiserslautern immer noch das Image einer Autostadt hat, wird der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) immer wichtiger. Neben Bus und Bahn gehören vermehrt auch weitere Bausteine wie Leih-Scooter und -Fahrräder dazu, die eine flexiblere Mobilität auch ohne Auto ermöglichen und somit letztlich die Verkehrswende vorantreiben sollen.

Für die große Wende hat es nicht gereicht, aber das im Mai eingeführte Deutschlandticket hat nicht nur der Bahn, sondern auch dem Lauterer Busverkehr mehr Fahrgäste beschert. „Die Zahlen gingen damit nach oben, vor allem das Job-Ticket als bundesweit gültige Deutschlandticket-Variante ist sehr beliebt“, resümiert Boris Flesch, Leiter der SWK Verkehrsbetriebe. Allerdings müsse eingerechnet werden, dass es „durch Corona einen Knick gegeben hat“, der Vergleich zwischen 2019 und 2023 stehe noch aus.

Die größte Herausforderung ist bei den Stadtwerken Kaiserslautern (SWK) wie bei allen Verkehrsbetrieben der Personalmangel. Doch immerhin ist der Krankenstand nicht mehr so hoch wie noch vor einigen Wochen, so dass das Personalproblem „zwar noch akut ist, sich aber etwas entspannt hat“.

Um auch bei kurzfristigen Ausfällen den Fahrplan stabil zu halten, wurde jedoch eine der bislang 16 Linien im November bis auf Weiteres eingestellt: „Die 116 fährt ohnehin nur an Vorlesungstagen“, sagt Flesch zu der gestrichenen Linie. Die Alternative ist die 115, die auf etwas anderer Route jede Viertelstunde zur Uni fährt. Da morgens das höchste Fahrgastaufkommen herrscht, setzen die SWK zudem Verstärkerbusse ein, das heißt, dass ab Hauptbahnhof zusätzliche Busse der Linie 115 kurz hintereinander fahren.

Herausforderung Baustelle

Eine weitere große Herausforderung für die SWK Verkehrsbetriebe werden die noch rund ein Jahr andauernden Bauarbeiten an der Stadtmitte sein. Die Auswirkungen seien nicht ganz abzusehen, „wenn demnächst die Burgstraße gesperrt und auch das Umfahren des Fackelbrunnens, also das Wenden, nicht möglich sein wird“, sagt Flesch. „Wir sind im Austausch mit der Stadt.“

Ein drittes Problem ist finanzieller Art: „Für emissionsfreie Fahrzeuge“, also E-Busse, „sind 60 Milliarden Euro vom Bund versprochen. Nach dem dritten Förderantrag sind wir nun für 16 Solobusse in der engeren Auswahl. Doch welche Auswirkungen der Bundeshaushalt darauf hat, ist noch unklar.“ Über drei Millionen Euro Förderung würde dies für die Jahre 2024, ’25 und ’26 bedeuten, sagt Flesch. „Jetzt ist die Frage, ob das Geld kommt, wenn ja, wann oder ob nur ein Teil gewährt wird.“

Die VRN-Nextbikes sind schon immer nur an festen Stationen auszuleihen.
Die VRN-Nextbikes sind schon immer nur an festen Stationen auszuleihen.

Wirtschaftlich gehe es den SWK Verkehrsbetrieben wie anderen, „wir haben branchentypisch ein leichtes Defizit“. Die Verluste werden laut Flesch innerhalb der SWK-Holding, also durch Gewinne der SWK-Versorgungs AG, ausgeglichen.

Ist der Lauterer Busverkehr nicht attraktiv genug, wird eine Verkehrswende schwierig. „Bis Anfang 2024 läuft noch eine Verkehrserhebung innerhalb des VRN“, berichtet Flesch vom Verkehrsverbund Rhein-Neckar, in dem die SWK ein Mitgliedsbetrieb ist. In der Erhebung werden beispielsweise Zweck und Ziel der Fahrt abgefragt. Ein Ergebnis daraus könnte laut Flesch beispielsweise eine neue Aufteilung der Linien sein.

Für mehr Attraktivität des ÖPNV hat laut Flesch definitiv das Deutschlandticket gesorgt. Für Lauterer Studierende, deren Studiausweis als Fahrkarte gilt – aber nur im VRN-Gebiet und Teil des Saarlands – wird es eine Verbesserung geben, kündigt Flesch an: „Ab dem Sommersemester 2024 können sie für 29,40 Euro ein Upgrade aufs Deutschlandticket erwerben“, laute eine Bundesvereinbarung.

Chipkarten auch für Schüler

Zudem werde das Busfahren digitaler. „Die meisten Fahrgäste haben eine Chipkarte, die anderen ein Handyticket oder noch die alten Plastikkarten mit Foto und Barcode“, zählt Flesch auf. Alle SWK-Busse sind seit Anfang Dezember mit Lesegeräten ausgestattet, die die Busfahrer stichprobenartig zum Einlesen aller Varianten nutzen können. „Schüler bekommen jetzt auch Chipkarten“, so dass Änderungen der Nutzerdaten leichter werden.

Mit herumliegenden Leih-Scootern soll Schluss sein, so wie hier am Hauptbahnhof soll es feste Ausleihstationen geben.
Mit herumliegenden Leih-Scootern soll Schluss sein, so wie hier am Hauptbahnhof soll es feste Ausleihstationen geben.

Auf politischer Ebene werden immer wieder Forderungen einer bundesweiten „ÖPNV-Flatrate“ laut, entweder rein steuerfinanziert oder für einen geringen Jahresbeitrag. „Es gibt Push- und Pull-Faktoren“ für eine Verkehrswende, kommentiert Flesch: So könne einerseits das Autofahren und Parken erschwert und teurer gemacht werden oder andererseits durch die Straßen-Infrastruktur das Bus- oder Radfahren schneller und damit attraktiver. Doch wie dies finanziert werden soll, kann sich Flesch nicht so recht vorstellen. Die Frage ist zudem, in welcher Reihenfolge vorgegangen werden soll: zuerst durch günstige Angebote wie dem Deutschlandticket die Menschen zum ÖPNV locken oder erstmal die Infrastruktur ausbauen, um attraktiver zu werden. „Die Verkehrswende kann nur schrittweise geschehen“, wechselseitig durch beide Maßnahme, ist Flesch überzeugt.

Mikromobilität auf zwei Rädern

In Leih-Scootern, wie den Rollern der Berliner Firma Tier, mit denen der VRN kooperiert, und den Leih-Rädern VRN-Nextbike, sieht Flesch eine sinnvolle Ergänzung zum ÖPNV. „Wenn ein Scooter statt Bus genutzt wird, und eventuell sogar das Auto wegfällt, ist das gut“, befindet er. Tier hat mit den Städten Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen und Kaiserslautern eine Vereinbarung als Sharing-Dienstleister abgeschlossen, um damit „als Teil der Mikro- und Nahmobilität“ im VRN-Gebiet zu dienen. Die Tier-Roller mit 23 Kilo Gewicht dürfen nicht in Bus und Bahn transportiert werden. Private E-Roller, die unter 15 Kilogramm wiegen, kürzer als 115 Zentimeter sind und eine Radgröße von maximal neun Zoll haben, gelten in zusammengeklappten Zustand dagegen als Handgepäck und können unentgeltlich mitgenommen werden.

Gute Verbindung: Mit dem ICE kommt man von Kaiserslautern in zweieinhalb Stunden nach Paris.
Gute Verbindung: Mit dem ICE kommt man von Kaiserslautern in zweieinhalb Stunden nach Paris.

Ebenso sieht Flesch in den Car-Sharing-Angeboten des VRN mit „Stadtmobil“ und der SWK mit „Emil“ einen sinnvollen Baustein im Mobilitätspaket und Beitrag für den Umweltschutz.

In Zukunft könne autonomes Fahren auch dem ÖPNV und damit Umweltschutz dienlich sein, glaubt der SWK-Leiter. „Die Straßenverkehrszulassung wird sich sukzessive ausweiten“, ist er überzeugt. Und so könnten autonome Fahrzeuge anfangs als Zubringer in Randbereichen dienen, an den Enden der Buslinien, „später eventuell im Abend- und Nachtverkehr“.

In einigen Städten seien schon Routing-Systeme im Einsatz, dass also Kleinbusse per App oder Telefon eingehende Fahrwünsche erfüllen. In weniger ausgefeilter Form gibt es dies schon länger als Ruftaxi auf bestimmten Linien, in der Stadt derzeit zum Gersweilerhof und im Nachtbusverkehr, erläutert Flesch.

Außerhalb der Stadt sind Ruftaxis wegen der längeren Strecken und geringen Dichte der Taktung ein fester Bestandteil des Busverkehrs. Im Landkreis agiert DB Regio Bus Mitte, eine Tochter der DB Regio; in dünn besiedelten Gegenden, besonders am Abend, sind Ruftaxis schon lange eine gute Alternative, wo ein regulärer Linienverkehr sich nicht lohnt.

Der erste Zug am Bahnhaltepunkt Hohenecken wurde im Juni 2017 freudig begrüßt.
Der erste Zug am Bahnhaltepunkt Hohenecken wurde im Juni 2017 freudig begrüßt.

Hauptnetz der DB ist natürlich die Schiene. Neben dem Hauptbahnhof Kaiserslautern, einem ICE-Halt, werden von der S-Bahn Rhein-Neckar auf Ost-West-Strecke die Haltepunkte Kennelgarten, Vogelweh und Einsiedlerhof auf Stadtgebiet bedient. Richtung Pirmasens liegen die Haltestellen Galgenschanze und Hohenecken, Richtung Lauterecken-Grumbach die Halte Pfaffwerk, KL-West und Lampertsmühle-Otterbach.

Sanierungsstau bei der Bahn

Das Image der Deutschen Bahn ist, trotz Deutschlandticket, jedoch seit Jahren im Abwärtstrend: zu viel Verspätung, zu viele Ausfälle, zu wenig Komfort. Neben dem allgemeinen Personalmangel muss sie einen „massiven Sanierungsstau“, so die DB selbst, beheben, zur „Stabilisierung der störanfälligen Infrastruktur“. Das führt zu vielen Baustellen und damit weiteren Verspätungen. Das zu Jahresbeginn ausgegebene Pünktlichkeitsziel von 60 Prozent im ICE- und IC-Verkehr hat die Bahn mit 52 Prozent im November 2023 deutlich unterschritten; damit lag sie nochmal neun Prozentpunkte unter dem Wert von November 2022. Als pünktlich gilt ein Zug mit weniger als sechs Minuten Verspätung, ausgefallene Züge werden in der Bahn-Statistik nicht berücksichtigt, ebenso wenig verpasste Anschlüsse. Im Nahverkehr der Tochter DB Regio ist die Quote mit 85,5 Prozent Pünktlichkeit immerhin deutlich besser.

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