Kaiserslautern Viel Licht und starker Schatten

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„Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.“ Goethe hat seinem Götz von Berlichingen in den Mund gelegt, was die Menschen seit jeher wissen und doch immer wieder so geflissentlich zu vergessen suchen. Diese Sucht nach makellosen Helden und wohin sie führt, thematisiert die Ausstellung „Lichtgestalten, Heldenbilder, Bombenschutt“ in der Zwölf-Apostel-Kirche Frankenthal anlässlich des rheinland-pfälzischen Kultursommermottos „Helden und Legenden“. Eine begleitende Veranstaltungsreihe läuft bis 10. Juli.

Konzipiert wurde die Ausstellung von dem Frankenthaler Maler Harald-Alexander Klimek und dem Speyerer Kunsthistoriker Walter Stephan Laux. Im Mittelpunkt stehen denn auch – angeordnet hinter dem Altar der Kirche, die Form eines klassischen Triptychons zitierend – Arbeiten Klimeks. In dessen Zentrum eine „Mutter mit Kind“, die er mit dem Kreuz im Rücken auf dem Leidensweg zeigt. Trotz einer Hand mit dem Wundmal am unteren linken Bildrand meint der Künstler nicht die Mutter Maria, die als Altarbild in einer protestantischen Kirche auch unpassend wäre. Er meint sie stellvertretend für alle Frauen, wie er selbst sagt. Das Vanitasbild zu ihrer Linken mit dem eingeschlagenen Schädel zeigt denn auch deutlich die Ursache ihrer Leiden. Auch zu ihrer Rechten zeigt Klimek auf dem Bild „Europa“ einen Schädel. Mit der für den Maler typischen surrealistisch anmutenden Symbolik verweist er auf den größeren Zusammenhang des Sterbens: auf der einen Seite Lohengrins Schwan oder die Kaiserkrone als kulturelle Schätze des Abendlandes und auf der anderen Seite der Turm mit dem Halbmond. Die Predella, die eigentlich an den Fuß eines Triptychons gehört, ist darüber angeordnet und überstrahlt nun den Kreislauf von Geburt, Leben, Streiten und Sterben mit einer Vision von Elysium namens „Wolkenlos“ mit strahlend blauem Himmel und reich gedeckter Tafel. Später soll die Zusammenstellung noch sein Bild „Drummer Boys“ mit trommelnden Knaben in Uniform und seine Darstellung des heiligen Georg ergänzen. Wie für diese Kirche geschaffen wirken die beiden zwei Meter hohen Heiligenbilder des russischstämmigen Malers Nikolai Makarov, der in Berlin lebt. Ihr ikonenhafter Hintergrund greift den goldenen Ton der Schrift auf, die den runden Innenraum der klassizistischen Kirche umläuft. Sie zeigen die Erzengel Michael und Gabriel und verweisen mit ihrer auf die Spitze getriebenen Sfumatotechnik auf die Unmöglichkeit, Heldentum zu fassen. Leonardo da Vinci hat diese Technik der verschwommenen Konturen erfunden – die berühmtesten Werke dürften seine „Mona Lisa“ und „Johannes der Täufer“ sein. Makarovs Gestalten sind kaum noch erkennbar, alle Details verschwimmen . So wirken sie wie ein Gegenentwurf zu Klimeks akribisch kleinteiliger Malerei. Weitere Bilder des Russen in kleinerem Format, die den heiligen Georg zeigen und die der 1952 in Moskau geborene Künstler auch als Kommentar auf die aktuelle politischen Situation in Russland sieht, sind im Vorraum der Zwölf-Apostel-Kirche zu sehen. Im Foyer hängen 16 kleine Tuschearbeiten von dem in Erfurt geborenen Maler und Schriftsteller Jürgen K. Hultenreich. 2013 erhielt er die Kester-Haeusler-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung für seinen Roman „Schillergruft“, in der er seine Erfahrungen mit der DDR-Diktatur verarbeitet. Die Tuschen zeigen seine persönlichen Helden. Die Köpfe wirken wie von der Zeit zerzaust – vor allem der von Reichseiner Heinrich I.. Martin Luther ist darunter, den Hultenreich als „Helden wider Willen“ sieht, dazu Franz von Sickingen, Yorck von Wartenburg, der im Kampf gegen Napoleon den Befehl seines preußischen Königs ignorierte und mit den Russen die Konvention von Tauroggen abschloss, und der ruhelose Sokrates, der für seinen Wissensdurst zum Tode verurteilt wurde und ganz von der Düsternis des Bildes verschluckt zu werden droht. Wie ein wanderndes Fries umläuft den verglasten Vorraum der Kirche eine Lichtinstallation von Ingo Wendt aus Ebertsheim. Es sind die wandernden Schattenbilder einer Art Laterna magica. Wendt lässt Bilder von Ikonen um eine Lampe kreisen: Siegfried und Don Quijote sind darunter, der Erzengel Gabriel, Till Eulenspiegel, Sophie Scholl und Anne Frank, aber auch ein Käfer. Außerdem zeigt die Carlsberger Kalligrafin Regina Seiler Blätter mit Texten von Dietrich Bonhoeffer. Im Innenraum der Kirche sind zudem vier Fragmente von Kunstwerken zu sehen, die 2010 beim U-Bahn-Bau in Berlin gefunden wurden. Sie waren von den Nazis als „entartete Kunst“ in ein Depot des Reichspropagandaministeriums geschafft worden, wo sie einer Bombardierung zum Opfer fielen. Zwei der Bruchstücke stammen von Arbeiten Otto Freundlichs und Milly Stegers. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin hat sie als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Zum Ausstellungsprojekt erscheint ein Katalog mit zusätzlichen Texten etwa vom Südpfälzer Schriftsteller Michael Bauer, der mit der Liedermacherin Martina Gemmar auch in einer Lesung zu erleben ist, genauso wie Gabriele Weingartner und Jürgen K. Hultenreich. Es gibt eine Aufführung des Chawwerusch-Theaters aus Herxheim und Konzerte mit Organist Felix Hell oder dem Flamenco-Duo Isabel Alvarez und Frank Ihle mit Texten zur Franco-Diktatur. Das Ausstellungsprojekt —„Lichtgestalten, Heldenbilder, Bombenschutt“, Zwölf-Apostel-Kirche Frankenthal, bis 10. Juli (außer 4. bis 7. Juli) dienstags 10 bis 12 Uhr, donnerstags 17 bis 20 Uhr, freitags, 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, samstags 11 bis 16 Uhr, sonntags 14 bis 17 Uhr. —Arbeiten von Jugendlichen zum Thema Heldenbilder sind parallel im benachbarten Dathenushaus zu sehen. —Im Erkenbert-Museum läuft ab 10. Mai zusätzlich die Ausstellung „Heldenhaft?! Lokale Helden und Legenden“ —Details unter www.lichtgestalten-ft.de

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