Kaiserslautern Verkehrsmoral liegt am Boden
Drei Männer, ein Thema: Jürgen Weis (PI 2), Carsten Becker (PI 1) und Jörg Vogt vom Polizeipräsidium sind mit dem Verkehr in Stadt und Landkreis betraut. Als die RHEINPFALZ vergangene Woche über die Sperrung in Frankenstein und die damit verbundenen Probleme berichtete, stand für die Polizisten fest: Es ist Zeit, den Verkehrsteilnehmern ins Gewissen zu reden. Denn die Verkehrsmoral liegt vielerorts am Boden. Nach Beispielen müssen die Beamten nicht lange suchen. Da sind ihnen einige im Gedächtnis geblieben. So wie Anfang des Jahres bei der Sperrung der L502 zwischen Espensteig und Breitenau. Wegen Forstarbeiten war die Strecke über Wochen voll gesperrt. „Etliche Autofahrer haben sich nicht an die Absperrung gehalten, sondern sie weggeräumt und sind durchgefahren“, berichtet Weis. Immer wieder sei es dort zu gefährlichen Situationen gekommen: Autos fuhren auf die gefällten Bäume auf, die Arbeiter wurden beinahe von Autos umgenietet. Viele Autofahrer, so der Eindruck der drei Polizisten, haben kein Verständnis für Sperrungen und verhalten sich äußerst egoistisch. „Ich fahr’ da immer entlang“ sei die Devise. Kommt die Polizei, hält sich die Betroffenheit der Erwischten in Grenzen. So wie in der Fruchthallstraße hinter der Mall, die für Autoverkehr gesperrt ist. Kontrollieren die Polizisten, kommen schnell 50 Verwarnungen in zwei Stunden zusammen, erzählt Weis. „Wenn ich 20 Mal durchfahre und nur einmal erwischt werde, hat sich das schon gelohnt“, hören die Polizisten dann. Denn hier liegt der Knackpunkt: Permanente Kontrollen, um alle Verkehrsrowdys zu erwischen, sind nicht möglich, berichtet Vogt. Zu wenig Personal, zu wenig Zeit – das sei früher anders gewesen, da hätten die Beamten häufiger kontrollieren können. Das habe zumindest ein gewisses abschreckendes Potenzial gehabt. Heute haben die Beamten den Eindruck, dass die Verkehrsteilnehmer die Weisungen von Polizisten eher als bessere Empfehlung verstehen und nicht als Verpflichtung. So wie die Sperrungen bei FCK-Spielen: Jedes Mal gebe es Autofahrer, die mitten durch die Fans fahren wollen und nicht einsehen, dass dies nicht möglich ist, schildert Becker. Im Gegenteil, „in den sozialen Medien geben sich die Autofahrer gegenseitig Tipps, wie sie trotzdem durch die Sperrungen kommen“, sagt der Beamte. „Dabei wäre es über die Park-und-Ride-Möglichkeiten sicherlich schneller.“ Egal, ob es sich um Baustellen im Stadtgebiet, Großveranstaltungen wie den Firmenlauf oder FCK-Spiele handelt: Viele Verkehrsteilnehmer halten sich nicht an die Sperrungen und binden so das Personal der Polizei, sagt Vogt. Denn ohne Polizist an der Absperrung werde diese direkt ignoriert – was immer wieder zu gefährlichen Situationen führe. Dabei gebe es mit 6000 Unfällen im Jahr im Zuständigkeitsbereich bereits genug Unfälle, es müssten nicht noch mehr werden, appellieren die Polizisten an die Vernunft der Autofahrer. Das Verhalten finde sich querbeet bei allen Altersgruppen. Auch Berufskraftfahrer sind nicht ausgenommen: Erst neulich steckte ein Schwertransporter in der Mainzer Straße fest, nachdem der Fahrer die Baustellensperrung weggeräumt hatte. Ein Verhalten, für das den Beamten das Verständnis fehlt. Denn sobald Gitter und Absperrungen weggeräumt werden, sei das ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr – und das könne den Entzug des Führerscheins nach sich ziehen. Vogt appelliert daher an die Verkehrsteilnehmer. Auch wenn jemand eine Sperrung nicht auf den ersten Blick verstehe: „Die Leute, die sie aufgestellt haben, haben sich etwas dabei gedacht.“ (jtt)