Kaiserslautern
Verein „KunstRaum Westpfalz“ feiert fünfjähriges Bestehen
Fünf Jahre klingt erst mal nach nicht viel. Aber in diesen fünf Jahren haben Birgit Weindl und Gregor Kleine-Wilde viel erlebt. Zu Beginn stand nur eine Idee im Raum, die Weindl – Kunstbeauftragte der Evangelischen Kirche der Pfalz – zusammen mit dem Lehrer, Künstler und Stadtaktivisten Michael Fetzer entwickelt hat. „Wir wollten beide einen Kunstverein gründen. Und haben dann ein Jahr lang hin und her überlegt, wie so ein Kunstverein in die Stadt passt – zwischen die Künstlerwerkgemeinschaft (KWG) und das Museum Pfalzgalerie, aber außer Konkurrenz.“
Die Idee war, „hauptsächlich Künstlerinnen und Künstler von außerhalb einzuladen und so die Kunstszene der Stadt zu bereichern“. Das Angebot sollte sich an alle richten, die gerne Kunst sehen. „Stilmäßig haben wir uns da nicht festgelegt. Es sollte nur gute, sprich professionelle, Kunst sein“, konkretisiert Weindl. Michael Fetzer widmete sich jedoch zunehmend anderen Projekten innerhalb der Stadt. Und so gründete Weindl im Alleingang den Verein. Wobei, nicht ganz allein.
2018 war die erste Ausstellung
Bei der Gründungsversammlung 2018 im Lautrer Spinnrädl war auch Grafik-Designer und Kunsttherapeut Gregor Kleine-Wilde anwesend. „Die Grundidee eines Kunstvereins in Kaiserslautern fand ich immer gut. Dass es in einer Stadt mit 100 000 Einwohnern und einem reichen Kulturleben bis dato keinen solchen gab, habe ich nie verstanden.“ Nachdem ursprünglich der Kaiserslauterer Fotograf Thomas Brenner zum zweiten Vorsitzenden gewählt worden ist, übernahm einige Zeit später Kleine-Wilde das Amt – bis heute.
2018 fand auch die erste Ausstellung statt – eine Art „Preview“ für den Kunstverein, damals noch im Kunstlager der KWG. Doch es fehlte eine feste Vereinsstätte. Die erste Wunschstation war damals das brachliegende Pfaff-Gelände. Die Idee eines Kunstvereins kam jedoch bei den Zuständigen nicht an. Zusammen mit der Mannheimer Künstlerin Barbara Hindahl suchte Weindl nach Leerständen, die man bespielen könnte. Doch die waren nur eine vorübergehende Lösung und die Suche gestaltete sich mehr als schwierig. Der Verein musste oft auf Zwischennutzungen ausweichen und ist mit seinen Ausstellungen immer wieder gewandert – von der Richard-Wagner- bis zur Karl-Marx-Straße. Dann kam Corona. „Aber durch die vielen Fördermittel von Land und Stadt konnten wir uns auch da irgendwie durchschlagen“, erinnert sich die Kunstbeauftragte.
Dauerhafte Bleibe noch fraglich
Vor zwei Jahren kam das Angebot für eine zeitlich befristete Galerie in dem ungenutzten Gebäude der Pirmasenser Straße 6. „Der Hausbesitzer fürchtete den Vandalismus und stellte uns freundlicherweise den Raum zur Verfügung.“ 2021 zog der „KunstRaum Westpfalz“ ein – vorerst bis Ende des Jahres 2023. Danach wird über die Nutzung jährlich neu verhandelt. Ob der Verein im nächsten Jahr also noch eine feste Bleibe hat, „hängt an einem seidenen Faden“, gesteht Weindl. Ein generelles Problem in der Stadt, weiß die Kunstexpertin. „Leerstände kostenlos und für längere Zeit bespielen zu dürfen, ist in der Stadt nahezu unmöglich. Alle wollen Miete haben, meist um die 1000 Euro im Monat. Und das ist schwierig, wenn man kein Geld hat.“ Auch Kleine-Wilde höre immer wieder, „dass das Leerstandsproblem von kommunalpolitischer Seite verfolgt und vorangetrieben werde, aber ich kann das bisher nicht feststellen.“
Ans Aufgeben denken die beiden Vorstandsvorsitzenden aber nicht. „Drei bis fünf Jahre muss man sich geben, finde ich, damit ein Projekt überhaupt auf die Beine kommt“, sagt Weindl. Und mittlerweile sind 40 Mitglieder im Verein und fünf im Vorstand. Der Verein Zukunftsregion Westpfalz unterstützt den „KunstRaum“ mit Werbung. Kulturreferatsleiter Christoph Dammann stellt auch gerne mal die Fruchthalle als Ausstellungsstätte mietfrei zur Verfügung. Und auch mit dem Museum Pfalzgalerie sowie anderen Einrichtungen der Stadt ist der Kunstverein gut vernetzt. „Wenn noch weitere Organisationen und Firmen uns mit einem kleinen monatlichen Betrag unterstützen würden, wäre das eine tolle Sicherheit“, sind sich die Vorsitzenden einig.
Reinkommen und kostenlos gucken
Aber auch ohne Sicherheit konnten – immerhin – bereits 25 Ausstellungen seit 2018 realisiert werden, von Malereien und Zeichnungen über Fotokunst bis hin zu Plastiken und Installationen. Die Lage der Galerie in der Pirmasenser Straße sei optimal, so Weindl. „Man kann spontan durchgehen, muss nicht zur Galerie hoch laufen oder sich für eine Kunst entscheiden. Man kann einfach gucken, kostenlos.“ Das spreche die Lautrer besonders an. „Kaiserslautern ist nun mal nicht Berlin. Es soll und muss die Menschen hier ansprechen und zu einem barrierefreien Betrachten einladen. Und meistens wollen die Lautrer etwas ansehen, was sie sich auch bei sich zuhause vorstellen könnten.“ Etwa die Leinwand-Grafiken von Claudia Vogel und Dirk Rausch, die derzeit in der Galerie aushängen.
Das gemeinsame Ziel für die nächsten fünf Jahre sei, mehr finanzielle Sicherheiten zu schaffen und vor allem mehr jungen Nachwuchs in den Verein zu holen. „Wir sind uns unseres Jahrgangs durchaus bewusst“, sagt Kleine-Wilde. „Aber wir schätzen junge Künstler ungemein und sind offen für Kooperationen mit jungen Vereinen.“ So wird beispielsweise der junge Sukura-Verein für die musikalische Untermalung beim Kunstraum-Jubiläum sorgen. Ein Anfang. Was die Zukunft bringt, wird sich nach der Feier zeigen.
Info
Das Jubiläumswochenende des Kunstvereins „5 Jahre – 25 Ausstellungen“ findet am Freitag, 28. April, von 15 bis 18 Uhr und Samstag, 29. April, von 11 bis 15 Uhr in der Galerie in der Pirmasenser Straße 6 statt. Die Besucher erwartet eine offene Galerie mit Musik und Imbiss. Regulär geöffnet ist der „KunstRaum Westpfalz“ immer samstags von 11 bis 13 Uhr und nach Vereinbarung.