Kaiserslautern
Verdi fordert Lohnanpassung für Zivilbeschäftigte bei den US-Stationierungskräften in Kaiserslautern
Etwa 6000 Zivilbeschäftigte arbeiten für die US-Stationierungskräfte in und um Kaiserslautern. Die Gewerkschaft Verdi fordert in den nächste Woche startenden Tarifverhandlungen höhere Löhne, eine bessere Ausbildungsvergütung sowie Neueinstellungen. Die Attraktivität der Arbeitsplätze habe in den vergangenen Jahren stark gelitten.
„Eine prozentuale Forderung wie in der Vergangenheit gibt es nicht, stattdessen fordern wir die Änderung der Entgeltstufen“, erklärte Susanne Riedel, zuständige Gewerkschaftssekretärin gestern. Verdi fordere in den Tarifverhandlungen, die am Dienstag, 1. Oktober, im Gewerkschaftshaus in Frankfurt am Main beginnen, die Angleichung der Löhne an vergleichbare Branchen, sodass Arbeitsplätze bei den Stationierungsstreitkräften wieder attraktiver werden. Setzt sich die Gewerkschaft mit ihren Forderungen durch, könne mit einem Erhöhungs-Volumen von circa 6 Prozent gerechnet werden, wobei sich dies nicht 1:1 auf jeden Beschäftigten umlegen lasse, so Riedel. Zukünftig solle es keine Löhne mehr unter 2000 Euro brutto geben, die Eingangsstufe im Angestelltentarif gestrichen werden und gleichzeitig die Arbeiterlöhne um etwa 110 Euro angehoben werden, fordert Verdi. Auch Arbeits- und Eingruppierungsbedingungen sollten an vergleichbare Berufsgruppen außerhalb der Streitkräfte angepasst werden. „Früher standen wir besser da als Beschäftigte im Öffentlichen Dienst, das hat sich mittlerweile verändert“, sagt Thorsten Preyer, Mitglied der Betriebsvertretung US AG und Beschäftigter bei der Feuerwehr im Munitionsdepot in Miesau.
Als Beispiel nennt er seinen eigenen Berufszweig. „Außerhalb der Streitkräfte ist für Feuerwehrleute mit Anfang 60 Schluss. Wir müssen bis 67 arbeiten.“ Das Problem daran aus seiner Sicht: Da das Rentenalter kaum jemand gesund erreiche und häufig keine andere Tätigkeit bei den Streitkräften gefunden werde, müssten die Beschäftigten am Ende teils deutliche Rentenabzüge hinnehmen.
Viele Stellen bleiben lange unbesetzt
„Wir haben viele offene Stellen, die teilweise sehr lange auch nicht mehr besetzt werden, weil wir niemanden finden“, sagt Thomas Meschkat, Vorsitzender des Verdi-Landesfachbereichsvorstands und Tarifkommissionsmitglied. In den Jahren 2011 und 2012 habe es in den Tarifverhandlungen zwei Nullrunden gegeben, „als der amerikanische Haushalt nicht genehmigt wurde“. Da müsse sich nun wieder etwas tun. Auch solle durch Neueinstellungen die Arbeitsbelastung reduziert werden.
Die Auszubildenden bei den US-Stationierungskräften in Rheinland-Pfalz sollen künftig ebenfalls mehr Geld bekommen. Verdi fordert eine Steigerung der Ausbildungsvergütung um 100 Euro und die Übernahme der Kosten für Unterkunft und Fahrt bei Blockunterricht in entfernten Berufsschulen.
Großteil der Zivilbeschäftigten in und um Kaiserslautern
Im Bereich der Kaiserslautern Military Community (KMC) seien etwa 6000 Personen in unterschiedlichen Bereichen bei den Streitkräften beschäftigt, in ganz Rheinland-Pfalz noch immer zwischen 7500 und 8000, berichtet Meschkat. Sie arbeiten beispielsweise im Militär-Krankenhaus auf der Air Base Ramstein, im dortigen Wasserwerk, als Zimmermädchen in Hotels, in den Bereichen Housing, Freizeit oder als Feuerwehrleute. Alleine die Air Force, bei der Meschkat auch Mitglied in der Personalvertretung ist, beschäftige in Spangdahlem, Ramstein und in Germersheim noch immer etwa 3400 Personen in Rheinland-Pfalz.
Keine Sorge vor Verlegung nach Polen
Weder Meschkat noch Preyer sehen die Bestrebungen des US-Präsidenten Donald Trump, Truppen nach Polen zu verlegen, als besonders kritisch an. „Wir müssen es natürlich ernstnehmen, aber es würde wohl in erster Linie die Bodentruppen betreffen, die hauptsächlich in Bayern stationiert sind“, sagt Meschkat. Dennoch hofft er bei den Tarifverhandlungen auf „eine gute Lohnerhöhung, damit die Beschäftigten abgesichert sind, wenn eine entsprechende Verlegung käme“.
Verdi geht davon aus, dass es am kommenden Dienstag zunächst noch kein Angebot von der Arbeitgeberseite geben wird. Für diesen Fall seien ab 15. Oktober erste „kleine Aktionen“ geplant, beispielsweise die Verteilung von Flugblättern in den Betrieben. Eine zweite Verhandlungsrunde ist für 24. Oktober vorgesehen. Sollte keine Einigung erzielt werden, könne mit Warnstreiks gerechnet werden.