Kaiserslautern Völkerverständigung durch Gedichtverse

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Glücksfall oder Zeichen? Zeichen! Marcel Beyer, der diese Woche bestimmte Büchner-Preisträger, denkt, schreibt und lebt noch bis zum Wochenende im Künstlerhaus Edenkoben.

„Poesie der Nachbarn“ heißt die Veranstaltung, bei der der von nun an in einer Reihe mit Grass, Handke, Seghers stehende Beyer partizipiert. Die Übersetzerwerkstatt ist international renommiert. Ja sie ist vielleicht sogar das Projekt der Stunde: Europa bewegt sich – und das ja auch bedingt durch gegenseitiges Unverständnis – ja an der Nahstelle einer möglichen Auflösung. Was passiert dort in im idyllischen Weinstädtchen Edenkoben? Man sieht Dichterinnen und Dichter, die tagelang gebeugt über Manuskripten sitzen. Im Garten, im Kaminzimmer, in einer Ecke des Veranstaltungssaals. Die Grande Dame der europäischen Literatur, Ilma Rakusa, und den Serben Predrag Bogdanovic. Die vielfach ausgezeichnete Berliner Lyrikerin Nadia Küchenmeister und ihre Kollegin Ana Ristovic aus Belgrad, die 2005 den Hubert-Burda-Preis für junge osteuropäische Lyrik bekam. Ivana Milankov und Marcus Roloff, Michael Speier und Jovan Zivak, Kerstin Preiwuß und Vojislav Karanovic, Mijurko Vukadinovic und eben auch Marcel Beyer, den wir in unserer Mittwochausgabe noch porträtiert haben, als bekannt wurde, dass er in diesem Jahr den Büchnerpreis erhalten würde. Es ist die 29. Ausgabe dieser besonderen Völkerverständigung mittels Versen, bei der deutschsprachige Schriftsteller die Gedichte von anderen, von Franzosen, Spanier, Türken, Letten, Finnen, Isländer, dieses Mal von Serben, nachdichten. Eine sogenannte Interlinearübersetzung hilft dabei. Denn: Wer kann schon so viele Sprachen? Jan Krasni ist der Mann, ein wichtiger Übersetzer aus Belgrad, der die wortwörtliche Übersetzung übernimmt und auch die Verständigung zwischen deutschsprachigen und serbischen Dichtern moderiert. Das Künstlerhaus kooperiert zudem mit den rheinland-pfälzischen Universitäten Koblenz-Landau und Mainz (Germersheim). Immer wieder gibt es Fragen, wenn die Dichter ihre Köpfe zusammenstecken. Wie ist das gemeint? Was hat das zu bedeuten? Am Ende hat man sich auch über die Gemeinsamkeiten und Mentalitätsunterschiede unterhalten. Über Identitätsfragen. Außerdem kommen oft wunderbare neue Gedichte heraus, die auf bestehenden Versen basieren. Am Sonntag, im Künstlerhaus, kann man sie sich anhören. Dann stellen die Dichter in einer zweisprachigen Lesung die Ergebnisse der Übersetzerwerkstatt vor. Außerdem sind sie am Montag in der Germersheimer Zweigstelle der Mainzer Universität zu erleben. Und sie lassen sich nachlesen. In einer Anthologie, die im Heidelberger Verlag Das Wunderhorn erscheinen wird. Was bedeutet das? Europa lebt. Zumindest manchmal. In der Pfalz. In Edenkoben. Termin Abschlusslesung „Poesie der Nachbarn“, Sonntag, 3. Juli, 11 Uhr, im Künstlerhaus Edenkoben. Musikalische Begleitung durch J. Marc Reichow.

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