Kaiserslautern Ursula Klein schreibt mit 68 Jahren ihren ersten Roman

Ursula Klein in der Pfalz mit ihrem Debütroman.
Ursula Klein in der Pfalz mit ihrem Debütroman.

Mit knapp 69 Jahren hat sich die gebürtige Kaiserslauterin Ursula Klein den Traum vom eigenen Roman erfüllt. „Mittagsleuchten“ heißt das Buch.

Manche Geschichten brauchen Zeit. Viel Zeit. Für Ursula Klein aus Kaiserslautern waren es Jahrzehnte voller Beobachtungen, Erinnerungen und Lebenserfahrung, die schließlich in ihrem ersten Roman mündeten. Mit knapp 69 Jahren hat die Autorin nun den Schritt gewagt, von dem viele nur träumen: Sie veröffentlicht ihr Debüt und legt mit ,„Mittagsleuchten“ eine bewegende Familiensaga vor, die tief in der Geschichte und Landschaft der Westpfalz verwurzelt ist.

,„Ich erlebe gerade das Glück der Anstrengung“, sagt die Autorin. „2021 habe ich mit dem Roman angefangen und hätte niemals gedacht, dass ich so einen langen Atem brauche, bis ich das fertige Buch in den Händen halte.“ Doch den langen Atem bewies sie nicht nur in ihrer Autorenschaft, sondern auch privat.

Ausgebildete Familientherapeutin

Geboren 1957 in der Westpfalz, wuchs die ausgebildete Familientherapeutin und Supervisorin „in einer Welt der Furchen und Felder“ auf, wie sie selbst sagt. Die Landwirtschaft gehörte zu ihrer Kindheit, die hiesigen Felder und Äcker repräsentieren für sie bis heute „ein Gefühl von Heimat“. Eine Heimat, der sie nun seit rund fünf Jahrzehnten treu geblieben ist.

Ursula Klein gehört nicht zu den Autorinnen, die aus der Ferne über die Pfalz schreiben. Sie ist mittendrin. Oder wie sie selbst sagt: „eine Hiergebliebene“. „Ich bin in Kaiserslautern geboren und lebe hier seit 50 Jahren. Ich kenne viele Autoren und Autorinnen, die in Wiesbaden, Köln oder Berlin leben und von dort aus über ihre alte Pfälzer Heimat schreiben. Ich bin eine Hiergebliebene. Und es war mir deshalb sehr wichtig, dass ich eine authentische Geschichte schreibe – über unsere Region, über die Westpfalz aber auch über Kaiserslautern und die Menschen hier.“

Am Puls der Heimat

Immer am Puls ihrer Heimat – umgeben von den Wurzeln ihrer Kindheit und dem Erbe ihrer Eltern und Großeltern – wuchs in Klein stetig eine gewisse Faszination für das Zusammenspiel zwischen Herkunft, Familie und den Entscheidungen, die ein ganzes Leben prägen. Genau deshalb stehen diese Themen auch im Mittelpunkt ihres Romans, der die Leserinnen und Leser in die Westpfalz der Nachkriegszeit entführt.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1956. Eine ungewollte Schwangerschaft bindet die junge Johanna an den Bauernsohn Peter und an das entbehrungsreiche Leben auf dem Clausenhof. Als ein Giftanschlag die Existenz der Familie vernichtet, scheint die Zukunft verloren. Doch Johanna gibt nicht auf. Der neue Hof außerhalb des Dorfes wird zu ihrer Lebensaufgabe, für die sie mit unerschütterlicher Entschlossenheit kämpft.

Gesellschaftlicher Wandel

Während Johanna alles daran setzt, den Betrieb zu erhalten und ihrer Familie Sicherheit zu geben, wächst ihre Tochter Mia in einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels auf. Für die junge Frau bedeutet der Hof nicht Heimat und Halt, sondern Enge, Pflichterfüllung und harte Arbeit. Wo die Mutter ihre Zukunft sieht, erkennt die Tochter vor allem Grenzen. Mia sucht nach einem Weg, der sie hinausführt – weg vom schweren Erbe der Westpfalz und hin zu einem selbstbestimmten Leben.

So erzählt „Mittagsleuchten“ von zwei starken Frauen, deren Wünsche und Vorstellungen kaum unterschiedlicher sein könnten. Es ist die Geschichte einer Mutter, die für das Überleben ihres Hofes und das Wohlergehen ihrer Familie kämpft, und einer Tochter, die den Mut finden muss, ihre eigenen Träume gegen Traditionen und Erwartungen zu verteidigen.

Zwei Frauen im Mittelpunkt

Ursula Klein gelingt dabei ein einfühlsames Porträt des ländlichen Lebens in der Pfalz, aber auch über die Entwicklung zweier Frauen aus zwei Generationen. Mit großer Liebe zum Detail zeichnet sie die Herausforderungen einer Generation nach, die von Entbehrungen, Verantwortung und Zusammenhalt geprägt war. Gleichzeitig erzählt sie von Aufbruch, Emanzipation und dem Wunsch, den eigenen Weg zu gehen. ,„Deshalb leuchten, um den Buchtitel noch einmal aufzugreifen, meine zwei Protagonistinnen auch nicht von Anfang an. Sie müssen erst ihre Lebensspur finden, bevor sie wirklich leuchten können und ihr Leuchten für die Außenwelt sichtbar und spürbar wird.“

Historisch betrachtet waren es schließlich gerade die Frauen, die in den Jahren des Ersten und des Zweiten Weltkriegs meist ohne männliche Unterstützung Haus und Hof pflegen mussten und damit entscheidend zum Erhalt der Landwirtschaft in der Pfalz beigetragen haben. ,„Diese Frauen haben das alles im Stillen getan. Die Außenwelt, die Öffentlichkeit, hat damals nicht gesehen, was diese Frauen alles geleistet haben. Deshalb wollte ich diese Frauen porträtieren und ihnen ein Gesicht geben.“

Corona gab den Anstoß

Dass die Autorin ihr literarisches Debüt erst mit fast 70 Jahren veröffentlicht, macht ihre Geschichte umso bemerkenswerter. Denn sie zeigt, dass es nie zu spät ist, langgehegte Pläne in die Tat umzusetzen. ,„Das Leben hat sich mir quasi unter die Füße geschoben“, erzählt sie. „Ich war erfüllt von meinem Familienleben, von meinem Beruf und habe deshalb das Schreiben nie aktiv verfolgt. Bis 2020 die Corona-Pandemie kam. Das war ein großer Einschnitt in meinem Leben.“

Ein Einschnitt, der sie dazu motivierte, Kurse im Kreativen Schreiben zu belegen. „Im Februar 2021 fiel bei mir die Entscheidung, einen Roman zu schrieben. Ich wusste, dass die Zeit gekommen war, die Geschichte niederzuschreiben, die in mir war. Doch ich wusste noch nicht genau, was das für eine Geschichte sein sollte. Und so wurde ich beim Schreiben immer wieder selbst überrascht.“

Nächstes Buch in Arbeit

Mit „Mittagsleuchten“ erfüllt sich Ursula Klein also nicht nur einen persönlichen Traum, sondern schenkt ihren Leserinnen und Lesern einen Roman, der von den großen Themen des Lebens erzählt: Familie, Heimat, Pflicht, Freiheit und der Kraft, trotz aller Widrigkeiten nach vorne zu blicken.

Für Kaiserslauterin ist die Veröffentlichung ihres Debüts jedoch nicht der Abschluss eines Weges, sondern vielmehr der Beginn eines neuen Kapitels. „Ich schreibe bereits an meinem nächsten Roman und wage mich an ein ganz anderes, an ein historisches, Thema heran. Es spielt ebenso in der Pfalz“, verrät die Autorin. ,„Im Mittelpunkt wird jedoch ein Mann stehen, der mit dem Aufbruch der Eisenbahn einen persönlichen Wandel durchmacht.“ Es bleibt also spannend, welche literarischen Abenteuer Ursula Klein im gehobenen Alter noch bestreiten wird.

Lesezeichen

Ursula Klein: „Mittagsleuchten – Eine Familiensaga aus der Pfalz“, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2026, 354 Seiten, 14,90 Euro.

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