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Star-Komiker vergangener Tage: Urbayer Joe Stöckel als Bruder Barnabas im Film „Mönche, Mädchen und Panduren“ (1952).
Star-Komiker vergangener Tage: Urbayer Joe Stöckel als Bruder Barnabas im Film »Mönche, Mädchen und Panduren« (1952).

Kommt Ihnen der bierselige Betbruder auf dem Foto bekannt vor? Wenn Sie gern alte Filme sehen, erinnern Sie sich sicherlich an den Komiker Joe Stöckel, der in den beiden Jahrzehnten vor und nach 1945 zu den populärsten Urbayern des Kinos gehörte. Womöglich lässt sein Konterfei aber auch an eine pfälzische Biermarke denken.

Obwohl die Verbindung frommer Kirchenmänner zu weltlich konsumfreudigem Gerstensaft auf den ersten Blick irritieren mag, sind brauende Mönche ein häufiges Reklamemotiv der Bierhersteller. Das kommt nicht von ungefähr. Einerseits erzielten viele Klöster durch den Verkauf selbst hergestellter Gärgetränke üppige Einnahmen, zum anderen griffen Mönche (nicht nur) während der Fastenzeit allzu gern auf die kalorienreiche Labe zurück.

Der Heilige Benedikt widmete dem „Maß des Biers“ ein eigenes Kapitel seiner Klosterregeln; im „St. Galler Klosterplan“, der um 820 auf der Bodenseeinsel Reichenau entstand, sind neben Kirche, Schule, Hospital und Schlafsälen insgesamt drei Braustätten verzeichnet. Im 18. Jahrhundert arbeiteten im Deutschen Reich rund 350 Klosterbrauereien. Die meisten bestanden in Bayern, etwa in Andechs, Ettal, Mallersdorf und Weyhenstefan.

Der Bajuware wirbt für Starkbier aus der Pfalz

In München gab und gibt es die Franziskaner- und die Paulaner-Brauerei. Sie gehen zwar nicht unmittelbar auf klösterliche Traditionen zurück, stellen aber beide bis heute einen Mönch in den Mittelpunkt ihrer Werbung. Das tut auch die pfälzische Park-&-Bellheimer-Brauerei. Für eine ihrer Biersorten wirbt ein Klosterbruder mit Doppelkinn, monastischem Käppi und Lederschürze über dem Habit. Versonnen und selig lächelnd blickt er auf den schweren Bierhumpen in seiner Rechten.

Gefüllt ist die Kanne mit Starkbier aus dem Hause Park & Bellheimer. So besagen es jedenfalls die Werbung und das Etikett auf den Flaschen. Es könnte aber auch bayerisches Klosterbier sein, denn das Bildmotiv stammt aus einem Spielfilm um brauende bajuwarische Betbrüder.

„Mönche, Mädchen und Panduren“

Joe Stöckel – einer der populärsten deutschen Dialektkomiker der unmittelbaren Vor- und Nachkriegszeit – spielt im Film „Mönche, Mädchen und Panduren“ den Mönch Barnabas. Der erfindet zur Wittelsbach-Zeit das nahrhafte Salvatorbier. Es erleichtert nicht nur seine Fastenqualen, sondern macht zudem eine marodierende Soldateska kampfunfähig.

Für Joe Stöckel, der zeitgleich in einer Serie possenhafter Heimatfilme gemeinsam mit Beppo Brem als „Zwei Bayern“ reüssierte, war die Rolle des historisch verbürgten Mönch-Mälzers Barnabas (1750-1795) die „Rolle seines Lebens“, wie der „Spiegel“ 1952 zur Premiere des Films schrieb. Im Übrigen wartet die Besetzungsliste mit einer Paradetruppe sehr beliebter Theater- und Filmstars auf: Rudolf Vogel, Lucie Englisch, Paul Hartmann, Erich Ponto, Rudolf Fernau, Gustav Waldau.

Gemälde in der Brauerei

Wie aber kommt das Rollenfoto von Joe Stöckel in die Werbung für Parkbräu? Das weiß nicht einmal Jochen Sehn, der Marketing-Chef von Park & Bellheimer. „Wir haben den Mönch schon seit Jahrzehnten in unserer Werbung“, sagt er. „Es gibt in unserer Pirmasenser Niederlassung sogar ein Gemälde mit demselben Motiv.“ Die Signatur des Kunstwerks ist nicht eindeutig zu entziffern, vielleicht hieß der Maler Lentz.

Es könnte aber auch von Rolf Goetze stammen, der seit den 1950er Jahren eine Fülle von Filmplakaten entworfen hat. Der Antiquar und Kinoexperte Christian Unucka jedenfalls weiß: „Das Filmplakat wurde vom bekannten Grafiker Rolf Goetze gestaltet. Das geht aus dem Werberatschlag zum Film ,Mönche, Mädchen und Panduren’ hervor.“

Bruder Barnabas und das „Parkbräu-Männchen“

Der Film kam im Herbst 1952 in die Kinos, das „Pirminator“-Bier ist nach Angaben Sehns seit 1955 als Marke eingetragen. Seit wann mit dem Porträt Joe Stöckels geworben wird, ist dem Brauerei-Manager nicht bekannt. Das Unternehmen setzte jedenfalls schon damals das legendäre „Parkbräu-Männchen“ als Reklamefigur ein.

Kurze Werbefilme des in Remagen ansässigen Trickfilm-Produzenten Hans Fischerkoesen („der deutsche Disney“), in denen das zum Leben erwachte P aus dem Firmennamen die Vorzüge des Biergenusses preist, liefen damals im Vorprogramm der Kinos.

Bedeutende Männer der Filmgeschichte

Das „Parkbräu-Männchen“ gab es seit 1938. Vor zwei Jahrzehnten machte es noch einmal Schlagzeilen, als seine überdimensionale Darstellung vor Abrissarbeiten in Zweibrücken gerettet wurde. Heute gilt es als Klassiker unten den Reklamefiguren, dem bestenfalls das durch Tabakgenuss vor Wutanfällen bewahrte „HB-Männchen“ den Rang streitig macht.

Joe Stöckel und Hans Fischerkoesen sind bedeutende Namen der deutschen Filmgeschichte. Der Regisseur von „Mönche, Mädchen und Panduren“, Ferdinand Dörfler, gehört zu den produktivsten Routiniers des Heimatfilms. Die Brauerei Park & Bellheimer, die 1995 durch Zusammenschluss zweier Traditionshäuser der Süd- und Südwestpfalz entstand, ist ein wichtiger Exponent des hiesigen Wirtschaftslebens.

Wie der Parade-Bayer und das pfälzische Unternehmen zusammenkamen, ist ein Fall für die interdisziplinäre Geschichtsforschung.

Info

Der Film „Mönche, Mädchen und Panduren“ ist bei SJ-Entertainment auf DVD erschienen und für etwa 12 Euro im Buch- und Fachhandel erhältlich.

Trickfilmpionier Hans Fischerkoesen
Trickfilmpionier Hans Fischerkoesen
Regisseur Ferdinand Dörfler
Regisseur Ferdinand Dörfler
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