Kaiserslautern Unsicherheit im Musikerviertel: „So kann es nicht weitergehen“
Das Musikerviertel in Kaiserslautern verändert sich, jedenfalls empfinden es viele Anwohner so. In dem Wohngebiet, das lange als ruhig und urban galt, wächst die Unsicherheit. Menschen berichten von nächtlichem Lärm, von Müllproblemen, Drogenkonsum im öffentlichen Raum und einem wachsenden Gefühl der Unsicherheit. Auch Schmierereien an Hausfassaden und schlecht beleuchtete Straßenabschnitte tragen dazu bei, dass die Anwohner manche Wege im Viertel nur noch mit Angst nutzen.
Gerhard Steinebach, Seniorprofessor für Stadtplanung an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau, lebt seit vielen Jahren im Musikerviertel und beobachtet die Entwicklung des Quartiers mit Sorge. Ein Vorfall mit persönlicher Tragweite wurde für ihn zum Wendepunkt: Seine Ehefrau wurde mitten am Tag auf der Straße von einer fremden Person körperlich angegriffen. Für Steinebach war klar, dass es so nicht weitergehen kann.
Gemeinsam mit anderen Betroffenen gründete er den Initiativkreis „Sicheres Musikerviertel und Umgebung“ (SiMuU). Der Kreis setzt sich aus Anwohnern, Eigentümern und Gewerbetreibenden zusammen, die sich regelmäßig austauschen, Missstände dokumentieren und den Dialog mit Stadt und Polizei suchen. Auch wenn die Kriminalstatistik für das Viertel unauffällig erscheint, sieht Steinebach darin nur eine trügerische Ruhe. Viele Vorkommnisse würden nicht angezeigt und tauchten deshalb gar nicht in der Statistik auf, ist er sicher. Denn die Realität der Bewohner sei oft eine andere.
Anwohner vermuten Drogenverstecke
Immer wieder wird zum Beispiel beobachtet, dass Ziegel aus Fassaden entfernt werden. Offenbar, um dort Drogen zu verstecken, vermuten Anwohner. Auch die zunehmenden Graffiti seien nicht nur optischer Schaden, sondern würden teilweise als Kommunikationsmittel genutzt. Die bestehenden Strukturen zur Kontrolle des Viertels reichen aus Sicht vieler nicht aus. Kritisiert wird etwa die unklare Zuständigkeit zwischen städtischem Vollzugsdienst und Polizei: Während der Vollzugsdienst nachts bis 2 Uhr im Einsatz ist, übernimmt danach allein die Polizei. Für die Anwohner bedeutet das eine Lücke, besonders bei nächtlichen Störungen.
Um über Probleme und mögliche Maßnahmen ins Gespräch zu kommen, veranstalten Stadtverwaltung, Polizei und der Initiativkreis am Samstag, 14. Juni, von 10 bis 13 Uhr eine öffentliche Info-Veranstaltung auf dem Musikerplatz. Anwohner und Interessierte können sich dort an mehreren Ständen zu Themen wie Kriminalitätsprävention, Stadtreinigung, Beleuchtung und Videoüberwachung informieren.
Der Initiativkreis will mit der Veranstaltung ein Zeichen setzen: für mehr Transparenz, bessere Koordination und ein Viertel, in dem man sich wieder sicher fühlen und wohlfühlen kann.