Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Uni-Theatergruppe spielt Joe Orton

Auftakt zum pointenreichen Spiel ums menschliche Gefühlsleben: Christian Kötting und Vibha Kedigemane Trivikram im Audimax.
Auftakt zum pointenreichen Spiel ums menschliche Gefühlsleben: Christian Kötting und Vibha Kedigemane Trivikram im Audimax.

Was kann ein Butler wohl so alles bei seiner Arbeit sehen? Eine ganze Menge, darf man vermuten. Genau das gab es am Freitagabend in der Komödie „Was der Butler sah“ des englischen Dramatikers Joe Orton. Die Theatergruppe der Uni Kaiserslautern präsentierte das launige Stück im leider nur spärlich gefüllten Audimax.

Das Theaterstück gibt sich genauso, wie man es von seinem seinerzeit kontrovers aufgenommenen Autor Joe Orton (1933-1969) erwarten darf: unterhaltsam und provokativ zugleich. Dabei beginnt alles recht harmlos: In der Klinik eines Psychiaters (von Christian Kötting textlich und darstellerisch intensiv ausgespielt) bewirbt sich die junge Geraldine (facettenreich: Vibha Kedigemane Trivikram) als Sekretärin. Das zunehmend seltsamer werdende Vorstellungsgespräch gipfelt darin, dass sie sich ausziehen soll (und es hinter einem Bühnenvorhang auch tut).

Noch grotesker wird die Situation, als plötzlich des Doktors Ehefrau (herrlich exaltiert gespielt von Eleni Liberis) auftaucht. Die amourös nicht untätige Dame wird vom Hotelangestellten Nicholas Beckett − dankbare Rolle für den auftrumpfenden Michael Emde − mit eindeutigen Fotos erpresst. Das Durcheinander wird vergrößert durch die Regierungsbeamtin Rance (Regisseurin Parya Memar) und den Polizisten Match (kleine Rolle, großes Spiel: Bardia Moinian), der allerdings im Verwirrspiel mit all seinen Irrungen, Versteckspielereien und Verkleidungen keine Ordnung schaffen kann.

Liebe und Wahnsinn

Im Prinzip geht es, so wird im Stück auch einmal erwähnt, um zwei elementare Dinge: die Liebe und den Wahnsinn. Drumherum gruppieren sich über zwei Stunden hinweg absonderliche Neigungen und irrsinnige Verwechslungen. Immer wieder stellt sich die Frage nach Wahrheit und Lüge, werden gesellschaftliche Tabus thematisiert. Dass das vordergründige Boulevardstück, das auch über ein halbes Jahrhundert nach seiner Veröffentlichung noch funktioniert, neben allerlei Schmunzeleien ordentlich zum Nachdenken anregt, ist ein netter Nebeneffekt.

Ja, in der Regel wurde geschmunzelt. Denn für laute Brüller als Publikumsreaktion ist die eben auch in die Tiefe spielende Komödie nicht unbedingt gemacht. Allerdings: Nach der anfangs etwas betulichen Umsetzung des Stoffs nahm auch die Inszenierung bald ordentlich Fahrt auf und sorgte schließlich für besonders rasante „Action“, deren gekonnte zeitliche wie darstellerische Bewältigung man den sechs Akteuren mit Respekt attestieren darf.

Halbnackte Männer

Spärlich bekleidete Männer, die über die Bühne sprinten, pointiert gesetzte (und eingehaltene) Schreckmomente sowie der eine oder andere Wortwitz in dieser - gegenüber dem Original sprachlich deutlich „entschärften“ - Uni-Version sorgten dann doch für etliche laute Lacher.

Man gab alles bei dieser Premiere, die sich selbst außerhalb der Bühne (durch die versierte Technikerin Sophie Schug, die auch ein anfängliches Tonproblem rasch in den Griff bekam) von ihrer besten Seite zeigte. Das war gelebtes, von Herzblut genährtes Laienspiel mit Profi-Charakter.

Und der Butler aus dem Titel? Der ist auf eine englische Redewendung zurückzuführen und bedeutet etwa „sich offenbarende skandalöse Geheimnisse“. Im Übrigen kommt der Hausangestellte so gar nicht vor. Aber das, was er und das Publikum angeblich sahen, war tatsächlich sehenswert.

Info

Weitere Aufführungen am kommenden Donnerstag, 25. Juli, und am Samstag, 27. Juli, jeweils 20 Uhr, im Audimax der Lauterer Uni.

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