Kaiserslautern „Ungerechtigkeit von oben umkrempeln“

91-80476435.jpg

Viel Freizeit bleibt der 19-jährigen Lena Edel in diesen Tagen nicht – ihr Beagle Lucy muss öfter mal auf Frauchen verzichten: Edel hat gerade ihr erstes Semester an der Technischen Universität (TU) hinter sich gebracht, und jetzt läuft die heiße Wahlkampfphase. Die junge Frau will im Wahlkreis 43 für Die Linke in den Landtag einziehen.

Etwas nervös sei sie schon bei ihrem ersten Interview, verrät die 19-Jährige. Allerdings nicht ganz so aufgeregt wie bei den Podiumsdiskussionen vor einigen Tagen. „Doch das hat ganz gut geklappt“, sagt sie lächelnd, „ich musste darauf achten, als Frau, noch dazu mit meinen 1,56 Metern, wahrgenommen zu werden. Zwischen den 1,80 Meter großen Männern geht man ja leicht unter.“ Dass sie nach der Podiumsdiskussion auch von erfahreneren Politikern gelobt worden sei, habe ihr Auftrieb gegeben: „Es hat Spaß gemacht.“ Edel, die im Stadtteil Morlautern wohnt, hat im vergangenen Jahr im St.-Franziskus-Gymnasium ihr Abitur gemacht. Seit dem Wintersemester studiert sie an der TU Mathematik und im Nebenfach Wirtschaftswissenschaften. Sind das typische Studiengänge für Linke? Edel lacht: „Ja, ich weiß. Eigentlich verbindet man uns eher mit Geisteswissenschaften. Mir hat Mathe schon immer Spaß gemacht. Und wenn ich im Bankenbereich einen Job finden sollte, kann ich den ja nutzen, um von oben die Ungerechtigkeiten umzukrempeln.“ Seit ihrer Jugend engagiert sich Edel ehrenamtlich. Nach der Konfirmation ist sie in den evangelischen Dekanatssprecherinnenkreis gewählt worden: „Die christlichen Werte wie Nächstenliebe und Frieden sind mir sehr wichtig.“ Schnell sei ihr klar gewesen, dass sie sich auch politisch einbringen will – „also habe ich die Parteiprogramme der SPD, der Grünen und der Linken angeguckt. Alle anderen Parteien waren mir zu weit rechts.“ Im Programm der Linken habe sie sich am ehesten wiedergefunden und mit ungefähr 16 Jahren damit begonnen, sich zu engagieren. Sie stieg bei der Jugendorganisation der Linke, Linksjugend Solid, ein, hat den Kaiserslauterer Ableger mit Freunden wieder aufgebaut. Kommunalpolitisch ist die 19-Jährige noch ein unbeschriebenes Blatt, sie könnte sich aber durchaus vorstellen, für die Linke im Stadtrat zu sitzen. Doch zunächst steht der Wahlkampf um das Direktmandat für den Landtag an. Sollte sie gewählt werden, will sie in Mainz unter anderem Themen aus Bildungs- und Friedenspolitik bearbeiten. Edel: „Das Thema Inklusion ist ja ganz eng mit der Bildungspolitik verknüpft: Mehr Lehrer bedeuten schließlich auch kleinere Klassen und damit eine individuellere Förderung für alle Kinder.“ Lena Edel weiß, dass auf Landesebene keine Außenpolitik gemacht wird, „aber wir könnten zumindest Anstöße nach oben geben, damit die Atomwaffen aus Büchel abgezogen werden und von Ramstein aus keine Drohnenangriffe mehr gesteuert werden.“ In Kaiserslautern selbst will sich Edel als mögliche Landtagsabgeordnete für mehr Angebote für Kinder und Jugendliche einsetzen: „Es gibt zwar viele kirchliche Angebote, aber es ist schade, dass von Stadt oder Land nichts kommt.“ Dabei sei es wichtig, gerade junge Menschen mit verschiedenen Interessen und Lebensgeschichten zusammen zu bringen.

Mehr zum Thema
x