Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Unermüdlich: Künstlerpaar Rebecca Rust und Friedrich Edelmann

Beim Konzert im März 2020 in Kalifornien: Cellistin Rebecca Rust und Fagottist Friedrich Edelmann.
Beim Konzert im März 2020 in Kalifornien: Cellistin Rebecca Rust und Fagottist Friedrich Edelmann.

Viele Musiker unserer regionalen, professionellen Kulturorchester verschwinden im Ruhestand gänzlich aus der klassischen Musikszene; manche pflegen auf Befragen wenigstens sporadisch noch Hausmusik. Die wenigsten entfalten wie die nachfolgend vorgestellten Eheleute eine ungebremste, vitalisierende Musizierlust, widmen sich mit niemals nachlassender Intensität im öffentlichen Auftritt einer Art Botschaft, die sie beflügelt. Das in der Pfalz beheimatete und hier regional seit Jahren wieder verstärkt Akzente setzende Künstler-Ehepaar mit Cellistin Rebecca Rust und Fagottist Friedrich Edelmann ist ein solch seltener Glücksfall.

Im RHEINPFALZ-Interview artikuliert als erste die in San Francisco geborene Cellistin diese Verpflichtung, ihre Gabe an nächste Generationen zu vermitteln. Sie spricht mit einer gewissen Demut und Dankbarkeit von ihrer Mutter, einer bekannten Konzertpianistin, und der ersten Cellolehrerin. Mit fünf Jahren begann ihr Klavierunterricht, mit neun kam das Cello ins Haus, und der Lebensweg führte zu der „Grande Dame“ des Cellospiels in den Vereinigten Staaten, zu Margaret Rowell. In deren „Cello-Club“ gingen die Starsolisten der Zeit ein und aus, und so sog die damalige Schülerin Anregungen von legendären Cellisten wie Pablo Casals und später in Meisterkursen auch Rostropowitsch ein. Im Verlauf des Studiums in New York beim Cellisten des Beaux-Art-Trios führte sie ein Auslandssemester nach Belgien zum Weltorchester Jeunesses Musicales, wo sie ihren Ehemann Friedrich Edelmann kennenlernte.

Das Nest des Herrn Rinderspacher

Dieser wiederum schlüpfte aus dem „Fagottnest“ des hiesigen Pfalztheater-Fagottisten Alfred Rinderspacher und wurde nach Studien bei diesem nun selbst stellvertretender Solofagottist des Pfalztheaters. Zuvor sollte Edelmann auf Betreiben des Vaters, der das hiesige Rittersberg-Gymnasium leitete, etwas „Ordentliches“ lernen und studierte Mathematik mit Staatsexamen in Heidelberg (1974). Parallel dazu studierte die Ehefrau an der Kölner Hochschule im Fach Cello mit dem Erwerb des Solistendiploms. Ihre beginnende Karriere als Solistin zusammen mit dem Baseler Sinfonieorchester wurde durch den Umzug nach München unterbrochen, weil Edelmann eine Stelle als Solofagottist bei den Münchner Philharmonikern antrat. 17 Jahre lang erlebte Edelmann die Ära des Stardirigenten Sergiu Celibidache, die ihn entscheidend prägen sollte, sodass Edelmann diese Zeitspanne in einem Buch in japanischer Sprache verewigte.

Es folgten weitere künstlerische Impulse durch Stardirigenten wie seit 1999 James Levine, unter dem das Orchester zum Tourneeorchester avancierte, was Edelmann ebenfalls prägte. Nach der Pensionierung im Jahr 2015 kehrte Edelmann mit Ehefrau in die Pfalz zurück, beide fanden im idyllischen Rhodt unter Rietburg eine neue Heimat und unternahmen seitdem von dort aus ausgedehnte Konzertreisen nach Tschechien zum Internationalen Musikfestival 2017, nach Los Angeles 2019, und 2020 musizierten sie zum 75-jährigen Gedenken an die Befreiung von Auschwitz, konzertierten aber auch verstärkt regional: so zusammen mit dem Bad Dürkheimer Kammerorchester in Wachenheim und Annweiler 2021, bei den musikalisch literarischen Soireen im Lauterer Zink-Museum 2020, bei Solokonzerten in der Fruchthalle, in Otterbach und an der TU.

Aktiv auch in Pandemiezeiten

Die Zwangspause in Coronazeiten wurden durch einen Live-Stream auf Initiative der Pfälzischen Musikgesellschaft überbrückt. Daneben realisierte das umtriebige Musikerpaar durch Förderung der Landesregierung Musik-Film-Produktionen, so 2021 über Werke jüdischer Komponisten, wobei dieser Film ausgezeichnet wurde als Beitrag zum Gedenkjahr „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“. In diesem Jahr folgte die Produktion des zweiten Musikfilms unter dem Titel „Filmische Stolpersteine“. Bei den stellvertretend genannten Konzertveranstaltungen waren beide im Duo mit und ohne Klavierbegleitung zu hören, teilweise auch mit Bearbeitungen für diese Besetzung. Außerdem stellen beide Preziosen der Sololiteratur für ihre Instrumente vor, zuletzt Haydns Cellokonzert und Mozarts Fagottkonzert, zusammen mit dem klassischen Orchester der Technischen Universität.

Viele CD-Produktionen dokumentieren weiter den unermüdlichen Drang, neue Werke für ihre Instrumente zu erschließen und sich neue ambitionierte Ziele zu stecken in Kalifornien, Japan, Italien, Deutschland und in der Pfalz. Fürwahr ein Vorbild für jung und alt nach der Lebensweisheit: Wer rastet, der rostet.

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