Handball
TuS Dansenberg verspielt gegen Spitzenreiter Ferndorf Acht-Tore-Führung
Torben Waldgenbach, wurfgewaltiger Rückraumspieler und zuletzt neunfacher Torschütze beim Derbysieg in Haßloch, saß mit dick bandagiertem Handgelenk auf der Tribüne und verfolgte gebannt, wie seine Mannschaftskameraden dem ungeschlagenen Spitzenreiter mit einer kompromisslosen Abwehrleistung den Schneid abkauften. Von wegen Krise! Dansenberg rackerte, Dansenberg kämpfte und Dansenberg hatte in Jan Claussen einen kongenialen Spieler auf der Platte, der bis zur Mitte der zweiten Halbzeit nach Belieben traf und seine Mitspieler klug in Szene setzte.
Wie ein Bulldozer
Als Kapitän Sebastian Bösing seinen Gegenspieler beim Stand von 2:1 (2.) im Zuge einer gelungenen Abwehraktion vor sich herschob wie ein Bulldozer ein Häuflein Erde, da war auch dem Letzten klar, dass die vom Verletzungspech gebeutelten Schwarz-Weißen dazu bereit waren, alles zu investieren, um die Punkte in der Westpfalz zu behalten. Ferndorf, das seinen Gegnern in den ersten fünf Spielen im Schnitt 33 Tore einschenkte, kam im Angriff überhaupt nicht zur Entfaltung, weil Dansenberg sicher stand und in Frederick Lüpke einen starken Rückhalt hatte. Der Torwart brachte es bis zur Pause auf sieben Paraden, am Ende waren es acht.
Lautstark ins Gebet genommen
Man musste kein Lippenleser sein, um zu erahnen, dass Gäste-Trainer Robert Andersson mit dem Auftritt seiner Mannschaft absolut nicht einverstanden war. Beim Stand von 4:7 (16.) nahm er die Seinen in einer Auszeit lautstark und eindringlich ins Gebet. Die beste Offensive der Liga fand gegen die mit großem Aufwand verteidigenden Hausherren dennoch weiterhin kein Mittel. Auch der Torhüterwechsel brachte zunächst nichts ein. Claussen schenkte dem ehemaligen TuS-Keeper Tim Hottgenroth drei Tore in Folge ein, und Routinier Gunnar Dietrich traf zum 15:9-Halbzeitstand.
Szenenapplaus für den Keeper
Dansenberg blieb nach dem Pausentee am Drücker und baute seine Führung kontinuierlich aus. Als Lüpke beim Stand von 18:11 (37.) ein Geschoss aus kurzer Distanz entschärfte, erhielt der Dansenberger Keeper Szenenapplaus. Es sollte seine letzte Parade an diesem Abend gewesen sein. Auch der in der Schlussphase für ihn eingewechselte Michel Fiedler brachte keine Hand mehr an den Ball. Unmittelbar nachdem Claussen in Unterzahl das 22:14 (42.) erzielt hatte, setzte Ferndorf alles auf eine Karte, nahm den Torjäger in Manndeckung und stellte ihn fortan kalt. Mit einem 5:0-Lauf kämpfte sich der Spitzenreiter ins Spiel zurück und war acht Minuten vor dem Ende wieder in Schlagdistanz. „Wir haben toll gekämpft, waren hintenraus aber nicht clever genug. Vielleicht habe ich meine dritte Auszeit zu früh genommen, mir war es aber wichtig, nach den vielen Zeitstrafen gegen uns noch einmal Ruhe reinzubringen“, analysierte TuS-Coach Müller. Sein Team hätte beim Stand von 27:26 (59.) mit einem Wurf bei angezeigtem Zeitspiel den Deckel draufmachen können, Hottgenroth war jedoch zur Stelle.
Ein kräftezehrendes Spiel
„Wenn mir vor dem Spiel jemand gesagt hätte, dass wir gegen Ferndorf einen Punkt holen, wäre ich mit Sicherheit einverstanden gewesen, aber so…“, haderte der Dansenberger Trainer. Obwohl seine Mannschaft fast durchgängig in Front lag, musste sie sich mit einem Remis bescheiden, weil das kräftezehrende Spiel in der entscheidenden Phase seinen Tribut forderte. Fehlende Wechselmöglichkeiten trugen mit dazu bei, dass es trotz einer starken Mannschaftsleistung nicht zum Sieg reichte. Mit Waldgenbach (Mittelhandbruch), Marco Holstein (Bänderriss) und Robin Egelhof (Kreuzbandriss) sind drei Langzeitverletzte zu beklagen. „Natürlich schaut man sich um, aber wir werden nur Spieler verpflichten, die menschlich passen und uns sportliche weiterbringen“, stellte Müller klar.
So spielten sie
TuS Dansenberg: Lüpke/Fiedler (Tor), Claussen (11/1), Steinführer (5/3), Bösing (4), Dietrich (3), Dambach (2), T. Holstein, Dettinger (je 1).