Handball RHEINPFALZ Plus Artikel TuS Dansenberg: Am Freitag geht’s ans Eingemachte

Auch etwas, auf das der TuS Dansenberg stolz ist: seine Sporthalle im Handballdorf.
Auch etwas, auf das der TuS Dansenberg stolz ist: seine Sporthalle im Handballdorf.

Blickpunkt: Handball-Drittligist TuS Dansenberg segelt in unruhigen Gewässern. Am Samstag steht ein richtungsweisendes Heimspiel gegen den oberen Tabellennachbarn an. Doch davor geht es um noch Wichtigeres, nämlich darum, wie es für die Handballabteilung grundsätzlich weitergeht. Bei der Jahreshauptversammlung steht das Thema Ausgliederung auf der Tagesordnung.

Das Heimspiel am Samstag (20 Uhr, Layenberger-Sporthalle) gegen den oberen Tabellennachbarn Interaktiv.Handball Düsseldorf/Ratingen ist wichtig für den Handball-Drittligisten TuS Dansenberg. Doch die Jahreshauptversammlung am Tag davor stellt es in den Schatten. Denn da geht es ans Eingemachte. Auf dem Programm steht unter anderem die Debatte über eine Ausgliederung der ersten Herrenmannschaft in eine Kapitalgesellschaft.

Dass der TuS Dansenberg nicht nur über eine hervorragende Jugendarbeit verfügt, die in den vergangenen Jahren mehrere Bundesligaspieler hervorgebracht hat, sondern seit dem Aufstieg in die Dritte Handball-Bundesliga wieder zu den Top 100 im deutschen Handball zählt, ist für einen Verein aus dem kleinen Kaiserslauterer Ortsteil, der keine 3000 Einwohner hat, keine Selbstverständlichkeit.

Die erste Mannschaft des TuS Dansenberg (in Schwarz) kämpft und ist aktuell Tabellen-13. mit 5:13 Punkten und 242:275 Toren.
Die erste Mannschaft des TuS Dansenberg (in Schwarz) kämpft und ist aktuell Tabellen-13. mit 5:13 Punkten und 242:275 Toren.

Der Weg nach oben

Seit dem Gewinn der Oberligameisterschaft in der Saison 2016/17 ging es für die Herrenmannschaft kontinuierlich bergauf. Dansenberg entwickelte sich nach dem Klassenerhalt zu einer heimstarken Spitzenmannschaft, die zwischenzeitlich sogar den Aufstieg in die Zweite Bundesliga anpeilte. Dass das Ziel, sich als zweite Kraft in Rheinland-Pfalz hinter den Eulen Ludwigshafen zu etablieren, erreicht wurde, war auch das Verdienst des umtriebigen, wenn auch nicht immer unumstrittenen Teammanagers Alexander Schmitt.

Nachdem der drohende Gang in die Abstiegsrelegation im vergangenen Jahr erst am letzten Spieltag verhindert werden konnte, wurde das Wort Aufstieg vor Saisonbeginn aus dem Vokabular verbannt und die Mannschaft konsequent verjüngt. Nun scheint jedoch selbst das Minimalziel, eine sorgenfreie Runde zu spielen, ernsthaft in Gefahr zu geraten. Die auf vielen Positionen veränderte Mannschaft von Thomas Weber steckt nach neun von 30 Spieltagen bis über beide Ohren im Abstiegskampf. Der Vorsprung auf die Abstiegszone beträgt nur einen Punkt, von vier Heimspielen gingen drei verloren. Den bislang einzigen Punktgewinn in eigener Halle brachte Neuzugang Josip Repusic im Derby gegen die TSG Haßloch mit einem nervenstark verwandelten Siebenmeter zum 26:26-Endstand unter Dach und Fach.

Dass es hinter den Kulissen rumorte, wurde offenkundig, als Teammanager Alexander Schmitt Mitte Oktober für Außenstehende überraschend seinen Rücktritt anbot: „Ich habe das dann revidiert und meinen Posten im Vorstand behalten, weil mich viele Leute darum gebeten haben. Von meinen Aufgaben als Teammanager wurde ich in der Folge entbunden. Die Mannschaft ist seither sieglos, das Tabellenende rückt näher. Es muss etwas getan werden“, sagt Schmitt.

Will sich der Wiederwahl stellen: der Stellvertretende Vorsitzende Alexander Schmitt.
Will sich der Wiederwahl stellen: der Stellvertretende Vorsitzende Alexander Schmitt.

Der Rahmen der Möglichkeiten

In einer Pressemitteilung äußerste sich der 1. Vorsitzende Andreas Wilhelm dazu wie folgt: „Der TuS steht seit vielen Jahren – auch dank des Einsatzes von Alexander Schmitt – für leistungssportbezogenen Handball. Wir haben im letzten Jahrzehnt erfolgreiche und sehr intensive Spielzeiten rund um die erste Mannschaft erlebt. Mein persönlicher Dank gilt Alexander Schmitt als Teammanager in dieser Zeit. An dem vor der Saison eingeschlagenen Weg, mit einer verjüngten Mannschaft die Dritte Liga erfolgreich zu bestreiten, wollen wir als Verein jedoch festhalten. Wir wollen im Aktiven- und im Jugendbereich weiter leistungsbezogenen Handball anbieten, jedoch nur im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten.“

Schmitts Vorschlag, einen seiner Ansicht nach dringend benötigten Rückraumspieler nachzuverpflichten, um die sportliche Talfahrt zu stoppen, fand bei seinen Vorstandskollegen kein Gehör. „Der geschäftsführende Vorstand entscheidet alles mit Mehrheitsbeschluss, es gibt keine Alleingänge. Die finanzielle Situation ist aktuell nicht gut, was auch mit den lange Zeit nicht ausgeschütteten Sportfördermitteln zusammenhing. Es gibt leider auch den ein oder anderen Sponsor, der seinen finanziellen Verpflichtungen nicht wie vereinbart nachgekommen ist“, erläutert Schmitt, der weiterhin stellvertretender Vorsitzender des Vereins ist. „Es war klar, dass der Weg, vermehrt auf junge Spieler zu setzen, steinig werden könnte. Wenn man dann sieht, dass es einfach nicht funktioniert und ausgerechnet im Jubiläumsjahr der Abstieg droht, muss man so realistisch sein zu erkennen, dass die jungen Spieler noch nicht so weit sind, um in dieser Klasse kontinuierlich eine gute Rolle spielen zu können. Dazu brauchen sie Mitspieler, die sie besser machen.

Wenn erfahrene Spieler wie Jan Claussen und Vujovic, wie zuletzt geschehen, ausfallen, wird es in dieser Liga fast unmöglich, Spiele zu gewinnen. Anfang Oktober habe ich dem Vorstand daher vorgeschlagen, einen neuen Rückraumspieler zu verpflichten und diesen fremdzufinanzieren. Das wurde von meinen Vorstandskollegen abgelehnt. Dann muss man irgendwann so ehrlich sein und sagen, dass die Dritte Bundesliga so nicht darstellbar ist“, erläutert Schmitt, der sich in der Jahreshauptversammlung am Freitag allen Unkenrufen zum Trotz zur Wiederwahl stellen will.

Der Ausgliederungsantrag

Zur Abstimmung steht dann unter anderem ein Antrag des Ehrenvorsitzenden Franz Rheinheimer, der die Ausgliederung der ersten Herrenmannschaft in eine Kapitalgesellschaft vorsieht. In dem Antrag, der auf der Homepage des TuS Dansenberg einsehbar ist, heißt es unter anderem: „An einem e.V. kann sich niemand beteiligen. Im Gegensatz dazu ermöglicht eine ausgegliederte Kapitalgesellschaft den Zugang zu externen Kapitalquellen. Falls die Lizenzspielerabteilung ausgegliedert ist, kann deren etwaige Insolvenz nicht den ganzen TuS 04 Kaiserslautern-Dansenberg e.V. mit in den Abgrund reißen. Der e.V. mit seinen weiteren Abteilungen kann weiterbestehen.“

Schmitt ergänzt hierzu: „Franz Rheinheimer und ich haben bereits positives Feedback von möglichen Gesellschaftern und Investoren. Uns liegt der Gesamtverein am Herzen, dazu gehören auch die Karate-, Tischtennis- und Turnabteilung. Wir wollen mit den Gesellschaftern ein Konzept erarbeiten, das nicht nur die erste Mannschaft, sondern auch den e.V. in eine sichere finanzielle Zukunft führt. Ich wünsche mir, dass alle persönlichen Eitelkeiten bei der Versammlung beiseitegelegt werden. Ein Abstieg der ersten Mannschaft hätte auf der Einnahmenseite herbe Verluste zur Folge. Eine Ausgliederung ist daher meines Erachtens alternativlos.“

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