Kaiserslautern Traditionell modern
Ein namhafter Musiker aus unserer Region feiert heute seinen 80. Geburtstag. Die Rede ist von dem in Falkenstein im Donnersbergkreis lebenden Komponisten Peter Michael Braun. Er war von 1978 bis 2001 Inhaber des Lehrstuhls für Komposition und Musiktheorie an der damaligen Staatlichen Hochschule für Musik Heidelberg-Mannheim.
Der Wahlpfälzer Braun stammt ursprünglich aus Wuppertal. Sein umfangreiches Werkverzeichnis erfasst eine Vielzahl von Musikgattungen – von Kammermusik und Sinfonik reicht sein Spektrum über vokale und Kirchenmusik bis zum Musiktheater und elektronischen Kompositionen. Er wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Johann-Wenzel-Stamitz-Preis der Künstlergilde. Das Kaiserslauterer Pfalztheater hat 1997 seine Kammeroper „Juden“ nach Lessing herausgebracht. Überdies ist er Verfasser mehrerer theoretischer Schriften, hauptsächlich von Beiträgen zur Ästhetik der Musik. Erinnert sei zuerst an zwei Uraufführungen in dichter zeitlicher Folge: Im September 2011 wurde in Mannheim Brauns monumentaler geistlicher Entwurf, sein Oratorium, „Das Feuer Gottes“, zum ersten Mal vorgestellt und im Juni 2012 in Mainz die Orchesterfassung seines Streichquintetts „Evolution“ aus der Taufe gehoben. Der Titel letzterer Arbeit enthält in nuce das musikästhetische Credo ihres Schöpfers. Revolutionär avantgardistischen Tendenzen in der Kunst steht er kritisch gegenüber – milde ausgedrückt. Der hingegen gangbare Weg der Gegenwartsmusik ist für ihn vielmehr jener der Evolution. Dementsprechend bekennt sich Braun kategorisch zur Kontinuität der Tradition, einschließlich tonaler Strukturen, die sich in beiden erwähnten Kompositionen finden lassen. Freilich unter modernen Voraussetzungen. Wichtig ist ihm die Kommunikation mit dem Zuhörer, gewährleistet durch eine verständliche Tonsprache. Für diese brach der streitbare Komponist, ein Denker und Querdenker, in seinen Schriften etliche Lanzen. Dabei berief er sich auf die Naturgesetze der Akustik, namentlich der Oberton- und Untertonreihen. Das allerdings war keineswegs immer so. Brauns künstlerische Anfänge standen eindeutig im Zeichen innovativer Orientierungen der späten 1950er und der 1960er Jahre, beispielsweise der Kölner, Donaueschinger und Darmstädter Avantgarde. Studiert hatte er in Detmold und Köln bei Bernd Alois Zimmermann, Frank Martin, Giselher Klebe und Herbert Eimert. Anschließend folgten Studienaufenthalte in der Villa Massimo in Rom und der Cité Internationale des Arts in Paris. Im Auftrag des Goethe Instituts wirkte Braun in Asien, außerdem lehrte er in Köln an der Rheinischen Musikschule und bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik. Die Umorientierung nach der avantgardistischen Frühphase hätte allerdings nicht radikaler sein können. In „Evolution“ setzte Braun entschlossen auf Ausdruck und unverstellte Emotionalität, während „Das Feuer Gottes“ unter anderem durch farbenprächtige Klanglichkeit seine Prägung erhielt. Termin Anlässlich des 80. Geburtstags von Peter Michael Braun lädt die Kreismusikschule für Sonntag, 11.15 Uhr, zu einem Konzert ins Kreishaus nach Kirchheimbolanden ein. Joachim Schmitz (Flöte) und Wolfgang Müller-Steinbach (Klavier) spielen neben Werken Brauns auch Kompositionen von Bach und von Brauns Lehrer Frank Martin. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten