Kaiserslautern
Theatergruppe der Uni wartet mit neuer Krimikomödie auf
Der Zweiakter von Sabine Misiorny und Tom Müller beginnt recht harmlos in einem beschaulichen Haus im London einer nicht näher bestimmten Vergangenheit – die Queen lebt da noch, und das Festnetz-Telefon hat eine Wählscheibe. Hier lebt die freundliche ältere Elizabeth Wilkinson (Parya Memar, als Regisseurin und Darstellerin von Anfang an gleichermaßen wirkungsvoll präsent), die aus finanziellen Gründen eine Untermieterin aufnehmen muss.
Die erscheint denn auch alsbald in Person der netten Bankangestellten Alex Morgan (Natalia Sonnenfeld, ihre Rolle souverän und auch in längeren Passagen textsicher ausfüllend). Und mit ihr kommen nach und nach weitere, dann unerwartete Personen ins Spiel: der dienstbeflissene Polizist Gerald Carter (gespielt von Christian Kötting, der besonders mit einem Gespür für darstellerische Details die Handlung erfrischte), die neugierig-aufdringliche Nachbarin Roha Bennett (ohne in ihrer Rolle naheliegende Übertreibung agierend: Vibha Kedigemane Trivikram) und nicht zuletzt ein ominöser Versicherungsvertreter, der am Schluss noch eine wichtige Rolle spielen sollte (die Darsteller Dhanush Nadavattira dann mit viel Ausdruckstalent umsetzte). Sie alle treffen in dieser mit wenigen, aber aussagekräftigen Requisiten ausgestatteten kleinen Bühnenwelt aufeinander, erleben überraschende Wendungen, beschäftigen sich jeder auf seine Art mit aktuellen Banküberfällen in der Stadt.
Sprachliche Schmuckstücke
Der buchstäblich „gute Ton“ und die präzise Lichtregie unter der Leitung von Sophie Schug formten dabei schon einmal einen positiven Darstellungsrahmen. So ganz rund lief die Aufführung allerdings nicht – und das lag nicht an den Akteuren, sondern am Stück selbst. Besonders am Anfang zeigte sich „Untermieter ruhen sanft“ einen Tick zu langatmig, so etwa bei den zahlreichen Höflichkeits- und Gruß-Formalien.
Die Mitglieder der Theater-AG machten indes das Beste draus und „überspielten“ diese Schwäche ebenso wie sie selbst unscheinbareren Neben-Szenen – beispielsweise jene zum Umgang mit wenig schmackhaften Speisen (Stichwort kalte Suppe) – zu kleinen darstellerischen Glanzlichtern verhalfen. Plakative Slapstick-Gags und lautes Lachen darf man in diesem in der Tradition feinsinnigen englischen Humors stehenden Bühnenwerk übrigens nicht erwarten. Stattdessen arbeiteten die Autoren nette sprachliche Schmuckstückchen („So charmant wie ein Heizkörper im August“) und augenzwinkernd fürs wissende Publikum gemachte Angaben zu deutsch-britischen Gegebenheiten – bestimmte Süßigkeiten werden halt erst nach acht Uhr gereicht, also „after eight“ – zur merklichen Freude des Premieren-Publikums elegant in ihr Werk ein. Aber auch offensichtlichere Klamauk-Elemente, wenn etwa ein Einbrecher als auffallend groß beschrieben und dafür der Vergleich mit der eher zierlichen Untermieterin herangezogen wird, fehlten zur Abrundung des Komödienanteils bei diesem Stück und seiner Premiere durchaus nicht.
Autoren kommen an die Uni
Spätestens mit dem Beginn des zweiten Aktes – als Elizabeth Wilkinson leblos auf dem Boden liegt – nahm die Vorstellung dann ordentlich Fahrt auf. Kurzweilige, raschere Handlungsabläufe führten hier geradewegs zum überraschenden Ende des Stücks, dem man gerne ein etwas größeres Premieren-Publikum gewünscht hätte.
Eine besondere Sache zu den Kaiserslauterer Aufführungen gibt es noch: Die beiden Schöpfer von „Untermieter ruhen sanft“, das Autoren-Ehepaar Sabine Misiorny und Tom Müller, haben sich für die Aufführung am Donnerstag persönlich angesagt. Sie möchten vor Ort erleben, wie die Theater-AG der RPTU das bisher nur wenige Male aufgeführte Stück umgesetzt hat. Das dürfte so in der Welt des Theaters nicht oft vorkommen. Man kann den besonderen Besuchern dann gerne mitteilen, dass das Ensemble hier schonmal einen guten Eindruck hinterlassen hat.
Info
Nach der Premiere und einer weiteren Aufführung am Folgetag wird die Krimikomödie „Untermieter ruhen sanft“ noch zweimal im Audimax der Universität (Bau 42, Saal 115) aufgeführt: am Donnerstag, 24. Juli (mit angekündigter Anwesenheit der Autoren) und am Samstag, 26. Juli, jeweils um 20 Uhr. Karten gibt’s an der Abendkasse, Details zur Theater-AG und ihren Stücken im Internet unter www.uni-kl.de/theater.