Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel The Baseballs in der Kammgarn: Frisch und locker

 The Baseballs überzeugten in der Kammgarn auf ganzer Linie.
The Baseballs überzeugten in der Kammgarn auf ganzer Linie.

Eigentlich hätten die Jungs der Berliner Band The Baseballs ja schon im letzten Herbst in der Kammgarn auftreten sollen.

Eine Verletzung von Sebastian Raetzel, einem der beiden Frontleute, hatte das verhindert. Das Nachholkonzert erfolgte am Freitagabend im rappelvollen Kasino des Hauses – und zeigte prompt auf ganzer Linie: Das Warten hatte sich gelohnt.

Denn bei der stilistisch speziellen Band stimmte erwartungsgemäß – man war ja nicht zum ersten Mal vor Ort – mal wieder alles: der Sound, die Show und die Stimmung fügten sich an diesem Abend erneut zu einer sich gegenseitig beeinflussenden (und beflügelnden) runden Einheit zusammen. Dabei sind die fünf Baseballs oberflächlich betrachtet eigentlich „nur“ eine Coverband. Aber was für eine! Denn die Song-Auswahl und deren Interpretationsweise zeigt schon innerhalb weniger Takte, dass die schon mehrfach ausgezeichnete und in weiten Teilen Europas seit nunmehr 15 Jahren erfolgreiche Gruppe weitaus mehr als das ist.

Viel Einfühlungsvermögen

The Baseballs spielen nämlich erfolgreiche Hits anderer Künstler im klassischen Rock’n’Roll-Stil – gerade so, als hätte sie Elvis und Co in den 1950er Jahren präsentiert. Und dabei klingen die Titel stets so frisch und locker, als wären sie nie anders als in dieser Form erschienen. Für diese bisweilen ziemlich tief gehenden Umgestaltungen braucht man viel Einfühlungsvermögen in den Charakter des modernen Vorbilds und erst Recht in die Eigenarten und die Möglichkeiten des fast 70 Jahre alten Old School-Stils. Bei den Baseballs hat man beides.

Auf diese Weise erklang in der Kammgarn ein großes und vielschichtiges Repertoire mit modifizierten Stücken wie etwa Katy Perrys „Hot n Cold“ (vom ersten The Baseballs-Album „Strike!“ von 2009 und auch beim Kaiserslauterer Auftritt ziemlich weit vorne im Programm) bis hin zur Rock’n’Roll-Version des noch jungen Harry Styles-Hits „As It Was“ (2022). Dazwischen tummelten sich unter anderem „Angel“, „Wannabe“ und „I Believe I Can Fly“ – jeweils so, als kämen sie aus der Blütezeit des Stils. Legt man allein schon die Qualitäten jener jüngeren Titel zu Grunde, so darf man annehmen, dass sie in der Rock’n’Roll-Variante der Baseballs auch damals schon so einigen Erfolg gehabt hätten.

Moderne Musik im Vintage-Stil

Aber auch das moderne Publikum, insbesondere jenes in der Kammgarn, hatte seine Freude an der modernen Musik im Vintage-Stil (wobei man im Übrigen auch eigene Titel und fast nicht bearbeitete Original-Songs im Programm hatte). Zusätzlich animiert vor allem durch lockere Sprüche von Sven Budja (Gesang/Gitarre) und dem wieder vollständig genesenen Sebastian Raetzel (Gesang) ging es bis zum letzten Ton des über zweistündigen Konzerts begeistert mit.

Ein häufiger Running Gag war dabei die Erwähnung des Auftrittsorts: Immer wenn unsere Stadt vollständig oder auch nur als „Lautern“ in den Ansagen erwähnt wurde (und das wurde es eben oft), gab es weisungsgemäß und des naheliegenden, sonst kaum irgendwo anders funktionierenden Wortspiels wegen auch „laute“ Reaktionen der dicht gedrängten Fans. So schafft man zusätzliche Stimmung ins Haus.

Verlässliche Begleitband

Zwar sind nun die beiden vor allem auch frisurenmäßig auf 1950er Jahre eingestellten Masterminds stets im Vordergrund des Geschehens. Aber sie wissen bei all dieser starken Präsenz auch durchaus, welchen Anteil am Erfolg ihre verlässliche Begleitband hat. Und so gaben sie für einen ordentlichen Teil des Konzerts die Bühne frei für Gitarrist Till Kersting, Kontrabassist Klaas Wendling und Schlagzeuger Henry Grant, auf dass diese als Trio auch einmal ganz ohne das sonst übliche dynamische Duo davor ihre musikalischen Fähigkeiten zeigen konnten. Beides hatte Stil, sowohl dieses Überlassen eines Auftritts-Parts als auch die dadurch folgende Darbietung.

Zurückhaltend wurde es an diesem Abend nur ein einziges Mal, als Budja und Raetzel zum (natürlich lautstark) geforderten Zugabenteil unerwartet mitten im still gewordenen Publikum erschienen und dort nur zum Klang der Gitarre den Elvis-Hit „Can’t Help Falling In Love“ intonierten. Ein in jeder Hinsicht „starkes Stück“, dessen Wirkung und Beifallstärke danach nur noch vom Rock’n’Roll-mäßig weiter aufgebohrten, schon im Original in diese Richtung gehenden „Footloose“ übertroffen wurde.

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