Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Sydney Ellis begeistert im Kulturzentrum Kammgarn

Überzeugt mit Ausstrahlung und Stimme: Sydney Ellis.
Überzeugt mit Ausstrahlung und Stimme: Sydney Ellis.

Eine tolle Stimme und eine beeindruckenden Bühnenpräsenz zeigte Sydney Ellis im Cotton Club. Mit ihrer Band setzte sie neue Maßstäbe.

Eine charismatische, ja fast hypnotisierende Lichtgestalt eroberte am Mittwoch im dicht besetzten Cotton Club des Kulturzentrums Kammgarn die restlos überwältigten Besucher im Sturm: Sydney Ellis präsentierte sich als Grand Dame des Jazz und Soul in all seinen Facetten und ließ über ein Jahrhundert afroamerikanischer Musikgeschichte eindrucksvoll Revue passieren.

Die 1947 in West Virginia geborene Ausnahmekünstlerin erscheint als fünffache Mutter und siebenfache Großmutter eigentlich eher im Schoß der Großfamilie zu Hause. Doch seit den 1990er-Jahren zieht es sie in die Jazz-Hochburgen Los Angeles, New Orleans und Chicago. Allein in Los Angeles trat sie in über 300 Musikclubs auf, sog dort im Austausch mit anderen Musikerinnen und Musikern zahlreiche Stilrichtungen auf – eine bunte Melange, die sie nun auf der Bühne präsentierte.

Ihre Welt ist die Bühne

Seit drei Jahrzehnten tourt Ellis mit verschiedenen Bands durch Europa. Auf der Bühne – ihrer eigentlichen Welt – blüht sie förmlich auf: sprudelnd in der Moderation, elektrisierend in schmeichelnden Balladen und bewegend in emotionsgeladenen Songs. Ihre elegante, fast choreographische Bühnenpräsenz vereint die Leichtigkeit und Anmut eines Teenagers mit der emotionalen Tiefe einer erfahrenen Künstlerin: Da sind in Alltagsepisoden die gesellschaftlichen Spannungen und inneren Zerwürfnisse spürbar und nachvollziehbar. Kurz: Sydney Ellis ist nicht nur eine authentisch wirkende Sängerin, sondern auch eine Botschafterin, die mit ihrer aufrüttelnden Stimme dramatische Spannungen und beklemmende Wirkungen erzeugt.

In der Mischung aus klassischem Jazz, Blues, Soul und Boogie-Woogie – brillant unterstützt vom Pianisten Christian Jung – passte sich ihre Begleitband The Midnight Preachers nahtlos der Gratwanderung zwischen kontemplativer Ruhe und ekstatischer Intensität an. Besonders der herausragende Tenorsaxophonist Hugo Scholz erwies sich als ihr musikalischer Schatten: Er imitierte, parodierte und umspielte ihre vokalen Höhenflüge mit der Strahlkraft eines kraftvollen, kernigen und durchdringenden Sounds. Sein Saxophon klang mitunter wie eine Urgewalt – ein Urschrei, der die Emotionen noch weiter intensivierte. Er und der Pianist sind eine herausragende Klasse für sich, die sogar noch viele regionale Größen toppen.

Neue Maßstäbe gesetzt

Dagegen agierten Bassist Kevin Post und Schlagzeuger Christoph Zeigner dezent im Hintergrund. Sie hielten mit stoischer Gelassenheit den Rhythmus und „den Laden“ zusammen. Gemeinsam boten alle Musiker eine Performance, die professionelle Solidität mit der Inspiration des Augenblicks und feiner Intuition verband – und damit neue Maßstäbe setzte.

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