Fussball
SV Mackenbach: Spieler düsen von Aufstiegsfeier direkt nach Mallorca
Wer plärrt denn da so ’rum? Ein Irrwisch tobte über den Rasen am Rinnsal namens Alsenz: „Wir war’n tot, vor zwei Jahren waren wir so was von tot ...“, krächzte der unschwer als SVM-Funktionär zu erkennende Tobsüchtige, als die Stimme ihren Dienst zu verweigern drohte. Diagnose: Nein, kein Irrsinn. Einfach nur irrsinnige Freude. Soeben hatte „sein“ Verein den TuS Göllheim geputzt und so im Relegations-„Endspiel“ den Aufstieg in die Bezirksliga perfekt gemacht. 4:0 gegen den favorisierten „Vize“ der A-Klasse Kaiserslautern-Donnersberg: Nein, damit war nicht unbedingt zu rechnen.
Nicht nur Dennis Hofmann war mit dem Schlusspfiff aus dem Häuschen. Er aber hatte mit dem Satz „Wir waren schon tot“ treffend beschrieben, welch wundersame Wandlung sich beim Sportverein 1920 Mackenbach vollzogen hat. Und er kann’s auch erläutern, schließlich gehört Hofmann neben Christian Kauf und Jochen Warnke zum Vorstands-Triumvirat.
Reichlich Konkurrenz in der Nachbarschaft
Hofmann ist Sport-Vorstand. Und darf sich freuen auf die neue Herausforderung. „Die nehmen wir an, auch wenn wir wissen: Es wird um nichts anderes als um den Klassenerhalt gehen.“ Aber konkurrenzfähig sei das Team allemal. Tut die neue Umgebung aber tatsächlich nur gut? „Es ist ja immer ein Zwiespalt“, beschreibt Hofmann das, was nicht wenige Meister und Aufsteiger hin- und her reißt: Jeder will siegen, jeder Sportsmann das Erfolgserlebnis auskosten. Doch Verstand und kühle Kalkulation sagen eben oft was anderes: Längere Fahrten, weniger Lokalduelle, hinten rumkrebsen statt vorn mitmischen: Schattenseiten eines Aufstiegs.
Für den SVM wird zumindest der Spielplan nicht langweiliger, im Gegenteil. Der bisherige Ligakonkurrent und Meister FV Ramstein, Absteiger FV Reichenbach, der SV Weilerbach: Besser geht’s ja nimmer.
Corona-Abbruch verhindert den Absturz
Wieso aber war Mackenbach tot? Der Sport-Chef berichtet vom personellen Aderlass im Sommer 2019, von einer Horror-Halbrunde, nach der das Team als abgeschlagenes Schlusslicht überwinterte und der B-Klasse entgegen wankte. Dann aber kam die personifizierte Hoffnung: Ein Altgedienter, der spielen, sich zudem auch erste Sporen als Trainer verdienen wollte. „Das war eine Initialzündung. Das hat Leistungsträger bewogen, zu bleiben, und andere, zu uns zu kommen.“
Vor allem halt auch „alte“ Mackenbacher. Dennis Plath, Christian Steil, Tobias Eckler kehrten gern zurück. Nicht in die B-Klasse – wegen des Corona-Abbruchs blieb der Abstieg erspart. In alter Umgebung formte der „neue“ Coach eine Mannschaft, die sich bis zum zweiten Rundenabbruch gut schlug. Und die jetzt allen gezeigt hat, was wirklich in ihr steckt.
Batista Meier macht den Unterschied
In seiner ersten „ganzen“ Saison hat der Spielertrainer die Mannschaft zum Aufstieg geführt. Dass er als Stürmer eine Granate ist, war ohnehin bekannt. Heiko Batista Meier ist es, mit dem der Mackenbacher Aufstieg so eng verbunden ist. Der Torgarant war auch in der Relegation der Akteur, der den Unterschied verkörpert hat: Doch spielt er schließlich nicht allein. Entscheidend war eine beeindruckende Kollektivleistung: Vorzüglich eingestellt, hatte die Truppe am Sonntag in Münchweiler alles richtig gemacht, vor allem konzentriert verteidigt, den Gegner nicht ins Spiel finden lassen, auch selbst agiert.
Wohlsortiert hatten die Westpfälzer nach ihrer 1:0-Führung der Nordpfälzer Attacke geharrt. Immerhin hatte der SVM drei Tage zuvor gespielt, der TuS eine Woche Pause. Wohldosiert gingen Kapitän Konrad Kaffenberger und Co. mit ihren letzten Kraftreserven um und hielten den Gegner auf Distanz. Bis der Trainer den Rest erledigte und die Göllheimer abschoss.
Keeper kommt eigens fürs Spiel aus der Türkei
Bis Montag wurde gefeiert – dann sind fast zehn Spieler spontan nach Mallorca aufgebrochen, wie Hofmann am Dienstag verriet. Noch verrückter: Keeper Max Stuppy hatte fürs erste Spiel sogar seinen Türkei-Urlaub unterbrochen, war heim, wieder hin und am Samstag zurückgeflogen. Es hat sich gelohnt: Stuppy, für den verletzten Unglücksraben Michael Kauf eingesprungen, war der große Rückhalt.