Kaiserslautern Suche Schlafcouch, biete Coaching

Vor einem Haus in Norddeutschland: Jens Steinhagen auf seiner Deutschland-Fahrrad-Tour.
Vor einem Haus in Norddeutschland: Jens Steinhagen auf seiner Deutschland-Fahrrad-Tour.

Jens Steinhagen ist in den vergangenen Monaten viel in Deutschland rumgekommen. Ein Fahrrad ist zu dabei zu seinem ständigen Begleiter geworden. Am 21. März endet in Krakau seine Etappenreise mit dem Pedelec. Dann hat er sämtliche Bundesländer sowie alle Nachbarländer Deutschlands bereist. Am Freitag, 1. März, führt ihn sein Weg nach Kaiserslautern. Steinhagen sucht für die Nacht noch eine Übernachtungsmöglichkeit, denn er möchte seine Erfahrung mit möglichst vielen Menschen teilen. Das treibt ihn an.

Eine feste Unterkunft bucht Steinhagen im Vorfeld seiner Etappen selten. Stattdessen schläft der 58-jährige Wahl-Kölner bei fremden Gastgebern auf der Couch. Die Bezahlung dafür: ein Coaching. Viele neue Eindrücke hat er so gesammelt, bewusst habe er sich auf die unterschiedlichen Gastgeber – Familien, Singles, Studenten-WGs, ältere oder jüngere Menschen – eingelassen: „Ich habe nicht bewertet, wo ich hingekommen bin und dabei auch akzeptiert, wo ich gelandet bin auf meiner Reise“, sagt er. Coach-Surfing nennt Steinhagen sein Projekt, abgeleitet vom Begriff Couch-Surfing. Das bezeichnet das Übernachten bei Reisen auf dem Sofa daheim bei fremden Leuten. In den vergangenen Jahren entstand weltweit eine eigene Fangemeinde, die diese Art des Reisens als besonders authentisch schätzt. „Was mir die Leute erzählen und das Thema des Coachings, ist auf dieser Reise vollkommen egal“, sagt Steinhagen. Fragen zu den Themen „Geld, Beruf, Kinder, Liebe oder auch Entscheidungen und Prägungen der Kindheit“ sind ihm bislang auf seiner Fahrrad-Reise begegnet. Er möchte Denkanstöße geben, die Blickrichtung der Personen ein wenig verändern und ihnen vermitteln, „dass das Leben leicht ist“. Frage ihn beispielsweise eine Frau, zwei Kinder, verheiratet, gut bezahlter Job, aber mit diesem nicht glücklich, nach einem Rat, will er aufzeigen, wie sie zu einer für sich passenden Entscheidung gelangen kann. Entspannungstechniken, die Akzeptanz verschiedener innerer Haltungen sowie körperliche Übungen können helfen, Dinge klarer zu sehen, erklärt Steinhagen. „Ich weiß es auch nicht besser, habe nur Einstellungen und Methoden, um die Menschen dahin zu bringen, wo sie selbst hinwollen“, erklärt er. Er selbst will nach Krakau, angetrieben von dem Gedanken „einerseits unser Land“ besser kennenzulernen – geografisch, aber auch mit einem Blick von „innen nach außen und von außen nach innen“. Andererseits möchte er etwas über die Menschen erfahren, wie sie sich nach Region voneinander unterscheiden, er will ihnen Hilfestellung bieten. „Ich war vorher noch nie länger als einen Tag mit dem Fahrrad unterwegs, nie über Nacht. Da war ich zunächst total nervös und hatte die Idee, ob ich einen Knall habe, mich auf etwas einzulassen, von dem ich nicht weiß, wo es hinführt“, erklärt er. Doch weil er Mitte des vergangenen Jahres Zeit hatte, „nicht nur in Köln den Dom angucken“ und in erster Linie für seine Söhne, „aber auch für andere Jugendlichen“, ein Vorbild sein wollte, wagte er den Sprung aufs Rad. „Ich finde es schade, wenn sich Menschen etwas nicht trauen“, sagt er. Deswegen versucht er seine Erfahrung weiterzugeben, „dass das Leben eigentlich einfach ist“, sogar die großen Dinge wie eine Tour quer durch Deutschland mit dem Rad keine Hürde ist, „dass Spaß und Freude sehr wichtig sind“. Seit August 2018 ist Steinhagen, aufgewachsen in der Nähe von Hannover, in verschiedenen Tagestouren entlang deutscher Flüsse geradelt, hat Bremen genauso besucht wie Freiburg, erlebte die Mentalität der Ostfriesen und stellt sich in wenigen Tagen den Saarländern. Von dort geht es nach Kaiserslautern. 7000 Kilometer werden Ende März nach fünf Monaten hinter ihm liegen, 100 Familien will er mindestens besucht haben, ein Buch über seine Erlebnisse als Coach-Surfer schreiben. „Rein physisch ist die Reise nicht anstrengend, seelisch ist sie leicht, sehr belebend, ein Jungbrunnen“, sagt er. So sehr, dass er in wenigen Wochen mit seiner Frau zur nächsten Etappenfahrt aufbrechen wird. Mit dem Fahrrad und in dem sicheren Wissen, „dass das Leben leicht ist“ und Veränderungen nur durch neue Erfahrungen entstehen. Info Wer von Jens Steinhagen gecoacht werden und ihm dafür für die Nacht von 1. auf 2. März einen Schlafplatz anbieten möchte kann sich per E-Mail an jens.steinhagen@googlemail.com wenden.

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