Kaiserslautern
Studentenwohnheim ESA nach Sanierung eingeweiht
Dass selbst bei der offiziellen Einweihung jeder von ihnen anpackte – ob Ministerin, Uni-Präsident oder Student –, Schaufel oder Eimer in die Hand nahm und so das Projekt gemeinsam weiter vorangetrieben hat, ist bezeichnet. Denn das ESA (Energiesparende Studentenwohnheim Architekturökologie) ist ein Gemeinschaftsprojekt: 1981 angeregt vom Kultusministerium, wurde es umgesetzt von den Fachbereichen Architektur, Bauingenieurwesen und Raum- und Umweltplanung der Uni, unter großer Beteiligung der Studierenden wie auch externer Firmen oder der Meisterschule. 2018 stand es vor dem Aus und wurde durch den Einsatz der Studierenden gerettet.
„Sonst gibt es bei einem Bauprojekt den Spatenstich, bei dem Erde ausgebuddelt wird“, sagte Peter Spitzley, Geschäftsführer des Fachbereichs Architektur, „wir werden hier nun Erde reinbuddeln. Und zwar mit einer Menschenkette. Dort stehen die Eimer“, forderte er die Umstehenden und die Sitzenden auf den Bierbänken vor dem ESA auf. Denn einen Großteil seines Charmes zieht das Gebäude aus den Gärten im Inneren: Das ESA sieht nicht nur wie ein Gewächshaus aus, sondern ist im Prinzip eines. Unter der großen, gläsernen Hülle stecken viele ineinander verschachtelte kleine Gebäude, dazwischen ist viel Platz für Pflanzen und Beete. „Vor jedem der 20 Zimmer ist ein Garten“, erklärte Bauherrin Annette Mechel von der Stiftung für die RPTU der Ministerin bei einem anschließenden Rundgang durchs Innere.
Und diese Flächen galt es nun mit Erde zu füllen. Zumindest einen Teil der ebenerdigen. „Wir bringen jetzt die Erde vor das Zimmer 8“, wies Spitzley an – und alle folgten begeistert. Im Nu stand die doppelreihige Menschenkette, die volle Eimer hinein und leere hinausbeförderte.
Hand in Hand ging es zwar meistens, aber nicht immer beim ESA. 2018 stand das Wohnheim vor dem Abriss. Das Studierendenwerk, unter dessen Trägerschaft das Haus damals stand, betrachtete eine Fortführung des sanierungsbedürftigen Hauses als unwirtschaftlich. Doch nicht nur die Bewohner und Studierenden lehnten sich gegen einen Abriss des ehemaligen Vorzeigeprojektes auf: Sie fanden Unterstützung bei Professoren und auch dem damaligen Uni-Präsidenten Helmut Schmidt. „Nachdem er das Haus besichtigt hatte, ging es nicht mehr darum, ob, sondern wie das ESA erhalten wird“, erinnerte Mechel in ihrer Ansprache. „Medienwirksam“ hätten die Bewohner damals auf die Situation hingewiesen und für den Erhalt gekämpft. Schmidts Nachfolger Arnd Poetzsch-Heffter habe sofort am selben Strang gezogen.
Denkmalschutz statt Abriss
Die Stiftung erklärte sich bereit, das ESA zu übernehmen. Damit war die Idylle am Waldrand, die nun wieder neue Strahlkraft als Leuchtturmprojekt bekam, gerettet. 2019 wurde es sogar vom Denkmalschutz geadelt. Rund zwei Millionen Euro wurde für die Sanierung veranschlagt. Neben dem Land gaben die Stiftung und private Spender Geld.
„Der Denkmalschutz gibt uns vor, zu erhalten, aber auch zu recyceln“, brachte Eder das ökologische Dilemma auf den Punkt. „Der Bausektor ist für rund 40 Prozent der CO 2-Emissionen verantwortlich“, referierte sie. Umso wichtiger seien deshalb Projekte wie dieses. „Das ESA weist eine Energiekosteneinsparung von bis zu 90 Prozent auf“, und eine Energieeigenversorgung von bis zu 50 Prozent. Mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach erreicht es sogar eine positive Energiebilanz. Es gelte wegzukommen von fossilen Energieträgern. Dies schaffe das ESA: Durch die Photovoltaik- wird die Stromversorgung und durch eine Solarthermie-Anlage mit einem Erdwärmespeicher die Wärmeversorgung zu 100 Prozent regenerativ erfolgen.
Dass in Kaiserslautern 2018 etwas getan wurde, was sonst bis dato die Architektur kaum im Blick hatte, betonte Dirk Bayer, Dekan des Fachbereichs Architektur, der sich früh für das ESA einsetzte: „Erhalt statt eines Abrisses und Neubaus“, denn so könnten Bauen und Klimaschutz in Einklang gebracht werden.
55 Grad im Inneren
Dass künftig „niemand mehr bei 50 Grad gebacken wird“, freute Ex-Bewohner Jakob Herz, der in der „ESA-Bauhütte“ auf der Baustelle mitgearbeitet hat. Für ihn ist das Wohnheim in dreifacher Sicht ein Leuchtturmprojekt: „Bei der energetischen Sanierung, der studentischen Beteiligung und beim gemeinschaftlichen Zusammenleben.“ Tatsächlich „wurden Temperaturen bis zu 55 Grad gemessen“, berichtete Mechel. Und im Winter herrschten schon mal Minustemperaturen, fuhr Spitzley fort, „die den Gang zum Bad zur Tortur machten – oder man hatte ein Töpfchen.“ Solche Extreme sind durch Maßnahmen wie Beschattung, bessere Belüftung und Wärmepumpen Geschichte.
Für 285 bis 295 Euro warm kann man im ESA wohnen – wenn man einen Platz kriegt. Die Auswahl treffen die Bewohner selbst. „Drei, die vor der Sanierung hier wohnten und wieder einziehen, suchen jetzt ihre Mitbewohner aus“, erläuterte Mechel. Zum Wintersemester soll der Einzug sein, „bei zwei Zimmern sind wir noch nicht ganz sicher, ob wir es schaffen.“
Eder zeigte sich fasziniert von dem Projekt und der Atmosphäre des Gebäudes. „Es ist ein großes Privileg, hier zu wohnen und zu studieren.“ Um den baulichen Anforderungen gerecht zu werden, bekamen drei Räume Fluchttüren zum Hang. „Wir werden hier wohl Rutschen nach unten anbauen“, erzählte Mechel fast beiläufig – und brachte Eder damit noch mehr zum Staunen.