Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Striesow und Weinzierl in der Fruchthalle: Eine Kombination, die begeistert

Der Schauspieler Devid Striesow liest eine Bühnenfassung der Blechtrommel, begleitet von Schlagzeuger Stefan Weinzierl.
Der Schauspieler Devid Striesow liest eine Bühnenfassung der Blechtrommel, begleitet von Schlagzeuger Stefan Weinzierl.

Am Donnerstagabend präsentierten sich der Schauspieler Devid Striesow und der Multi-Instrumentalist Stefan Weinzierl in der Kaiserslauterer Fruchthalle als wahre Könner.

Schauspieler sind per se in aller Regel auch gute, stimmlich geschulte Rezitatoren. Und Schlagzeuger sind oft auch fesselnde Klangkünstler, die weit über ein erwartbares Sound-Bild hinausgehen. Welch eine geniale Kombination muss sich da erst ergeben, wenn ein versierter Schauspieler und ein erfahrener Schlagzeuger (der dann auch noch weitere Instrumente beherrscht) in enger interpretatorischer Kooperation ein Stück großer deutscher Literatur in nicht alltäglicher Form auf die Bühne bringen? Die Antwort lieferte am Donnerstagabend der Schauspieler Devid Striesow und der Multi-Instrumentalist Stefan Weinzierl im Rahmen des vierten Literaturfestivals Kaiserslautern in der voll besetzten Fruchthalle.

Literarische Grundlage der Konzertlesung waren ausgewählte Ausschnitte aus dem Jahrhundertroman „Die Blechtrommel“ des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass (1959) – ein Werk, das die Zeit des Nationalsozialismus in überbordender Sprache thematisiert. Protagonist des Romans ist Oskar Matzerath, der als Protest gegen die Erwachsenenwelt im Alter von drei Jahren sein Wachstum einstellt. Gleichwohl beobachtet dieser ungewöhnliche, fortan mit Hingabe auf seiner Kindertrommel spielende Charakter aus seiner nur äußerlich kindlichen Perspektive heraus diese immer bedrohlicher werdende Welt, kommentiert sie, greift in sie ein, protestiert.

Mehrschichtige Handlung

Diese Mehrschichtigkeit in Handlung und Person fand ihre Entsprechung auch in der von zwei Könnern ihres jeweiligen Metiers getragenen Konzertlesung. Da war zum einen der mehrfach preisgekrönte Theater-, Fernseh- und Filmschauspieler Devid Striesow, der mit markanter Stimme und passgenauem, wohl akzentuierendem Lesetempo die an stilistischen Mitteln und inhaltlichen Höhepunkten reichen Passagen des Romans adäquat umsetzte. Dass Striesow durch und durch Schauspieler ist, war oft auch an seiner den Worten folgenden Mimik und Gestik zu entnehmen. Das verstärkte die Wirkung von Sprache und Inhalt stellenweise noch einmal nicht unerheblich.

Da war zum anderen Stefan Weinzierl, Ideengeber der fruchtbaren Zusammenarbeit und expressiver Musiker an Vibraphon, Marimba und vor allem Percussion-Instrumenten. Mit seinen bisweilen elektronisch ver- und bearbeiteten Klängen, Melodien und insbesondere Rhythmen verlieh er sowohl Grass’ vorgegebenen und erst Recht Striesows live und lebendig artikulierten Worten eine ganz besondere Intensität und Qualität.

Nazi-Veranstaltung gerät aus dem Takt

Mal wie ein Geräuschemacher in frühen Filmen, meist aber das gerade Erzählte während des Vortrags entweder untermalend oder anschließend passend kommentierend gab Weinzierl damit dem Stoff besonders dann zusätzliche Fülle, wenn es um Musik allgemein oder speziell und naheliegenderweise um die titelgebende Trommel ging. Herausragend und in guter Erinnerung blieb an jenem Abend in der Fruchthalle hier etwa jene Szene, in der Oskar Mazerath mit seinem rhythmisch gegenläufig eingesetzten Instrument eine Nazi-Veranstaltung buchstäblich aus dem Takt bringt. Weinzierl inszenierte das akustisch perfekt (und komplett live), indem er bruchlos einen zackigen Marschrhythmus mit einem schwungvollen Walzer kombinierte.

Eine große literarische Vorlage, ein versierter Rezitator (der im Übrigen selbst ein erfahrener Musiker ist) und ein Instrumentalist, der zielsicher und mit viel Einfühlungsvermögen alles aus seinem Equipment herauszuholen vermochte – das war eine Kombination und Kooperation, die – allein der anhaltende Schlussapplaus sollte es zeigen – begeistern konnte.

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