Kaiserslautern
Streiks in der Westpfalz: 1500 Menschen bei Kundgebung auf dem Stiftsplatz
Ihre Trillerpfeifen waren schon lange zu hören, ehe die Streikenden selbst zu sehen waren. Begleitet von einer Musikkapelle zogen die Teilnehmer die Fischerstraße entlang, bevor sie – flankiert von der Polizei – in die Friedrichstraße abbogen. Von dort führte der Weg der Demonstranten an der SWK vorbei. Hier hatte der Streik dafür gesorgt, dass die Busse der SWK Stadtwerke Kaiserslautern Verkehrs-AG an diesem Tag nicht fuhren.
Zum Streik aufgerufen hatte die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi). Sie habe mit 1300 Personen gerechnet, gekommen seien schließlich gut 1500, sagte Sabine Schunck, stellvertretende Verdi-Bezirksgeschäftsführerin, bei der Kundgebung auf dem Stiftsplatz. „Das gibt ein deutliches Signal, dass die Menschen hinter den Forderungen stehen“, betonte Marcel Schulz, Geschäftsführer der DGB-Region Westpfalz, der zur Unterstützung der Streikenden gekommen war.
Westpfalz-Klinikum und Sparkasse beteiligt
Die Teilnehmer stammten aus der ganzen Westpfalz, woher genau, schilderten einige auf der Bühne, die für die Kundgebung aufgebaut war: Vom Westpfalz-Klinikum, Standort Kaiserslautern, seien 130 Mitarbeiter gekommen, der Standort Kusel sei mit 65 Streikenden vertreten und auch vom Standort Kirchheimbolanden seien etliche Mitarbeiter da. Der Streik habe im Umfeld des OPs sowie in weiteren Funktionsbereichen zu Einschränkungen geführt, berichtete Dennis Kolter, Pressesprecher des Westpfalz-Klinikums, am Abend. „Die Notfallversorgung war an allen Standorten selbstverständlich jederzeit sichergestellt“, betonte er.
Die größte Gruppe stellte laut Verdi die Belegschaft der Sparkasse Kaiserslautern, hier seien 170 Mitarbeiter auf die Straße gegangen, unterstützt von Kollegen der Kreissparkasse Kusel. „Das nächste Mal knacken wir die 200“, versprach eine Sprecherin der Gruppe auf der Bühne. Mit dabei hatten sie das Sparschwein „Paula“, das in der ersten Reihe des Zuges zu sehen war. „Wir wollen nicht zerstückelt und ausgeschlachtet werden“, sagte ein Sprecher der Streikenden mit Blick auf die bisherigen Verhandlungen. Vom Wetter – es gab nur sehr kurze Regenpausen – ließen sich die Streikenden nicht beeindrucken: „Selbst wenn es heute Mist geregnet hätte, wäre das noch besser gewesen als das Angebot, das uns die Arbeitgeber unterbreitet haben“, hieß es von Sparkassen-Beschäftigten.
Bei dem Geldinstitut hatte sich die Arbeitsniederlegung bemerkbar gemacht: Durch den Streik seien vier Geschäftsstellen der Sparkasse in Stadt und Landkreis geschlossen gewesen, bestätigte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage.
„Mehr Geld und mehr Wertschätzung“
Vom Pfalzklinikum beteiligten sich 70 Personen am Streik. „Wir wären auch beim nächsten Mal wieder dabei!“, betonten die Gruppensprecher auf der Bühne. Von der Stadtverwaltung Kaiserslautern, inklusive Eigenbetrieben, waren 150 Personen auf der Straße. Bei der Stadtbildpflege (SK) hat der Streik zu deutlichen Ausfällen geführt, berichtete Werkleiterin Andrea Buchloh-Adler im Nachgang. So seien eine Bio-Tour, drei Papier-Touren und eine Elektroschrott-Tour ausgefallen. Pro Tour werden 500 bis 1000 Behälter eingesammelt, gibt sie eine Größenordnung. „Restmüll wurde komplett gefahren“, so Buchloh-Adler. Die Biotonnen-Leerung soll nachgeholt werden, die der Papiertonnen hingegen nicht. Diese würden erst wieder beim nächsten Termin geleert. Was sich bis dahin zusätzlich an Papier ansammle, könne dazugestellt werden. Für den Elektroschrott müsse ein neuer Termin vereinbart werden.
Die Mitarbeiter des Pfalztheaters waren mit 35 Leuten vor Ort, berichteten sie im Gespräch. Zwei große Themen beschäftigten die Menschen, die DGB-Organisationssekretärin Martina Schuler auf den Punkt brachte: Mehr Wertschätzung und mehr Geld seien die gerechtfertigten Forderungen der Streikenden.
Beschäftigte der Stadtverwaltung Pirmasens
Aus Pirmasens meldeten sich etliche Streikende zu Wort. Allein 350 Beschäftigte der Stadtverwaltung seien da: „In Pirmasens ist heute alles geschlossen, das einzige, das noch offen ist, sind die Parkplätze“, schallte es von der Bühne – quittiert von lautstarkem Trillern aus vielen, vielen Pfeifen.
Vom städtischen Krankenhaus Pirmasens seien 70 Personen da, die Abgeordnete der Sparkasse Südwestpfalz mit Sitz in Pirmasens meldete 30 Teilnehmer. Die Stadtwerke Pirmasens seien mit 60 Personen vertreten. Weiter waren Angestellte des Badeparadieses in Zweibrücken zu hören, das nach ihrer Auskunft am Streiktag geschlossen blieb. Auch Erzieherinnen von Kitas aus der Region traten für ihre Forderungen ein.
Michael Blug, Landesbezirksleiter von Verdi und an den Tarif- und Besoldungsverhandlungen in Potsdam beteiligt, berichtete davon, dass die Stimmung der Beschäftigten zwischen Wut und Enttäuschung schwanke. Anstatt die Situation für die Beschäftigten zu verbessern, werde in einigen Bereichen sogar über Verschlechterungen nachgedacht, kritisierte er. Dazu zähle beispielsweise die Überlegung, Zulagen für Nachtschichten bei den Stadtwerken zu streichen.
Alexander Stumpf, Betriebsratsvorsitzender der SWK Versorgungs AG, und Jürgen Knoll, Verdi-Bezirksgeschäftsführer Pfalz, forderten die Beschäftigten dazu auf, weiter für ihre Rechte einzutreten. „Wir zeigen, dass wir da sind“, betonten sie und kündigten weitere Aktionen für die kommenden Tage an.
Verdi fordert in der anstehenden Tarifrunde für die Angestellten von Bund und Kommunen 10,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.