Kaiserslautern Storchenturm: Genaueres Hinhören lohnt

Die junge Lauterer Kombo Bluesky gastierte am Freitag zum zweiten Mal im Restaurant Storchenturm. Während draußen die „Swinging Lautern“-Sause vonstatten ging, luden die jungen Musiker zu einem gemütlichen Stelldichein mit Blues-Klassikern von Clapton über Petty bis hin zu Freischlader. Der 18-jährige Frontmann, Sänger und Gitarrist Felix Franke zog alle Register der Gitarrenkunst.
Das Quartett ist erst zwei Jahre jung, musikalisch scheint der Reifeprozess aber längst absolviert. Was als reines Spaßprojekt begann, entwickelten Felix Franke (Gesang/Gitarre), Julia Reiß (Gitarre), Christoph Wachter (Bass) und Paul Reiser (Schlagzeug) im Oktober 2013 zu einer beachtlichen Coverband. Das gemeinsame Ziel: Die altehrwürdigen Klassiker des Blues-Rock in die Jetztzeit zu holen. Live miterlebt haben die Franke und Co. den Sound der Woodstock-Ära zwar nicht, dafür spielen sie ihn so präzise, als wären sie dabei gewesen. Schon mit dem ersten Stück machten die vier Jungmusiker deutlich, mit welcher klanglichen Spannweite sie zu Werke gehen. Ihre Version von Jimi Hendrix′ „All Along the Watchtower“ vereinte jugendliche Spielfreude, reife Technik und eine Klangfülle, die den Gitarrengott selbst sicherlich stolz machen dürfte. Damit war die Ouvertüre des Abends mit vollkommener Meisterschaft gesetzt. In gleicher Qualität ging es weiter mit Kompositionen von Robert Cray, Peter Greens „I loved another Woman“ und Bill Withers „Ain’t no Sunshine when She’s Gone“. Die musikalische Umsetzung dieser Evergreens demonstrierte das Können der jungen Besetzung in all seiner Pracht. Sänger Felix Franke ist zweifellos die kleine Sensation der Band. Er beweist, was Talent und Fleiß gemeinsam bewirken können. Achtzehn Jahre jung und doch ein echter Profi an der Gitarre, manövrierte sich der Musiker aus Ramstein-Miesenbach mühelos durch sämtliche Facetten eines Titels, begeisterte mit technischer Makellosigkeit und lebte jeden gespielten Ton − was nicht zuletzt seine Mimik authentisch zum Ausdruck brachte. Ob am Sechssaiter, Zwölfsaiter oder auf der Blues Harp: Franke ist ein Multitalent, auf das es zu achten gilt. Mit einem beeindruckenden Fingerspitzengefühl und einem noch besseren Gehör fürs Detail eiferte er musikalischen Vorbildern wie Neil Young, Bob Dylan und Eric Clapton nach. Immer dicht am Original zog das Ausnahmetalent mit langen komplexen Soli in seinen Bann, formte aus schlichten Melodien virtuose Passagen durch alle Stimmgruppen und versprühte den besonderen Hauch von Nostalgie im Raum. Noch füllen hauptsächlich neu vertonte Klassiker das Repertoire der Lauterer Formation. Langsam aber sicher wird sich jedoch auch an erste eigene Werke herangetraut. So zum Beispiel ein selbstverfasster Song, bei dem es um Flüchtlinge aus Afrika geht, die mit einem Schiff nach Europa steuern und es oftmals nicht bis ans Ziel schaffen. „Wir sollten da nicht wegschauen“, appellierte Wachter empathisch an das Publikum, das jedoch mehr mit Essen und eigenen Gesprächen beschäftigt schien. Schade, denn bei diesem aussagekräftigen Song lohnte sich ein genaueres Hinhören. Zumindest gab es einen anständigen Applaus im Anschluss. Doch auch wenn die Akustik auf der Bühne hin und wieder gegen die Geräuschkulisse der Gäste ankämpfen musste, kreierten die Musiker von Bluesky ein hervorragendes Konzert, das definitiv nach mehr verlangt.