Kaiserslautern Steckt der Architekt dahinter?

Wer ist Siegfried Erlhoff? Die Frage ist angesichts einer Ausstellungseröffnung in der Landstuhler Galerie 35 berechtigt. Der Name Erlhoff ist insbesondere in Künstlerkreisen so gut wie unbekannt. Ein wenig anders sieht es mit Eugeniusz Zygfryd Olszewski (1924 bis 2011) aus. Abgekürzt mit „EZO“, geben die damit signierten Gemälde der Ausstellung „Zwei Seen/Two Lakes“ einen ersten Hinweis, dass Erlhoff, der Architekt, und Olszewski, der Maler, ein und dieselbe Person sind.
Es war wieder ein letzter Freitag im Monat. Und als solcher trägt er in der Galerie 35, die nach jahrelangem Leerstand Mitte des Jahres 2013 von Erika Pfauntsch aus Neunkirchen im Ladentrakt des Gebäudes Hauptstraße 35 eröffnet wurde, den Beinamen „Kunstfreitag“ oder „arty friday“. Das wiederum heißt nichts Anderes, als dass Vernissagen und/oder interdisziplinäres Multiplizieren in Sachen Kultur, Kunst und nebenbei auch Kommerz zum Anlass des Treffens von Künstlern, Kunstschaffenden und vor allem interessierten Menschen gedacht sind. Der Freitag des vergangenen Wochenendes brachte die Kunst des Siegfried Erlhoff beziehungsweise Zygfryd Olszewski in die Stadt. Und das mit deutlicher Auffälligkeit: Bereits draußen, auf gesamter Schaufensterlänge, verweilen häufiger als gewohnt Passanten. Und damit beginnt zu funktionieren, was hier gerade passiert: Eine Galerie zeigt Werke nur deswegen, weil die Galerieinhaberin und ihr Mann Jerry Ceglia vom Oeuvre überzeugt sind. Während eines Aufenthaltes in Frankfurt wollte es der Zufall, dass sie der Witwe Erlhoffs begegneten und ihnen die betagte Dame letztlich 21 Exponate anvertraute, die seit Freitagabend unter dem Titel eines der Bilder, „Zwei Seen/Tow Lakes“, in der Landstuhler Galerie 35 zu sehen sind. Damit jedoch beginnt eine zweite und dritte spannende Geschichte: die des Künstlers und seiner beiden Namen sowie die seines stilistischen und inhaltlichen Malens. Erlhoff kam 1924 als Eugeniusz Zygfryd Olszewski in Westpreußen zur Welt, bekam durch die Namensänderung seines Vaters in den 1930er Jahren aus politischen Gründen den Namen Erlhoff, wurde Pilot bei der Luftwaffe, studierte Architektur in Hannover und verlegte ab 1980 seinen Wohnsitz an den Lago Maggiore, wo er sich ab 1982 zunehmend auf bildende Kunst einließ. Dafür legte er sich seinen Geburtsnamen als Künstlernamen zu, stellte vorrangig in Italien und der Schweiz aus. In seinem letzten Lebensjahrzehnt, das ihn über München nach Einhausen an der Bergstraße führte, soll er, ohne dass die Beweggründe zu erfahren waren, keinen Pinsel mehr angerührt haben. Überhaupt gibt es abgesehen von diesen Lebensdaten zunächst keine weiteren Aufsätze oder Artikel, seine Kunst betreffend. Nun zur Kunst an sich: Die ersten Eindrücke bestimmen die Farben, die ebenso abstrakten wie figürlichen Motive, die Weitblicke in Landschaftsszenerien, die Nahblicke in geometrische Linien- und Kreisformationen. Insgesamt überwiegt das Ölbild in seiner Kunst. Sie ist gut lesbar, wenn auch überraschend mehrsprachig. EZO malte frappierend direkt und ebenso assoziativ und interpretationsfähig. Sogar frei fließende Pinselgesten, die das große Thema der Bewegungen auf die Leinwände bringen, beinhalten dabei jedoch jenen Hang Linien zu ziehen. Es mag der Architekt dahinter stecken. Doch wenn, dann dahingehend, dass er in der Kunst durch Abwesenheit glänzt. Wo genau ist er jedoch? Zeigt er sich im Spagat seiner beider Namen? Ist mehr über den Künstler zu erfahren? Gibt das Gesamtwerk Antwort? Vielleicht mit jenem Spagat so gegensätzlicher oder gar auseinanderdriftender Malstile? In jedem Fall scheinen die einzelnen Schaffensperioden Daseinsphasen oder gar nur Momente aufzuzeigen, die der Maler nur dem Malen anvertraute. Im Umkehrschluss allerdings trifft plötzlich eine Bildgeste auf Gefühle, die dem Betrachter zu eigen sind. Seelenverwandtschaft lässt sich eben schwerlich erklären. Sie führt jedoch auch wildfremde Menschen im Gespräch über Kunst zusammen, so wie in Landstuhl. Dieser Galeristenidealismus gleicht einem Abenteuer, es gebührt ihm Aufmerksamkeit.