Kulturzentrum Kammgarn
Starkes Doppel in Kaiserslautern: Die Bands Irdorath und dArtagnan
Wenn die Zeiten nicht einfach sind, wächst die Sehnsucht nach anderen Erfahrungswelten, oft nach früheren, meist nur vermeintlich „besseren“ Epochen. Vielleicht ist das mit ein Grund dafür, dass etwa Seemannslieder und Mittelalter-Rock-Bands, die Geschichten und Töne aus anderen Welten zu uns transportieren, einen großen Erfolg haben. Zwei Folk-(Rock)-Gruppen aus diesem großen Umfeld, Irdorath und dArtagnan, gastierten am Freitagabend im brechend vollen Kasino der Kammgarn – beide wiederum mit eben jenem Erfolg.
Den Anfang des langen Konzertabends gestaltete die aus Belarus stammende Gruppe Irdorath mit einem Repertoire aus (von ihr selbst so genannten) „Fantasy-Folk“-Titeln, die sich inhaltlich unter anderem mit Legenden und Mythen beschäftigen. Auch, wenn man die Liedtext-Sprache nicht verstand, so konnte man hier allein in den kraftvollen Kompositionen der 2011 in Minsk gegründeten Band, von der einige Mitglieder bereits politische Haft erdulden mussten, viel von Stärke und Sehnsucht erspüren.
Von Belarus nach Bayern
Das wirkte sich auch auf die Stimmung im Hause aus und bereitete nachhaltig den Boden für die nachfolgende Haupt-Band dArtagnan. Benannt nach der historischen Figur eines barocken Grafen und Soldaten (der später im Umfeld der „Drei Musketiere“ zu literarischem Weltruhm kommen sollte), gab sich die bayerische Band mit ihrem so genannten „Musketier-Rock“ musikalisch entsprechend lebensfroh und energetisch.
Da ging es beispielsweise ums ausgiebige „Feste feiern“ (so der Titel eines ihrer Lieder) mit entsprechenden Trinkliedern, darunter das beliebte „Was wollen wir trinken?“ von Bots, das auf einem bretonischen Volkslied basiert. Da gab es mit „Westwind“ einen thematischen Abstecher in die Seefahrer-Romantik und auch einen Blick in die Zeit des Mittelalters („An der Tafelrunde“) sowie eine Hommage an einen „Teufelsgeiger“ (so ein weiterer Titel), mit dem der versierte, stellenweise wie elektrisiert agierende Band-Violinist Gustavo Strauß gemeint gewesen sein könnte. Das ließ die Atmosphäre, die schon vom buchstäblich allerersten Ton des Auftritts an hochkochte – da ging ein lauter, aufmunternder Aufschrei durchs Publikum –, immer stärker pulsieren, immer weiter nach oben treiben.
Das funktionierte auch und gerade wegen der stilistischen Offenheit in der Musik des – im Übrigen thematisch passend fantasievoll und wechselnd gekleideten – Sextetts, die zwar zu einem großen Teil auf (Irish-) Folk basiert, aber auch „mittelalterliche“ Einflüsse, einen Schuss Shanty und sogar eine Prise klassischen Schlager zulässt.
Ben Metzner im Mittelpunkt
In der Regel sauber miteinander verbunden und vor allem durch Frontmann Ben Metzner durch dessen raue, alles tragende Stimme und dominante Bühnen-Performanz zusammengeführt, ergab sich so ein in sich ausgewogenes, nach außen hin höchst wirkungsvolles Konzert. Bis zur letzten Minute hinein genossen die bis dahin ausdauernd mitsingenden und lange applaudierenden Fans diese Reise in eine Welt der früheren Zeiten, fantasievollen Gedanken und neuen Lieder.